Archivierter Artikel vom 02.11.2011, 09:11 Uhr
Rheinland-Pfalz

Magenkrebs erzieht den Patienten

Der Magen eines Krebspatienten verzeiht keine Sünden. Wenn Dr. Robert Schwab, Leitender Arzt am Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz, seinen Patienten einen Teil oder den gesamten Magen entfernen muss, dann beginnt für diese eine Art Ernährungsrevolution: 12 bis 14 Tage nach der Operation lernen sie während einer Reha, täglich sechs bis sieben Zwischenmahlzeiten zu sich zu nehmen.

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Rheinland-Pfalz – Der Magen eines Krebspatienten verzeiht keine Sünden. Wenn Dr. Robert Schwab, Leitender Arzt am Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz, seinen Patienten einen Teil oder den gesamten Magen entfernen muss, dann beginnt für diese eine Art Ernährungsrevolution: 12 bis 14 Tage nach der Operation lernen sie während einer Reha, täglich sechs bis sieben Zwischenmahlzeiten zu sich zu nehmen.

Es ist ein ständiger Kampf mit sich selbst, unterstützt von Psychoonkologen und Diätassistenten. „Wenn Patienten abnehmen, dann haben sie Angst, einen Rückfall zu bekommen. Viele müssen sich aber zum Essen zwingen, weil sie kein Hungergefühl mehr haben. Und wer Diätsünden begeht, der hat schnell Schmerzen“, sagt Schwab, der als Viszeralchirurg, also als Chirurg der Verdauungsorgane, arbeitet.

Doch so weit kommt es in immer weniger Fällen. Schwabs Patienten haben zunehmend frühe Stadien des Magen- und Speiseröhrenkrebses, die man früher gar nicht erkannt hat. Grund ist die deutlich bessere Diagnostik: „Bei der Endoskopie hat es einen Quantensprung gegeben.“ Außerdem ist die Therapie deutlich differenzierter und patientenfreundlicher geworden. Heute berät eine Tumorkonferenz aus Gastroenterologen, Pathologen, Strahlentherapeuten, Chirurgen und Onkologen darüber, wie ein bösartiges Gewebe behandelt werden sollte.

Befindet sich der Krebs nicht mehr in einem Vorstadium, das endoskopisch abgetragen werden kann, sondern in den Stadien T1 oder T2, dann schlägt die Stunde der Chirurgen. Sie müssen im Notfall den gesamten Magen entfernen und die Speiseröhre dann an den überaus dehnbaren Dünndarm anschließen. Gleiches gilt für die Speiseröhre: Sie kann in Teilen oder in Gänze – was sehr selten passiert – durch einen sogenannten Magenhochzug rekonstruiert werden. Eine umfassende Chemotherapie vor und nach der Operation ist laut Schwab nur nötig, wenn der Krebs ebenfalls die Lymphknoten befallen hat.

Das Tückische ist, dass man heute zwar sehr viel über die Ursachen von Magenkrebs weiß, dass erjedoch trotzdem nicht immer früh genug entdeckt wird. So wurde der für die Entstehung von Magengeschwüren und möglicherweise auch für Magenkrebs verantwortliche Erreger Helicobacter pylori bereits 1982 von den späteren Nobelpreisträgern Barry Marshall und Robin Warren entdeckt. 80 Prozent der Magenschleimhautentzündungen sind auf diesen Erreger zurückzuführen. Mittlerweile kann er leicht diagnostiziert werden. Sogar an einem Impfstoff wird gearbeitet. Doch oft macht sich der Magenkrebs erst in einem fortgeschrittenen Stadium etwa durch Verdauungsstörungen, Übelkeit oder Oberbauchschmerzen bemerkbar. Dann heißt es: schnell zu einer Magenspiegelung. Christian Kunst