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"Fiesta hier am Rhein": Wie am Bruchweg, nur lauter

Publikum trug die 05-Mannschaft nach dem 0:1 und trieb die Spieler zum Sieg – Das war die alte Bruchwegatmosphäre.

Glückliche Mainzer Matchwinner: Die Torschützen Anthony Ujah (li.) und Andy Ivanschitz.
Foto: Julia Rau
Glückliche Mainzer Matchwinner: Die Torschützen Anthony Ujah (li.) und Andy Ivanschitz.
Foto: Julia Rau

Nur noch wesentlich lauter, wilder, durch das gewaltige Klangvolumen in der Coface Arena noch emotionaler. Und, im Vergleich zu den vergangenen fünf verlorenen Heimspielen, entwickelte sich eine spiegelverkehrte Stimmungslage.

Die letzten zwei Minuten Spielzeit am Freitagabend wurden schon begleitet von den Freudengesängen der 05-Fans. Als Anthony Ujah Sekunden vor Abpfiff alleine halbrechts durchbrach und erst im Strafraum am Stuttgarter Torhüter Sven Ulreich hängen blieb, da tönte es von den Rängen rhythmisch: "Der FSV ist wieder da!" – und: "Oh, wie ist das schön!"

Dann kam der Abpfiff. Zehn Meter entfernt vom Mittelkreis fielen die Mainzer Profis hüpfend und springend übereinander her. Manager Christian Heidel kam angerannt. Umarmungen.

Die Stuttgarter Spieler verschoben zu diesem Zeitpunkt im Block Richtung Schiedsrichtergespann. Aus dem VfB-Fanblock hallten wütende "Schieber, Schieber"-Rufe, gefolgt von einem Pfeifkonzert. Innenverteidiger Maza baute sich vor dem Unparteiischen auf, der besonnene Trainer Bruno Labbadia beobachtete die Szenerie. Guido Winkmann löste sich aus dem Pulk und hielt dem aufgebracht davoneilenden Mexikaner, bei dessen harmlosen Schubser an Nicolai Müller der Schiedsrichter auf Strafstoß entschieden hatte, die Gelb-Rote Karte hin.

Man darf davon ausgehen: Die Mainzer, seit Wochen nicht gerade vom Schiedsrichterglück verfolgt, konnten sich in den Ärger auf Seiten des VfB hineinversetzen. Gut gespielt, in sämtlich Statistikrubriken die bessere Mannschaft (58:42 Prozent Ballbesitz, 51:49 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 6:4 Ecken, 19:16 Torschüsse), aber Tore: 3:1 für Mainz 05. Und der Schiri war daran zumindest nicht unbeteiligt. Die 05-Fans intonierten: "Auf Wiedersehn, Auf Wiedersehn!" Ordner führten das Schiedsrichtergespann durch die aufgeregten, tobenden Stuttgarter hindurch vom Feld.

Die 05er hatten sich mittlerweile in Richtung ihrer Fanwand bewegt. "Olé, olé Fiesta, Fiesta hier am Rhein", dieser Kultsong der Mainzer Hofsänger hat den Spielern niemals zuvor lauter in den Ohren gedröhnt als an diesem Feierabend. Das war genau das emotionale Ereignis, wonach die Mainzer Anhänger gelechzt haben. Intensive 90 Minuten, Laufbereitschaft, Kampf, Leidenschaft und Tore. Und, natürlich: Der Sieg – endlich mal wieder drei Punkte in der funkelnagelneuen Arena nach dem Startsieg am 6. August mit dem 2:0 gegen Bayer 04 Leverkusen. Vier Monate sind seitdem vergangen.

Dieser Abend hat gezeigt, welche Bedeutung dieses Stadion mit diesem Publikum für den FSV Mainz 05 erlangen kann. Bei der zehnten Runde durchs Dorf haben die 05er endlich die Kirchenpforte gefunden. Zu Hause. In ihrer atmosphärisch dichten Fußballkathedrale. In der das Publikum die Spieler nach dem 0:1 getragen, zur Wende getrieben hat. Die kommenden Gegner werden mit gemischten Gefühlen anreisen.

Auch die obligatorische Humba gelang. Niko Bungert stieg mit auf den Zaun und unterstützte den Mann an der Flüstertüte: Anthony Ujah war nach seinen beiden Toren der gefeierte Mann. Es wird vielleicht gar nicht mehr lange dauern und die Coface Arena hat ihren ersten Publikumsliebling.

Reinhard Rehberg

Mainz 05
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