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Die Altstädterin Rita heißt eigentlich Maria

Mainz – Die Topfpflanzen sprießen und gedeihen. Trotz Qualm. "Ritas Treff" an der Ecke Leibniz-/Jakob-Dieterich-Straße in der Neustadt ist eine Raucherkneipe, die auch eine bleiben soll. Mit einer bekennenden Wirtin.

Die Altstädterin Maria Friedrich ist als Wirtin in der Neustadt heimisch geworden: Schön für die Gäste in Ritas Treff.
Die Altstädterin Maria Friedrich ist als Wirtin in der Neustadt heimisch geworden: Schön für die Gäste in Ritas Treff.
Foto: Harry Braun

Mainz – Die Topfpflanzen sprießen und gedeihen. Trotz Qualm. "Ritas Treff" an der Ecke Leibniz-/Jakob-Dieterich-Straße in der Neustadt ist eine Raucherkneipe, die auch eine bleiben soll. Mit einer bekennenden Wirtin.

Jede Menge 05er-Bilder, -Wimpel, -Fahnen zieren die Eckpinte, die an 364 Tagen im Jahr geöffnet hat. "Nur am 1. Weihnachtstag nicht", sagt Inhaberin Maria Friedrich, die alle als "Rita" kennen.

"Das war halt einfach schon immer mein Rufname", lacht die 58-Jährige, die vorher dreieinhalb Jahre lang die "Erholung" in Weisenau betrieb. Davor und danach arbeitete sie in der "Umbach".

Aber auch ihr Lebensgefährte Udo Steinberger, der hinter dem Tresen hilft, hat eine gastronomische Vita: Bis vor zweieinhalb Jahren betrieb er die "Kugel" in der Hindenburgstraße um die Ecke. Und ihre Schwester arbeitet in der "Zeitungsente" in der Neubrunnenstraße.

"Ich habe 25 Jahre Praktikum vor dem Tresen gemacht bis ich selbst Kneipier wurde", erzählt der 48-Jährige Udo Steinberger fröhlich und zapft fleißig.

"Als gebürtige Altstädterin hätte ich nie gedacht, dass ich mich in der Neustadt so wohlfühle", sagt die Wirtin mit dem warmen Lächeln und der eleganten Erscheinung. Sie strahlt Souveränität aus.

Da fühlt man sich doch gleich aufgehoben. Und das wissen ihre Gäste zu schätzen. Sogar ehemalige Stammgäste aus der "Erholung" kommen immer wieder her.

Im Sommer hat sie zehn Quadratmeter Außenbewirtschaftung. "Da kommen die Leute schon Vormittags, trinken ihren Kaffee oder ihren Frühschoppen.

Um 11 Uhr macht sie auf. Und abends? "Na ja, 22.30 Uhr steht auf der Tür. Aber es wird selten 22.30 Uhr", erklärt sie vielsagend.

Wenn die 05er spielen ist das meiste los bei "Rita". Dann schmiert sie Schmalzbrote und bei jedem Sieg oder Unentschieden schmeißt sie eine Lokalrunde "Hütchen".

Angetan war sie von der Neustadt-Kneipe, die sie seit 2008 managt, weil sie so große Fenster hat und so hell ist. Davor hieß die Pinte übrigens "Kartoffelsack", davor "Zum Christinchen", davor "Zum Heineheine" und davor "Jolifante". Und davor, ganz früher, war es mal ein Kiosk.

Und gaaaanz früher ein Lebensmittelgeschäft, "ein Konsum oder so was", erinnert sie sich.

"Seit die Rita hier ist, ist das meine Stammkneipe, ich gehe nirgendwo anders mehr hin", erzählt Helmut Werner. "Die Rita hat das hier im Griff. Und als Frau gehört da auch heute noch was dazu.

Sie ist meine gute Hexe", befindet der 72-Jährige und zündet sich lächelnd eine an.

Angetan ist die Chefin schließlich auch von ihren Gästen: "Ich habe sie ins Herz geschlossen.

Das Lachen, das Gemecker, das Geschimpfe, das Gestichel, das Schwadronieren und das Sichwiedervertragen – ich brauche das irgendwie. Es ist das Familiäre, der Zusammenhalt."

Nein, Ärger habe es noch nie gegeben. Dazu gehe es einfach zu vertraut zu. Ihre Fingerknöchel klopfen dabei auf Tresenholz. Und wenn sie selbst mal Hilfe brauche, würden die Gäste nur so springen.

Soziale Verantwortung für sie, für ihre Nachbarn empfindet die Wirtin ebenfalls. "Ich bin durch den Hausbesitzer an einen Getränkegroßhändler gebunden. Der hat die Preise in vier Jahren drei Mal angehoben und ich habe das nie an die Leute weitergegeben. Gerade hier in der Neustadt gibt es doch viele Arbeitslose und kleine Einkommen."

Doch ein großes Thema schwebe nach wie vor auch über "Ritas Treff": Und dieses Thema heißt Nichtraucherschutz. Da fangen Maria Friedrich und Udo Steinberger an zu sinnieren. "Dass das nicht gesund ist, weiß doch jeder. Aber man braucht sich doch nur bei uns hier umzugucken", sagt er und blickt in die Schwaden über den Nachbartischen.

"90, ach was, 98 Prozent meiner Gäste rauchen", fügt Maria Friedrich hinzu. "Davon hängt die Existenz von Lokalen wie diesem hier ab."

Das wünschen sich beide auch von einem neuen Oberbürgermeister: Dass der da keinen Firlefanz anstellt.

Von unserem Redakteur Jochen Dietz

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