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    Wie Heinz Wallerath die Kreisauswahl vor 30 Jahren an seinem 50. Geburtstag zu einem Titel führte

    An Heinz Wallerath führte kein Weg vorbei. Wer von 1982 bis 2006 als junger Fußballer nur über ein wenig Talent verfügte, der ist der gewaltigen Erscheinung mit der tiefen Stimme und dem verschmitzten Blick aus Kirschweiler ganz sicher begegnet. 24 Jahre lang war Wallerath für die Auswahlmannschaften im Kreis Birkenfeld zuständig. Er war zunächst Kreis-Übungsleiter und dann lange Jahre in Personalunion Kreisjugendwart. Wallerath war alles in einer Person: Verwalter, Trainer, Scout, Förderer und Berater – er war das Gesicht des Jugendfußballs im Kreis. Am vergangenen Montag ist Wallerath 80 Jahre alt geworden. Angesichts dieser Zahl fällt mir mal wieder auf, wie alt ich selbst mittlerweile bin, denn bei seinem 50. Geburtstag, also vor genau 30 Jahren, war ich dabei.

    Nachspielzeit von Sascha Nicolay.
    Nachspielzeit von Sascha Nicolay.

    Nachspielzeit von Sascha Nicolay

    Heinz Wallerath beging dieses Wiegenfest – das auch noch auf einen Samstag fiel – nicht mit irgendeiner rauschenden Familienfeier, nein, Heinz Wallerath war im Einsatz. Die B-Jugend-Kreisauswahl hatte sich in diesem Jahr 1987 für das Endturnier um den Wanderschild des Südwestdeutschen Fußballverbandes in Heiligenstein bei Speyer qualifiziert. Das Turnier fand ausgerechnet am 10. Juli, Walleraths 50. Geburtstag, statt. Aber es wurde schließlich immerhin die beste Kreisauswahl im Verbandsgebiet gesucht – da musste der Geburtstag halt warten.

    Die Kreisauswahl des Jahrgangs 1971/72, die 1987 den Wanderschildpokal des SWFV holte: (oben, von links mit damaligem Verein) Trainer Heinz Wallerath, Ansgar Klein (Bollenbacher SV), Sascha Fickinger (Spvgg Fischbach), Torsten Müller (TuS Breitenthal), Kapitän Jochen Bier (TSG Idar-Oberstein), Christian Schneider (JSG Nahbollenbach/Weierbach), Markus Doll (JSG Bergen/Kirn-Sulzbach), Oliver Herber (JSG Sensweiler), Peter Blaum (JSG Reidenbachtal), Co-Trainer Siggi Maier, (unten, von links) Andreas Schulz (JSG Heimbach), Martin Mayer (TSG Idar-Oberstein), Michael Kaul (JSG Nahbollenbach/Weierbach), Klaus Blaum (JSG Reidenbachtal), Guido Steuer (JSG Sensweiler), Sascha Nicolay (Spvgg Wildenburg), Marc Dickes (VfR Baumholder), Holger Werle (SC Birkenfeld).
    Die Kreisauswahl des Jahrgangs 1971/72, die 1987 den Wanderschildpokal des SWFV holte: (oben, von links mit damaligem Verein) Trainer Heinz Wallerath, Ansgar Klein (Bollenbacher SV), Sascha Fickinger (Spvgg Fischbach), Torsten Müller (TuS Breitenthal), Kapitän Jochen Bier (TSG Idar-Oberstein), Christian Schneider (JSG Nahbollenbach/Weierbach), Markus Doll (JSG Bergen/Kirn-Sulzbach), Oliver Herber (JSG Sensweiler), Peter Blaum (JSG Reidenbachtal), Co-Trainer Siggi Maier, (unten, von links) Andreas Schulz (JSG Heimbach), Martin Mayer (TSG Idar-Oberstein), Michael Kaul (JSG Nahbollenbach/Weierbach), Klaus Blaum (JSG Reidenbachtal), Guido Steuer (JSG Sensweiler), Sascha Nicolay (Spvgg Wildenburg), Marc Dickes (VfR Baumholder), Holger Werle (SC Birkenfeld).

    Bevor der DFB sein Stützpunktsystem einführte, wurden Talente über Auswahlmannschaften gesichtet. Der Weg für junge Fußballer mit Ambitionen nach oben sah 1987 im Kreis Birkenfeld in etwa so aus: Gute Leistungen im Verein – der Vereinstrainer oder -Jugendwart informiert Heinz Wallerath – Einladung zu einem Sichtungslehrgang der Kreisauswahl – Spieler der Kreisauswahl – Sichtungsturniere des Südwestdeutschen Fußballverbandes unter den Augen von Verbandssportlehrer Günther Jansen – Einladung zur Südwestauswahl. Irgendwo auf diesem Weg gingen freilich die meisten Fußballer aus dem Kreis Birkenfeld verloren.

    Eine Einladung zu einem Sichtungslehrgang der Kreisauswahl war schon etwas Besonderes – alleine schon wegen der Art der Einladung. Heute würde sicher eine Whattsapp-Gruppe gegründet werden, damals funktionierte das stilvoller. Heinz Wallerath verschickte Postkarten. Darauf stand eine kurze Begrüßungsformel, der Ort und die Zeit des Lehrgangs sowie die schwungvolle Unterschrift von Heinz Wallerath.

    In seinem Büro erinnert sich der nun 80 Jahre alte Heinz Wallerath an den Sieg beim Wanderschildturnier in Heiligenstein bei Speyer.
    In seinem Büro erinnert sich der nun 80 Jahre alte Heinz Wallerath an den Sieg beim Wanderschildturnier in Heiligenstein bei Speyer.

    1987 war so eine Postkarte auch wieder einmal bei mir gelandet. Ich erinnere mich noch, dass mein Verhältnis als Jugendlicher zu den Chefs der Kreisauswahl – neben Heinz Wallerath war der viel zu früh verstorbene Siggi Maier aus Niederwörresbach allgegenwärtig – eher angespannt war. Ich fand, ich musste spielen – Heinz Wallerath und Siggi Maier fanden das nicht. Und sie zogen in schöner Regelmäßigkeit andere Torleute vor.

    In Heiligenstein war ich also wieder einmal dabei – natürlich als Ersatztorwart. Nummer eins war Guido Steuer, heute Chef des Hotel Restaurant Café Steuer in Allenbach. Ich gebe zu, das war keine schlechte Wahl. Guido Steuer war als Keeper genauso gut wie er heute als Koch ist – und außerdem war er Fan des 1. FC Köln und von „Toni“ Schumacher, obwohl er nicht mit Toni-Schumacher-Torwarthandschuhen spielte. Die Dinger hatte ich, aber natürlich nur, weil es keine von Ronnie Hellström im Handel gab. Guido Steuer legte, glaube ich, keinen so großen Wert auf diesen Schnickschnack, sondern hielt auch mit irgendeinem Feld-Wald-Wiesenmodell souverän. Zwei Spiele und zweimal nach regulärer Spielzeit zu Null...

    Qualifiziert hatte sich die Birkenfelder Kreisauswahl übrigens in zwei Spielen gegen den Kreis Bad Kreuznach – und zwar mit einer Niederlage und einem Unentschieden. Wie das geht? Heinz Wallerath kann sich heute noch köstlich amüsieren, wenn er daran denkt und erzählt: „Wir hatten in Hammerstein gerade gegen die Bad Kreuznacher 0:2 verloren, als der Erhard Hoffmann zu mir gekommen ist, gegrinst hat und meinte: 'Glückwunsch zum Weiterkommen!' Als ich ihn fragend angeschaut habe, hat er nur gemeint, 'schau Dir mal die Geburtsdaten von den zwei Spielern an'. Die Kreuznacher hatten doch tatsächlich zwei Jungs eingesetzt, die zu alt waren. Und so hat uns im Rückspiel auf dem Ebernburger Hartplatz ein 1:1 gereicht.“

    In Heiligenstein ging es dann zuerst gegen den Kreis Speyer. Ich habe keine Erinnerungen mehr an das Spiel, was ich aber sicher weiß ist, dass Heinz Wallerath vorher in der Kabine zu uns gesagt hat: „Ruuuhhig!“ Das hat er nämlich immer getan und dazu verschmitzt gelächelt. An seine taktischen Anweisungen kann ich mich nicht erinnern.

    Heinz Wallerath kann das dafür umso besser. „Mir war die Defensive wichtig, deshalb haben wir damals schon in einem 4:4:2 verteidigt“, sagt er. Und der damalige Kreisauswahltrainer weiß auch noch, dass sein Assistent anderer Meinung war. „Der Siggi Maier hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gemeint, 'wir müssen Tore schießen'. Ich habe ihm aber gesagt, dass wir erstmal keine reinkriegen dürfen.“ Und Walleraths Taktik gemäß dem Motto „Offensive gewinnt Spiele, Defensive Meisterschaften“ ging auf. Gegen den Kreis Speyer reichte ein Tor von Ansgar Klein zum 1:0-Sieg. Das anschließende Endspiel gegen den Kreis Pirmasens musste nach einem 0:0 im Elfmeterschießen entschieden werden. Holger Werle, Martin Mayer, Michael Kaul, Ansgar Klein und Sascha Fickinger trafen, während die Pirmasenser einen Elfer verschossen. Der Wanderschild ging in den Kreis Birkenfeld. „Das war natürlich ein super Geschenk zu meinem 50. Geburtstag“, lacht Wallerath. Keine Birkenfelder Kreisauswahl konnte den Erfolg danach wiederholen. Heinz Wallerath ist aber noch viele Jahre das Gesicht und der Macher im Jugendfußball des Kreises geblieben.

    „Ich treffe heute noch überall auf den Sportplätzen Jungs, die ich trainiert habe – und ich habe zu allen ein gutes Verhältnis“, sagt Wallerath. Und auch ich habe ihm längst verziehen, dass er vor vielen Jahren andere Torleute in den Kasten gestellt hat...

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