Archivierter Artikel vom 10.12.2011, 07:00 Uhr
Brüssel

Deutsche Ökonomen sind uneins über Wirksamkeit der Beschlüsse

Führende Ökonomen kommen zu völlig unterschiedlichen Urteilen, wenn es um die Bewertung des Brüsseler EU-Gipfels geht. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, erklärte, die Regierungen seien „einen wichtigen Schritt“ vorangekommen auf ihrem Weg in die Fiskalunion.

Berlin – Führende Ökonomen kommen zu völlig unterschiedlichen Urteilen, wenn es um die Bewertung des Brüsseler EU-Gipfels geht. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, erklärte, die Regierungen seien „einen wichtigen Schritt“ vorangekommen auf ihrem Weg in die Fiskalunion.

Dagegen kritisierte Peter Bofinger, ebenfalls Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die Beschlüsse als unzureichend. Italien und Spanien seien damit noch nicht aus der Schusslinie. Erst wenn die Euro-Staaten gemeinsam für ihre Schulden haften, ist der Euro aus seiner Sicht gerettet.

Auch die Volkswirte der meisten deutschen Banken zeigten sich enttäuscht. Commerzbank-Ökonom Ulrich Leuchtmann sagte, ordnungspolitische Beschlüsse wie der über die Bildung einer Fiskalunion seien für die Märkte derzeit irrelevant. Die akuten Finanzierungsprobleme Italiens und Spaniens sind damit nicht gelöst, heißt es. Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse sich zum unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen bereit erklären. „Wenn die EZB nicht mehr macht als bisher angekündigt, dann ist das Risiko sehr groß, dass das Gipfelergebnis nicht ausreicht, um die Krise zu beenden“, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Der neue EZB-Chef Mario Draghi hatte am Donnerstag unbegrenzte Anleihekäufe noch einmal abgelehnt.

mar