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Berlin/Koblenz

Theodor-Wolff-Preis für sechs Journalisten: Verleihung in Koblenz

Die diesjährigen Gewinner des Theodor-Wolff-Preises stehen fest. Sechs Journalisten haben die Jury der renommiertesten Auszeichung der Zeitungsbranche mit ihren Beiträgen überzeugt. Der Preis wird unter anderem für herausragende Leistungen im Lokaljournalistmus vergeben.

Tobias Großekemper hat sich in seinem Artikel "In der Westerfilder Spirale" offen und unvoreingenommen die Frage gestellt, warum in seiner Stadt Bürger Rechtsradikale wählen und was dies mit einem verfallenden Häuserblock zu tun haben könnte. Großekemper erhält den mit 6000 Euro dotierten Preis in der Kategorie "Lokaljournalistmus". Erschienen ist der Artikel in einer Multimediareportage bei den Ruhr-Nachrichten, Dortmund.

Ein Bild aus der Multimediareportage der Ruhr-Nachrichten.
Ein Bild aus der Multimediareportage der Ruhr-Nachrichten.
Foto: Dieter Menne

Ebenfalls in der Kategorie „Lokaljournalismus“ erhalten Rudi Kübler und Christine Liebhardt den Theodor-Wolff-Preis für ihren Onlinebeitrag „Die Nacht der 100.000 Bomben“. Mithilfe von Zeitzeugen rufen sie Lesern den 17. Dezember 1944 in Erinnerung. Damals legten britische Bomber Ulm in Schutt und Asche. Die Multimediadokumentation ist auf der Internetseite der Südwest-Presse (Ulm) erschienen.

Weitere Preise gehen an Roland Schulz sowie Konrad Schuller in der Kategorie "Reportage/Essay/Analyse": Roland Schulz ("SZ-Magazin", München) porträtiert in seinem Beitrag "Die Polizei, dein Freund und Vater" einen Kriminalhauptmeister, dem zwei seiner Fälle zur Lebensaufgabe wurden: Der ungewöhnliche Beamte adoptierte zwei Jungen, deren Mütter ermordet wurden – von den eigenen Vätern.

Konrad Schuller beschreibt in seiner Reportage "Dann nehmen sie Anlauf und werfen" ("Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung") fesselnd und authentisch Menschen, die an und hinter den Barrikaden in Kiew für ihre Stadt und ihr Land kämpfen.

Ausgezeichnet und mit 6000 Euro gewürdigt wird weiterhin in der Kategorie "Meinung/ Leitartikel/ Kommentar/ Glosse" der Beitrag "Die Welt ist verrückt – und was machen wir?" von Bernd Ulrich ("Die Zeit", Hamburg). Der Autor analysiert geschliffen und präzise die Vielzahl der Krisen von der Ukraine über Gaza bis zu Syrien und dem Irak und fordert insbesondere den Westen dazu auf,
vermeintliche politische Gewissheiten und gesellschaftliche Ideale zu überprüfen und neu zu justieren.

Der Preis für das Lebenswerk geht an Barbara Sichtermann. Jury und Kuratorium unter Vorsitz von Hermann Neusser (Verleger "General-Anzeiger", Bonn) würdigten die Journalistin und Schriftstellerin als eine ebenso geistreiche wie streitbare Autorin, die sich immer wieder für Chancengleichheit von Männern und Frauen einsetze.

Jurymitglied und Chefredakteur der Rhein-Zeitung, Christian Lindner, zu den Ausgezeichneten:

Chefredakteur Christian Lindner
Chefredakteur Christian Lindner

"Beeindruckend viele der 375 von uns bewerteten Texte haben dokumentiert, dass die Presselandschaft in Deutschland ein wertvoller Seismograph für die Themen ist, die unser Land beschäftigen oder beschäftigen sollten. Und viele dieser Texte sind mehr als Journalismus: Sie sind Gesellschaftskultur, oft zugleich auch Literatur.

Ein Beleg für die Zukunftsfähigkeit gerade der regionalen Medienhäuser sind die beiden mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichneten lokalen Beiträge der Ruhr Nachrichten und der Südwestpresse. Beide ausgezeichneten Texte erschienen klassisch gedruckt in diesen Zeitungen – und sie wurden auf den Webseiten dieser Verlage digital grandios mit Fotos, Videos, Grafiken und Datenauswertungen ergänzt und so zu eigenständigen Multimediaformaten mit einem ganz neuen Leseerlebnis veredelt. Das ist moderner und zu Recht ausgezeichneter Lokaljournalismus 2.0."

Der Preis:

Der Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis ist die renommierteste Auszeichnung, die die Zeitungsbranche zu vergeben hat. Sie wird vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) ausgeschrieben und erinnert an den langjährigen Chefredakteur des legendären "Berliner Tageblatts", Theodor Wolff (1868 – 1943). Wolff musste 1933 vor den Nazis ins französische Exil fliehen, wurde dort verhaftet und der Gestapo ausgeliefert und starb 1943 im
Jüdischen Krankenhaus in Berlin.

Die Namen der weit über 400 Preisträger seit 1962 sowie Details zum Preis finden Sie unter www.theodor-wolff-preis.de. Weitere Informationen gibt es über Facebook: www.facebook.com/TheodorWolffPreis oder per Twitterhashtag: #TWP15

Die Jury:

  • Nikolaus Blome (Mitglied Chefredaktion "Der Spiegel", Berlin)
  • Wolfgang Büscher (Autor "Die Welt", Berlin)
  • Dr. Markus Günther (Journalist, Augsburg)
  • Peter Stefan Herbst (Chefredakteur "Saarbrücker Zeitung")
  • Christian Lindner (Chefredakteur "Rhein-Zeitung", Koblenz)
  • Lorenz Maroldt, (Chefredakteur "Der Tagesspiegel", Berlin)
  • Professor Bernd Mathieu (Chefredakteur "Aachener Zeitung" und "Aachener Nachrichten, Vorsitz")
  • Annette Ramelsberger (Gerichtsreporterin "Süddeutsche Zeitung", München)
  • Cordula von Wysocki (Mitglied Chefredaktion "Kölnische Rundschau")

Die Verleihung:

Die Auszeichnungen werden am Mittwoch, 9. September, bei einem Festakt auf Einladung des Mittelrhein Verlags und der "Rhein-Zeitung" im Stadttheater Koblenz überreicht. An der Ausschreibung hatten sich 395 Journalistinnen und Journalisten beteiligt.

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