Archivierter Artikel vom 28.10.2014, 06:00 Uhr
Köln/Rheinland-Pfalz

Extremismus: Gewalt eint Hooligans und Neonazis

Ausländerfeindliche Parolen, Attacken gegen die Polizei, Randale bis spät in den Abend und Ermittlungen gegen Dutzende Gewalttäter: Nach den schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei in Köln befürchten Sicherheitsexperten eine neue Dimension der Gewalt.

Von unserer Redakteurin Ursula Samary

Denn: Organisator war die Vereinigung „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa), aufgerufen hatte zu der eskalierenden Kundgebung mit mehr als 4000 Menschen aber auch die rechtsextreme Partei Pro NRW. Dass sich verfeindete Hooligans plötzlich derart verbünden, sich ihnen auch noch rechtsextremistisches Milieu anschließt, das ist für die Polizei ein neues Phänomen.

In Rheinland-Pfalz kündigte Innenminister Roger Lewentz (SPD) wie Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) in Berlin ein hartes und konsequentes Vorgehen gegen Gewalttäter an. Der Staat dürfe nicht zulassen, „dass sich gewalttätige Salafisten und Rechtsextreme gegenseitig hochschaukeln“, sagte Maas. „Die Polizei in Rheinland-Pfalz wird den Kontrolldruck hoch halten und die Ereignisse mit den Kollegen in Köln analysieren“, erklärte Lewentz.

Die rheinland-pfälzische Polizei hatte am Sonntag die Reisewege bereits kontrolliert. Sie geht davon aus, dass etwa 30 Kaiserslauterner Hooligans nach Köln gefahren sein könnten. Bei Ludwigshafen wurde ein Bus durchsucht, die Personalien von 17 Rheinland-Pfälzern und elf Baden-Württembergern festgestellt sowie Vermummungsgegenstände – etwa Sturmhauben – sichergestellt. Lewentz reagierte auf die Gewalt gegen die Polizei schockiert: „Es ist nicht hinzunehmen, dass Schläger und Rechtsextreme die weltpolitische Lage für ihre unsäglichen Zwecke missbrauchen.“

Dass sich „etwas zusammenbraut“, hat die Referatsleiterin Rechtsextremismus beim rheinland-pfälzischen Verfassungsschutz erwartet – „aber nicht in dieser Dimension“, wie sie unserer Zeitung sagt. Hinweise gab es im Internet, zudem sind Neonazi-Hooligans im März zum Salafisten-Prediger Pierre Vogel nach Mannheim gereist, ohne dass es zu größeren Tumulten kam. Bisher sind nur Einzelne aufgefallen, die in der Hooligan-Szene wie bei den Rechtsextremen unterwegs sind, heißt es beim Mainzer Verfassungsschutz. In Köln habe sie wohl die „Lust an Gewalt“ und der Hass auf IS-Terroristen geeint, erklärt die Expertin. Für Prognosen, ob sich das Phänomen und die Gruppe verfestigt, „ist es noch zu früh“.

Nach Angaben der Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen ist die Gruppe um die Kundgebungsorganisatoren binnen weniger Wochen stark angewachsen. In Rheinland-Pfalz sind den Sicherheitsbehörden etwa 2400 „Gewalt suchende Hooligans und 10 878 zu Gewalt neigende“ Hooligans bekannt. Unter Rechtsextremisten seien 150 zu Gewalt bereit. Ob die Kölner Randale jetzt Salafisten anstachelt, ist offen. Das Ministerium sieht im Land keine gefestigten Islamismus-Strukturen.