Archivierter Artikel vom 14.12.2010, 12:04 Uhr

Was macht ein Kameramann?

Reproduzierte Bilder prägen den Alltag, Internet, Fernsehen und Computer leben davon. Wenn man das Wesen dieser Medien kennenlernen möchte, wo fängt man da besser an als bei der Kamera?

Reproduzierte Bilder prägen den Alltag, Internet, Fernsehen und Computer leben davon. Wenn man das Wesen dieser Medien kennenlernen möchte, wo fängt man da besser an als bei der Kamera?

Einstellunggröße: Im Kameraworkshop der Videofilmtage lernten die Teilnehmenden die einzelnen Einstellungen kennen: Von der Panorama- bis zur Detailaufnahme sind die Möglichkeiten breit gefächert. Wichtige Prinzipien bei der Kameraarbeit sind etwa das Duo aus Schuss und Gegenschuss sowie die Perspektive der Blickachse.

Licht: Der praktische Teil des Workshops konzentrierte sich auf die wichtigsten Kamerafunktionen, die Lichtsetzung und die Umsetzung der theoretischen Grundkenntnisse. Dabei übten die angehenden Filmleute, die Blende bei einem bestimmten Zoom manuell einzustellen, und spielten mit der Tiefenschärfe. Anschließend installierten sie Führungslicht, Fülllicht und die sogenannte Kante im Raum. Nach einer Analyse des Kamerabildes kann man immer noch einiges an der Aufstellung verbessern.

Absprache: Am folgenden Tag war es wirklich so weit: der erste Dreh. Alle waren nun am Rotieren, jeder sich seiner Aufgabe bewusst. Kameraleute, Regisseure und Workshopleiter hatten den letzten Schliff in die Plots gebracht, die Schauspieler waren auf ihre Texte inhaltlich, sprachlich und dramaturgisch vorbereitet. Es ging live am Set weiter.

Drehorte: Bei den Außendrehs verzichteten die Kameraleute auf optionales Licht, denn ihr Fokus lag auf der Atmosphäre und der Kadrierung des Bildes. In Innenräumen dagegen konnte in der Regel gar nicht auf Licht verzichtet werden. Drehorte waren etwa ein Herren-WC und eine Tiefgarage. Nach genau dieser Atmosphäre hatte der Plot verlangt: Er dreht sich um die letzten zwei Menschen auf Erden, die in absehbarer Zeit ihr irdisches Leben verlassen werden und nun in einer halb dramatischen, halb ironischen Situation die letzten Worte sprechen. Das Ende bildet eine Kamerafahrt: Dafür fuhr der Kameramann auf einem Rollstuhl in ein helles Licht.

Der Tag ist zum Drehen, die Nacht zum Schneiden da. Den rund 100 Teilnehmenden waren in angenehmer Arbeitsatmosphäre keine Grenzen beim Experimentieren gesetzt. Weil das medienpädagogische Modell der Videofilmtage so gut funktioniert, gehören sie weit nach oben in die Freizeitcharts.

Von Martin Franke

Video: Die Letzten (Kamera: Martin Franke aus Mainz)