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    Kreis Birkenfeld

    Werden Greifvögel für Windkraft vergiftet?

    Es klingt wie ein Krimi: Naturschützer im Kreis Birkenfeld vermuten, dass Greifvögel absichtlich vergiftet werden, um Windräder in der Region bauen zu können. Auslöser sind zwei tote Mäusebussarde zwischen Nohen und Reichenbach.

    Werden Greifvögel im Kreis Birkenfeld absichtlich vergiftet, damit auf den Höhenzügen Windkraftanlagen entstehen können, die aktuell durch die Rotmilanpopulation verhindert werden? Diesen Verdacht hegen Tierschützer, nachdem vergiftete Mäusebussarde gefunden worden sind.  Foto: dpa
    Werden Greifvögel im Kreis Birkenfeld absichtlich vergiftet, damit auf den Höhenzügen Windkraftanlagen entstehen können, die aktuell durch die Rotmilanpopulation verhindert werden? Diesen Verdacht hegen Tierschützer, nachdem vergiftete Mäusebussarde gefunden worden sind.
    Foto: dpa

    In den Kadavern wurde das verbotene Insektizid Carbofuran nachgewiesen. Besonders brisant: Vor knapp zwei Jahren wurde in dem Gebiet bereits ein vergifteter Rotmilan gefunden. Der Verein Naturschutzinitiative (NI) und der Naturschutzverband Pollichia mutmaßen, dass es eine Verbindung zu Windkraftplänen auf dem Höhenzug gibt. Das Gift ist dabei nicht nur für die Tiere eine Gefahr. Auch Wanderer auf der stark frequentierten Nohener Naheschleife könnten das Wasser des dortigen Hohlbachs trinken.

    „Wir haben den Verdacht, dass jemand versucht, das sogenannte Rotmilanproblem auf besonders infame Weise zu lösen“, heißt es in der Erklärung, die Harry Neumann und Achim Stephan, Landesvorsitzender und Fachbeiratsmitglied der NI, sowie Willi Weitz, Vorsitzender der Kreisgruppe von Pollichia, veröffentlicht haben. Die Verbände haben Anzeige wegen illegaler Ausbringung eines verbotenen Giftes erstattet und fordern von den Behörden eine konsequentere Vorgehensweise, wenn erneut der Verdacht auftritt, dass Greifvögel vergiftet wurden. Denn bis die Verbände im aktuellen Fall Gewissheit hatten, ging viel Zeit ins Land. Die verendeten Tiere wurden bereits am 4. März gefunden.

    Die Naturschutzverbände bemühten sich um eine toxikologische Untersuchung der Kadaver. Die Kreisverwaltung als Untere Naturschutzbehörde habe keine Notwendigkeit gesehen, genehmigte aber der NI eine Überprüfung auf eigene Kosten und stellte eine eventuelle Kostenbeteiligung in Aussicht. Die Staatsanwaltschaft ordnete nach anfänglichem Zögern eine toxikologische Untersuchung der Vögel an – eventuell auch, weil das Gift im schlimmsten Fall Menschen gefährden könnte.

    Das Ergebnis liegt nun vor und wird von den Naturschützern als „niederschmetternd“ bezeichnet: In beiden Mäusebussarden gab es Rückstände von Carbofuran. An diesem schweren Gift, das früher in der Landwirtschaft eingesetzt wurde, dessen Kauf und Gebrauch aber seit zehn Jahren in der EU streng verboten ist, war 2015 auch der gefundene Rotmilan zugrunde gegangen. Die beiden Verbände mutmaßen, dass man von einer hohen Dunkelziffer toter Tiere ausgehen muss und es sich „bei den drei nachgewiesenen Vergiftungsfällen nur um die Spitze eines Eisbergs handelt“. NI und Pollichia verweisen darauf, dass es bezüglich der auf dem Höhenzug geplanten Windenergieanlagen eine „Rotmilanproblematik“ gibt, die den Bau verhindert.

    Nach Auskunft von Kreisdezernent Jürgen Schlöder hat die Firma ENP am 10. Februar den Bauantrag für die Errichtung von vier Windkraftanlagen auf Reichenbacher Gemarkung zurückgezogen, unter anderem wegen der hohen Populationsdichte des streng geschützten Rotmilans – allerdings wenige Wochen später betont, dass nach einer Lösung der Probleme gesucht wird. Auf dem Gebiet der Gemeinde Nohen hat die Firma Geres (Frankfurt) – auf der anderen Talseite – drei Windkraftanlagen geplant. Diese Bauanträge hat der Kreis abgelehnt, wogegen Geres Widerspruch eingelegt hat.

    Zum Verdacht, dass jemand das Rotmilanproblem illegal lösen wolle, sagt Schlöder: „Das ist reine Spekulation.“ Er verweist auf andere Möglichkeiten, warum bei den Mäusebussarden Rückstände von Carbofuran nachgewiesen wurden. So seien andernorts Beispiele bekannt, dass Taubenzüchter das Gift gegen Greifvögel eingesetzt haben, um den Luftraum zu klären. Schlöder weist darauf hin, dass es den Naturschutzverbänden schwerfallen dürfte, ihre Behauptung nachzuweisen. „Wenn sie sagen würden, dass Firma X oder Y für diesen Vorfall verantwortlich ist, müssten sie wahrscheinlich mit einer Klage wegen Verleumdung rechnen.“ Die Forderung, dass der Kreis bei Verdachtsfällen von sich aus toxikologische Untersuchungen beantragt, führt nach Auffassung des Dezernenten zu weit.

    Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

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