Michael Stoll zum Tod von David Bowie

David Bowie lebt. Auch nach seinem Tod. Wie nur wenige Künstler in der langen Geschichte populärer Musik hat der Brite Generationen von Musikern beeinflusst – angefangen bei Marc Bolans Glamrockern T. Rex über Nirvana und Placebo bis hin zu Arcade Fire, um nur wenige zu nennen.

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Michael Stoll zum Tod von David Bowie

Asche zu Asche

Bowie also lebt weiter, wird Impulsgeber bleiben. Dafür steht auch, dass ein ehedem verschmähtes Album wie „Earthling“ erst heute, 20 Jahre nach seinem Erscheinen, als wegweisendes Werk erkannt wird.

Bowie war so etwas wie ein Universalkünstler, vielleicht der wichtigste seiner Generation. Seine bizarren Bühnenkostüme, Fotos, Texte und Zeichnungen erregten noch vor wenigen Jahren große Aufmerksamkeit in Museen. Und er war Schauspieler, im Film ebenso wie auf der Bühne. Rollenspiele bestimmten auch seine Images, vor allem in den 1970er-Jahren, als er Kunstfiguren wie Ziggy Stardust und den Thin White Duke erfand, damit die Popmusik verwirrte und ihr die Unschuld raubte. Sein provozierendes Spiel mit Geschlechterrollen, sexuellen Orientierungen und Androgynität war einerseits geschicktes Marketing, hat aber zweifellos auch eine neue Offenheit in der westlichen Gesellschaft mit befördert.

Wer David Bowie nun auf die Fummeltrine, das Chamäleon reduziert, der irrt gewaltig und verkennt seine gewichtigste Rolle: die des fantastischen Musikers. Ob Folk, Glam, Rock, Soul, Jazz, Drum' n' Bass, Disco oder Avantgarde – er schöpfte aus den verschiedensten Stilen und Einflüssen und schuf daraus immer wieder Neues, Massenkompatibles, Erfolgreiches, zumindest aber Diskussionswürdiges wie seine letzten Alben. Als Produzent griff er Leuten wie Iggy Pop, Lou Reed oder Mott the Hoople unter die Arme. Mit Queen, Mick Jagger und den Pet Shop Boys kooperierte er erfolgreich. Unzählige seiner Lieder wie „Space Oddity“, „Changes“, „Life on Mars“, „All the Young Dudes“, „The Man Who Sold the World“,„Let's Dance“ und allen voran die ewige, dunkle Berlin- und Mauerhymne „Heroes“ zählen zu den bedeutenden Songs der Popgeschichte. Zum Tod des großen David Bowie höre ich diese Musik: „Ashes to Ashes“ ...

E-Mail an: michael.stoll@rhein-zeitung.net