40.000
Aus unserem Archiv

WM-Kolumne zum Finalteilnehmer Frankreich: Statt Posse wieder Perspektive

Klaus Reimann

Das letzte Mal, dass eine französische Fußball-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft die Schlagzeilen diktierte, ist acht Jahre her. Im Gegensatz zu heute konnte von Entzückung seinerzeit allerdings nicht die Rede sein. Beim Turnier in Südafrika lieferte die „Equipe tricolore“ vielmehr eine Posse ab, für die sich die Grande Nation in Grund und Boden schämte.

Klaus Reimann.
Klaus Reimann.

Intrigen, Streit und schlechter Fußball dienten als Zutaten für diesen veritablen WM-Eklat. Im Mittelpunkt stand 2010 Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech. Der Typ Antiheld, wie er eher in einen schrägen „Film noir“ passt als auf einen Fußballplatz. Die Burleske in Kurzform: Domenech suspendierte Stürmer Nicolas Anelka wegen unflätiger Äußerungen. Die Mannschaft erklärte sich solidarisch mit Anelka und boykottierte das Training. Domenech verkam zur Witzfigur. Frankreich schied in der Vorrunde nach einem peinlichen 1:2 gegen Südafrika aus. Domenech wurde nach der WM von Laurent Blanc abgelöst.

2010 markierte den Höhepunkt einer an Selbstsabotagen nicht armen französischen WM-Geschichte. Viele gute Fußballer, keine Mannschaft, das kennt man in Frankreich. Doch mit der Ernennung von Didier Deschamps zum Nationaltrainer 2012 änderte sich das. Schon als Kapitän des Weltmeister-Teams von 1998 war Deschamps eher der spröde, unauffällige Typ.

Jubeltraube
Die Spieler der Équipe tricolore bejubeln den Treffer von Antoine Griezmann (3.v. r.).
Foto: Christian – dpa

Einer, der Fußball arbeitet, nicht zelebriert. Aber einer, der Erfolg hatte, der andere hinter sich bringt. Eigenschaften, die auch den Trainer Deschamps ausmachen. Den EM-Titel im eigenen Land verspielten seine Schützlinge 2016 noch leichtfertig. Bei dieser WM soll wieder Großes gelingen – Posse war gestern.

E-Mail an den Autor: klaus.reimann@rhein-zeitung.net

Analysen, Kolumnen und Kommentare
Meistgelesene Artikel