Archivierter Artikel vom 16.06.2012, 07:56 Uhr
Mainz

Kleines Alarmsignal für Mainz – Fluglärm schadet dem Image

Der Fluglärm belastet nicht nur die Gesundheit der Mainzer, sondern er schadet auch nachhaltig der Attraktivität der Stadt. Dieses Fazit zieht Prof. Gregor Daschmann, Professor für Publizistik an der Uni Mainz, aus den Ergebnissen einer repräsentativen Befragung. Die hat ergeben: Viele Mainzer fühlen sich nicht mehr wohl in ihrer Stadt.

Ihre Empörung über den Fluglärm werden die Mainzer an diesem Samstag in einer Demo ausdrücken.
Ihre Empörung über den Fluglärm werden die Mainzer an diesem Samstag in einer Demo ausdrücken.
Foto: Schäfer

Schuld ist meistens der Fluglärm, der in den Augen vieler Bürger die Lebensqualität deutlich senkt. Für den Mainzer Professor ist das ein „kleines Alarmsignal“: Denn was Menschen über ihre Stadt denken, und wie sie sich hier fühlen, das tragen sie auch in die Welt. Mögliche Folge: ein Imageverlust für die Domstadt. Statt Gutenberg-, Fastnachts-, Fußball- oder Wissenschaftsstadt könnte Mainz in einigen Jahren als „die Stadt, die unter Fluglärm leidet“ gelten. Und wer würde die schon gerne besuchen oder gar dort leben und arbeiten wollen?

Tag der Marktforschung

Anlass für die telefonische Befragung von 500 Mainzern ist der „Tag der Marktforschung“ am 16. Juni. In Zusammenarbeit mit der „Initiative Markt- und Sozialforschung“ aus Berlin haben Umfrageinstitute in 16 deutschen Städten gefragt, wie wohl sich die Menschen dort fühlen. Für die Stadt Mainz wurden die Daten von „Forum! Marktforschung“ aus Hechtsheim erhoben, für Wiesbaden vom IFAK Institut aus Taunusstein, das 501 Bürger befragte.

Auf den ersten Blick sind die Ergebnisse für Mainz durchaus positiv: 64 Prozent der befragten Mainzer fühlen sich an ihrem Wohnort „sehr wohl“, 30 Prozent „eher wohl“, nur 4 Prozent fühlen sich „eher nicht wohl“, 1 Prozent sogar „gar nicht wohl“.

Aber: Mit diesen Werten liegt die Zufriedenheit der Mainzer unter dem Bundesdurchschnitt – und das, wo doch aus früheren Umfragen bekannt ist, dass die Mainzer ihre Stadt eigentlich besonders lieben. Sehr wohl oder eher wohl an ihrem Wohnort fühlen sich bundesweit durchschnittlich 96 Prozent. Spitzenreiter im Wohlfühl-Ranking sind übrigens Mannheim mit 99 Prozent, Bonn, Fürth und Münster mit jeweils 98 Prozent.

Wachsende Unzufriedenheit

Den Grund für den „Einbruch“ bei den Mainzer Imagewerten sieht Gregor Daschmann, wissenschaftlicher Beirat von Forum! Marktforschung, beim Fluglärm.

Knapp die Hälfte derjenigen, die mit dem Wohnort nicht so zufrieden sind, nennt den Lärm aus der Luft als zentrale Ursache dafür. „Es geht hier nicht um die tatsächliche physikalisch messbare Belastung, sondern vielmehr darum, wie dieser Belastungsfaktor in der Mainzer Bevölkerung und in der Region mittlerweile wahrgenommen wird“, erklärt der Publizistikfachmann und erläutert weiter, wie das dem Image der Stadt schaden kann.

„Die wachsende Unzufriedenheit der Bürger mit der Lebensqualität wird ja auch im Umland wahrgenommen. Sie verbreitet sich über Gespräche, Medien und Social-Media-Seiten. Dies schadet zunächst nachhaltig der von außen wahrgenommenen Attraktivität der Stadt und schlägt sich dann langfristig in messbaren Standortfaktoren wie Grundstückspreisen, Mieten und Neuansiedlungen nieder.“

Irmela Heß