Archivierter Artikel vom 12.04.2012, 23:50 Uhr
Mainz

Blitzaktion: Polizei macht Jagd auf Raser

Auf gut einem Dutzend Landstraßen hat die Polizei in Mainz und Rheinhessen am Donnerstag zahlreiche Raser geblitzt. Dies war Teil einer landesweiten Aktion, deren Ergebnisse am Freitag bekannt gegeben werden sollen.

Die Polizei nahm Temposünder gestern mit allen greifbaren Blitzgeräten ins Visier wie hier im rheinhessischen Köngernheim.
Foto: Harry Braun
Die Polizei nahm Temposünder gestern mit allen greifbaren Blitzgeräten ins Visier wie hier im rheinhessischen Köngernheim.
Foto: Harry Braun

Mainz – Die meisten Autofahrer ärgern sich, wenn sie in eine Radarfalle geraten und geblitzt werden.

Wie am Donnerstag. Bei einem landesweiten Kontrolltag hat die Polizei vielen Rasern die gute Laune vor allem auf Bundesstraßen verdorben. In Mainz hatten die Beamten die Blitzgeräte am Vormittag an Unfallschwerpunkten aufgestellt, später im rheinhessischen Umland an gut einem Dutzend Stellen.

Die Polizei rechtfertigt die Kontrollen mit den vielen Unfällen mit Toten und Verletzten. So starben im Bereich des Polizeipräsidiums Mainz voriges Jahr 24 Menschen nach einem Verkehrsunfall durch überhöhte Geschwindigkeit, berichtet Polizeihauptkommissar Rainer Hois. Im Jahr zuvor waren es 25 Todesopfer.

Die Zahl blieb also nahezu identisch, obwohl die Zahl der Getöteten landesweit zurückging von 205 auf 192. Sorgen machen der Polizei aber nicht nur die getöteten Unfallopfer, sondern auch die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten. Im Polizeipräsidium Mainz mit den Landkreisen Mainz-Bingen, Alzey-Worms und Bad Kreuznach wurden voriges Jahr 545 Menschen bei Unfällen mit hoher Geschwindigkeit schwer verletzt, 24 mehr als im Jahr 2010. Als „schwer verletzt“ gilt, wer ins Krankenhaus eingeliefert wird. Die Zahl der Leichtverletzten im PP Mainz stieg im gleichen Zeitraum von 2894 auf 3180 an.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club hat übrigens durchaus Verständnis für solche Kontrolltage der Polizei. „Sie dienen der Sicherheit“, sagt Reinhard Moll vom ADAC in Rheinland-Pfalz. Der Verdacht auf Abzocke bestehe hingegen bei Kontrollen der Kommunen, wenn etwa in Ferienzeiten vor Schulen geblitzt wird.

Polizeihauptkommissar Rainer Hois betont: „Wir müssen Geschwindigkeit immer in Zusammenhang mit den Verletzten sehen und dem Leid, das entsteht.“ Es ärgert ihn daher, wenn die Überwachung der Geschwindigkeit in der Öffentlichkeit bisweilen einen Hauch des Anrüchigen hat, des Fallenstellens und Wegelagerns. „Schon das Wort ,Radarfalle' führt in die Irre“, betont Hois. „Wir stellen keine Fallen, denn wir hängen ja die Verkehrsschilder nicht zu. Wir legen niemanden rein.“ Im Gegenteil: Inzwischen gibt die Polizei die Kontrollen kurz vorher sogar öffentlich bekannt, um die Raser und andere Verkehrssünder zu sensibilisieren.

Die Polizei kündigte an, die Kontrollen das gesamte Jahr über fortzusetzen. Es werden auch andere Schwerpunkte ins Visier genommen, erläutert Hois: Schülersicherheit, gewerblicher Güterverkehr sowie Alkohol und Drogen. Die Themen wurden bereist festgelegt, die Termine aber noch nicht. Die Polizei wird sie kurzfristig bekannt geben.

Bis 22 Uhr hat die Polizei am Donnerstag die Raser geblitzt. Die Ergebnisse des Landeskontrolltages will sie am Freitag bekannt geben.

Armin Thomas