Archivierter Artikel vom 24.12.2012, 08:00 Uhr
Rheinland-Pfalz

Nach der Insolvenz: Erst 511 der 1354 Mitarbeiter im Land haben neue Jobs

Vor knapp sechs Monaten war Schluss. Alle Schlecker- Filialen machten dicht, auch in Rheinland-Pfalz. Doch Erfolgsgeschichten wie die von Mirella Greco aus Spay (Kreis Mayen-Koblenz), die nach der Pleite ihres Arbeitgebers ihren eigenen kleinen Laden eröffnet hat, sind rar.

Die ehemalige Schlecker-Angestellte Mirella Greco räumt Regale in ihrem Laden in Spay (Kreis Mayen-Koblenz) ein. Wie sie haben in Rheinland-Pfalz nur wenige Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.
Die ehemalige Schlecker-Angestellte Mirella Greco räumt Regale in ihrem Laden in Spay (Kreis Mayen-Koblenz) ein. Wie sie haben in Rheinland-Pfalz nur wenige Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.
Foto: Benjamin Stöß

Von den 1354 früheren Schlecker- Beschäftigten im Land hatten Mitte Dezember 511 eine neue Stelle, teilt ein Sprecher der Regionaldirektion der Arbeitsagentur in Saarbrücken auf Anfrage mit. Knapp 20 haben sich selbstständig gemacht. Mehr als die Hälfte der ehemaligen Angestellten der Drogeriemarktkette haben also noch immer keine Arbeit. Und das, obwohl das Land Rheinland-Pfalz ein umfangreiches Hilfsprogramm für die sogenannten Schlecker-Frauen aufgelegt hatte. Unter anderem wurden von Juli bis Mitte November landesweit zwölf sogenannte Kümmerer eingesetzt, die den ehemaligen Drogeriemarkt-Mitarbeitern – zusätzlich zu den Vermittlern der Arbeitsagentur – zur Seite standen. Aber was hat es gebracht?

Viel, sagt Rina Kiesewetter, die im Auftrag der „Weitblick Personalberater GmbH“ als Kümmererin den Arbeitsmarktbezirk Neuwied/ Altenkirchen betreut hat. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass es gar nicht unsere Aufgabe war, die Frauen aus der Statistik zu holen“, sagt die 46-Jährige. Es habe eine klare Aufgabentrennung gegeben: Die Vermittler der Agenturen konzentrierten sich darauf, den Frauen zu helfen, neue Jobs zu finden. Die Kümmerer arbeiteten dagegen im psychosozialen Bereich. „Ich war sozusagen die gute Freundin, bei der sich die Frauen ausheulen konnten“, sagt Kiesewetter. Viele der vor allem weiblichen Schlecker-Mitarbeiter fielen nach der Pleite in ein tiefes Loch.

Denn obwohl die Drogeriemarktkette immer wieder wegen Leiharbeitsverhältnissen, schlechter Bezahlung oder Video-Überwachung der Angestellten in der Kritik stand: „Für viele Frauen war die Arbeit dort der Mittelpunkt des Lebens“, sagt Kiesewetter. „Meine Aufgabe war es dann, ihnen ihre Stärken wieder vor Augen zu führen“, erläutert sie. Konkret bedeutete das, die Frauen in persönlichen Krisen zu unterstützen, aber auch, mit ihnen an ihren Bewerbungsunterlagen zu arbeiten oder die Situation in Bewerbungsgesprächen zu trainieren.

Zehn Stunden Zeit konnten die Kümmerer jeder Schlecker-Frau im Durchschnitt anbieten – und damit deutlich mehr als die Vermittler der Agentur. Auch wenn sich ihre Arbeit nicht in konkreten Arbeitsmarktzahlen niederschlägt, zieht Kiesewetter deshalb eine positive Bilanz: „Die Resonanz war gut.“ Das sieht auch das Arbeitsministerium so. Landesweit, so eine Sprecherin, hätten 580 ehemalige Schlecker-Mitarbeiter das freiwillige Angebot in Anspruch genommen.

Von unserer Redakteurin Angela Kauer