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Koblenz

Bitburger: Doch kein Königsbacher mehr aus Koblenz?

Das Verhältnis ist offenbar zerrüttet. Die geschäftsführenden Gesellschafter der Koblenzer Brauerei sind über die Aussagen der Bitburger Braugruppe (wir berichteten) entsetzt. Aus ihrer Sicht ist die Ankündigung des Konzerns, Königsbacher auch nach 2016 in Koblenz zu brauen, lediglich ein Versuch, Probleme zu überspielen.

Die Koblenzer Brauerei braut Königsbacher für Bitburger.
Die Koblenzer Brauerei braut Königsbacher für Bitburger.
Foto: Reinhard Kallenbach

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

"Es gab keine konstruktiven und sachlichen Gespräche. Es gab in jüngster Zeit nur ein Gespräch – und das war alles andere als konstruktiv." Vehement widerspricht Gesellschafter Egon Heckmann der Bitburger Version einer Perspektive der Marke Königsbacher in Koblenz über das Jahr 2016 hinaus. Mitgesellschafter Hans-Joachim Daschmann wird noch deutlicher: "Jedes Unternehmen hat ein Interesse, gut dazustehen. Natürlich auch die Koblenzer Brauerei. Doch entsprechen die Aussagen der Bitburger Braugruppe nicht der Wahrheit."

Warum der Ärger? Auch bei der Koblenzer Brauerei, die unter anderem Königsbacher als Lohnbrauerei für die Bitbuger Braugruppe herstellt, geht es um Abnahmemengen und Margen. Die stimmen nach Aussage der Geschäftsführer hinten und vorn nicht: Die Bestellmengen seien meist rückläufig, außerdem sei Bitburger bislang nur einmal bereit gewesen, die Abnahmekonditionen leicht zu verbessern.

Dazu heißt es aus Bitburg: "Erst im Dezember 2013 haben wir einen neuen Lohnbrauvertrag geschlossen. Darin haben sich beide Seiten einvernehmlich auf neue, erhöhte Konditionen für Königsbacher und Nette geeinigt." Daschmann hält dagegen: "Tatsache ist, dass wir Königsbacher nicht kostendeckend produzieren können." Er ergänzt. "Wir wollen keine Mörder der Marke Königsbacher sein, aber wir sind nur unter bestimmten Voraussetzungen bereit, einen neuen Vertrag zu schließen." Wenn also die Bedingungen nicht verbessert werden, gibt es ab dem 1. Januar 2017 kein Königsbacher aus Koblenz mehr.

Die Aussage zeugt von großem Selbstbewusstsein: Nach eigener Aussage hat die Koblenzer Brauerei ihren Ausstoß – auch dank des guten Frühsommers und der Fußball-WM – von bisher 300.000 auf 350.000 Hektoliter gesteigert. Dieser Erfolg betrifft alle Bereiche – auch die Produkte, die im Auftrag von Karlsberg hergestellt werden.

Die größte Steigerung gab es bei der neuen Eigenmarke Koblenzer, die beim Flaschenbier die Marke Königsbacher bereits überholt hat. Auch beim Fassbier hat die neue Marke kräftig aufgeholt. Und hier liegt offenbar das Problem: Es sieht derzeit so aus, dass Gastronomen signalisieren, auf Koblenzer umstellen zu wollen, um über das Jahr 2016 hinaus Planungssicherheit zu haben. Die Folge ist, dass der Kampf um Anteile immer härter wird. Auch die Braugruppe räumt ein, dass Koblenzer in der Region der schärfste Mitbewerber ist.

"Auf jeden Fall hat mit uns niemand über eine langfristige Verlängerung gesprochen", sagt Heckmann, der davon ausgeht, dass die Bitburger Braugruppe mit ihrer jüngsten Aussage, die bisherigen Königsbacher-Wirte bei der Stange halten wollen. Auch die Darstellung, die Braugruppe wolle die regionalen Marken stärken, wird bei der Koblenzer Brauerei kritisch verfolgt. "Die haben uns doch Knüppel zwischen die Beine geworfen, wo sie nur konnten", ärgert sich Heckmann und verweist auf juristische Auseinandersetzungen rund um das Flaschenformat Stubbi und vor allem um die Traditionszahl 1689.

Daschmann verweist zudem darauf, dass die Brauerei ausschließlich bei Königsbacher geblieben wäre, wenn die Rahmenbedingungen gestimmt hätten. "Wir wurden gezwungen, alle Risiken einer Markenneueinführung einzugehen."

Bitburger bleibt dabei: "Dass wir die Option für die Verlängerung des Lohnbrauvertrages gleich für zwei Jahre wahrgenommen haben, ist ein deutliches Bekenntnis für die Marken Königsbacher und Nette. Es ist unser erklärtes Ziel, den Fortbestand der Marken nachhaltig zu sichern. Deshalb haben wir Koblenzer jetzt schon angeboten, über 2017 und 2018 sowie die Zeit danach zu sprechen."

Wie es weitergeht? "Emotional gesehen wird es schwierig. Doch sind wir weiterhin gesprächsbereit", sagt Daschmann. Er sagt, gerade der Neuanfang Standort und Arbeitsplätze gesichert habe – und eben nicht Bitburger. Seine Botschaft: Nötig hat die Brauerei den Königsbacher-Auftrag nicht.

Wirtschaft
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