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Mainz

TV-Fastnacht – Immer mehr schalten um

Es war die schwächste Quote aller Zeiten: Gerade 5,89 Millionen Zuschauer wollten in diesem Jahr "Mainz bleibt Mainz" im Fernsehen sehen. Im Vergleich zum Vorjahr waren das etwa 600 000 Seher weniger. Vor zehn Jahren sahen sich sogar noch fast neun Millionen Narren die Sendung an.

Altbackene Show? Gerade junges Publikum lässt sich mit „Mainz bleibt Mainz“ im Fernsehen nicht mehr locken. Die vergangene Übertragung hatte die schlechteste Quote aller Zeiten.
Altbackene Show? Gerade junges Publikum lässt sich mit „Mainz bleibt Mainz“ im Fernsehen nicht mehr locken. Die vergangene Übertragung hatte die schlechteste Quote aller Zeiten.
Foto: DPA

Und es mag ein historischer Vergleich sein: Aber Ende der 80er-Jahre saßen bei "Mainz bleibt Mainz" noch 17 Millionen vor den Fernsehgeräten.

Mainz ist kein Sonderfall: Kaum ein Ereignis dominiert über Wochen das öffentlich-rechtliche TV-Programm so wie der Karneval. Fast 30 Prunksitzungen von Cottbus bis Friedrichshafen zeigten Das Erste, das ZDF und die Dritten 2012 in nur drei Wochen – ein gigantisches Ausmaß. Doch die oft altbackenen Shows sind längst nicht mehr so erfolgreich wie einst.

Die acht der zehn größten, deren Zahlen mit denen von 2002 vergleichbar sind, verloren in diesen zehn Jahren 7,41 Millionen Zuschauer, im Vergleich zu 2011 ganze 2,28 Millionen.

Nur noch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern

Der TV-Karneval ist längst eine rein öffentlich-rechtliche Veranstaltung geworden. Schon 2005 verabschiedet sich RTL von seinem langjährigen Erfolg "Kölle Alaaf". Seit 2006 finden Prunksitzungen daher nur noch im Ersten, im ZDF und den Dritten der ARD statt.

2012 tat vor allem das SWR-Fernsehen viel für die Fastnacht-Fans: Ganze neun Sitzungen zeigte man um 20.15 Uhr – ein Rekord. Das Erste war unterdessen an fünf Abenden dabei, das ZDF an vier.

Die Nummer eins des TV-Karnevals bleibt "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" trotzdem. Die Sendung wird im jährlichen Wechsel vom Ersten und dem ZDF ausgestrahlt. Auf den weiteren Plätzen folgen "Typisch Kölsch", "Düsseldorf Helau", "Mer losse d'r Dom in Kölle" und "Karneval in Köln", vier Shows aus dem Rheinland also. Schaut man sich für diese zehn Topsendungen nun die Vergleichswerte aus den Jahren 2002 und 2011 an, so wird es etwas ernüchternd.

Bei sieben der acht Shows, deren Zahlen mit denen von vor zehn Jahren vergleichbar sind, ging es nach unten. Mehr als eine Million Fans verloren im Vergleich zu 2002 "Mer losse d'r Dom in Kölle", "Karneval Hoch Drei" und "Wider den tierischen Ernst".

Bitter für die Veranstalter der Prunksitzungen: Junge Zuschauer bleiben den Shows immer öfter fern. Während "Mainz bleibt Mainz" vor zehn Jahren noch einen Marktanteil von mehr als 10 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen erreichte und auch "Typisch Kölsch", "Mer losse d'r Dom in Kölle" und "Karneval in Köln" 8,5 bis 9,3 Prozent erzielten, gab es 2012 keine Sitzung mit mehr als 5,2 Prozent im jungen Publikum.

Alle Shows des Ersten und des ZDF blieben damit klar unter den Sendernormalwerten, die Zuschauerzahlen halbierten sich. Junges Publikum lässt sich mit Karneval also nicht mehr locken.

Es lässt sich nicht wegdiskutieren, die großen TV-Prunksitzungen werden von Jahr zu Jahr erfolgloser. Nur noch eine begeisterte im Jahr 2012 mehr als fünf Millionen Zuschauer, im Vergleich zu 2011 gingen der Top Ten 2,28 Millionen verloren. Woran das liegt, müsste wohl mit Befragungen herausgefunden werden. Allerdings dürfte die Fülle von Sitzungen selbst die treuesten Fans überfordern.

ARD und ZDF sollten überlegen, nach und nach ein paar Verträge nicht zu verlängern und mit weniger Shows die verbleibenden zu stärken.

Von Jens Schröder

Dieser Text erschien zunächst online bei Meedia.de

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