Archivierter Artikel vom 30.07.2012, 16:16 Uhr
Bad Tatzmannsdorf

Nicht jede Kurärztin spielt Golf

Der anfänglich so skeptische MRZ-Kollege Jörg Schneider könnte sich vorstellen, ins Burgenland überzusiedeln. Vielleicht sogar nach Bad Tatzmannsdorf. Das hat viele Gründe. Einer heißt Dr. Brigitte Blüthenkranz.

Golf – gut zur Kontaktanbahnung? Naja...
Golf – gut zur Kontaktanbahnung? Naja...
Foto: dpa (Archivbild)

Bad Tatzmannsdorf – Der anfänglich so skeptische MRZ-Kollege Jörg Schneider könnte sich vorstellen, ins Burgenland überzusiedeln. Vielleicht sogar nach Bad Tatzmannsdorf.

Das hat viele Gründe. Zunächst einmal ist er guter Hoffnung, dass er bis zu unserer Abreise noch die Frau Dr. Brigitte Blüthenkranz kennenlernt und zu einem Date überreden kann.

Die hübsche Ärztin, die in unserer Tatzmannsdorfer Kurprospekt abgebildet ist, beflügelt die Phantasie des Kollegen enorm. Nicht nur wegen ihres Fachbereichs: Diplom für Kurort- und Ernährungsmedizin. In ihre Praxis im zweiten Stock des Kurmittelhauses getraut sich der Kollege aber nicht.

Nicht jede Doktorin spielt Golf

Stattdessen lungert er auf dem nahen Golfplatz herum, hämmert auf dem edlen Gelände vor lauter Vorfreude sogar ein Birdie raus bei seinem Gang über 9 Löcher – allein, Frau Dr. Blüthenkranz hat sich dort nicht blicken lassen. Offensichtlich spielt nicht jede Doktorin Golf. Zumindest nicht samstags zwischen 17 und 20 Uhr.

Wer weiß, ob sich der Kollege jetzt nicht noch durch sämtliche der ganzheitlichen Kuranwendungen quälen, sämtliche Heilwasserquellen leertrinken, sämtliche Nordic-Walkling-Loipen, Mulsch- und Kunstrasenbahnen ablaufen und sämtliche Kurkonzertveranstaltungen besuchen will. In der Hoffnung auf ein Zufallstreffen.

Fest steht: In Bad Tatzmannsdorf könnte man, sollte die zwischenmenschliche Anbahnung noch klappen, preiswert und romantisch wohnen – und man könnte auch locker eine Anstellung finden.

Davon berichtet die Mutter unseres Pensionsinhabers. Frau Weiss ist 74 Jahre alt. Sie arbeitet täglich noch bis zu 16 Stunden im Familienbetrieb mit Hotel, Pension und Weinstadl. 12 Maschinen Wäsche hat sie am Samstag durch die Maschine gejagt, dabei waren auch die Trikots der gerade abgereisten portugiesischen Basketball-Nationalmannschaft. Die Enkel, sagt sie haben es mit Fußball und Sprachen. Hotelgewerbe? „Nein, das interessiert die überhaupt nicht. Und schon gar nicht in diesem Dorf.“ Die Schwiegertochter, die lange im Tourismusbetrieb mitgearbeitet hat, ist irgendwann in ihren Lehrerberuf zurückgekehrt. „Sonst hätte sie ja auch nicht studieren brauchen.“ Frau Weiss, die seit ihrem 18. Lebensjahr im eigenen Hotel- und Gastronomiegwerbe schuftet, bringt auch dafür Verständnis auf.

Mitarbeiter dringend gesucht

Mitarbeiter sind schwer zu finden. Von früh bis abends und an jedem Wochenende malochen, und das im nur bedingt spannenden Bad Tatzmannsdorf, das ist kein Reißer. Wenn sich jemand meldet auf entsprechende Stellenanzeigen, dann nur Leute aus dem wirtschaftlich gebeutelten Ungarn. Die Grenze ist nur 15 Kilometer entfernt. Sämtliche Kellner und Kellnerinnen, das war eh schon unser Eindruck, kommen aus Ungarn. Wir halten fest: Der Kollege würde hier leicht in Arbeit kommen.

Ein Haus kaufen oder bauen, auch das wäre kein großes Problem. Niemand will in Bad Tatzmannsdorf noch etwas kaufen oder bauen, erzählt Frau Weiss. Die Verkaufspreise sind eingebrochen. Ackerland gibt es für 50 Cent, Bauland für 20 Euro den Quadratmeter. Da denkt sich der Kollege, der in Mainz zur Miete wohnt: Auf ins Südburgenland. Der Haken allerdings bleibt die schöne Diplomkurärztin. Wir arbeiten daran. Reinhard Rehberg

Viele Fotos aus dem Trainingslager – wenn auch nicht von Frau Dr. – gibt es hier!