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    Anhausen/Koblenz

    Staatsanwalt fordert 12 Jahre Haft für Hells Angels-Mitglied

    Paukenschlag im Prozess gegen Karl-Heinz B. aus Anhausen: Die Verteidiger fordern Freispruch für ihren Mandanten.

    Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

    Anhausen/Koblenz – Paukenschlag im Prozess gegen Karl-Heinz B. aus Anhausen: Die Verteidiger fordern Freispruch für ihren Mandanten. Laut Rechtsanwalt Michael Oberwinder hat das Mitglied der Hells-Angels den SEK-Beamten, der am 17. März vergangenen Jahres sein Haus stürmen sollte, aus Notwehr erschossen.

    Oberstaatsanwalt Walter Schmengler sieht dagegen den Tatvorwurf des Totschlags als erwiesen an. Er fordert eine Haftstrafe von zwölf Jahren. Darin eingeschlossen sind zwei versuchte Erpressungen, eine versuchte Nötigung und eine Nötigung. Vom ursprünglich angeklagten Vorwurf des Mordes rückte Schmengler gestern allerdings ab. Zwar sagte er, dass ihn die Durchführung der Tat an eine Hinrichtung erinnere, die Gesamtwürdigung der Umstände führe aber dazu, dass dem Angeklagten keine niedrigen Beweggründe anzulasten sind. Notwehr hingegen könne nicht vorliegen, weil es einen rechtmäßigen Durchsuchungsbeschluss gegeben habe. Außerdem hätte B. Zeit für einen Warnschuss gehabt.

    Zu Beginn seines Plädoyers hatte Schmengler davon gesprochen, dass die Verhandlung „Einblicke in Parallelgesellschaft in Deutschland“ gegeben habe – in „eine Welt, in der ein interner Verhaltenskodex wichtiger ist als die staatsbürgerliche Pflicht“. Das Vorgehen des Angeklagten und seiner Hells-Angels-Freunde könne nicht als „halb so wild“ dargestellt werden. „Wir sind keine Bananenrepublik. Der Staat hat das Gewaltmonopol“, betonte der Oberstaatsanwalt und verwies wenig später auf Drohungen gegen die Chefin eines Fitness-Studios und gegen eine Prostituierte sowie B.'s Versuche, über Auto-Nummernschilder Wohnadressen seiner Konfliktgegner herauszufinden. Das Vorgehen der Polizei gegen den Angeklagten verteidigte der Ankläger dagegen. Es seien keine Fehler gemacht worden.

    Das wiederum sehen die Verteidiger völlig anders. Rechtsanwalt Rüdiger Böhm sprach gar von einem „gänzlich überzogenen, durch nichts gerechtfertigten und deshalb rechtswidrigen Polizeieinsatz“.

    Vor allem kritisierte er, dass das Haus seines nicht vorbestraften Mandanten etliche Wochen nach der offiziellen Schließung des in Rede stehenden Prostituierten-Stellplatzes bei Rüscheid gestürmt wurde. Und eben die Streitigkeiten um jenen Platz seien ja der Grund für diese Maßnahme gewesen.

    Für seinen Mandanten habe sich eine Situation immer mehr zugespitzt. Böhm erinnerte an die teils blutigen Auseinandersetzungen zwischen Hells-Angels und Bandidos im Vorfeld des 17. März und an die Gerüchte, dass ein Bandido in der Gegen einen „Engel abknipsen“ wollte. „Egal, wer das in die Welt gesetzt hat: Der Angeklagte befand sich im Bewusstsein, dass ihm jemand etwas tun wollte“, sagte Böhm. Ähnlich argumentierte sein Kollege Oberwinder, der von „nachvollziehbaren Befürchtungen“ seines Mandanten sprach. Dass dieser um 6 Uhr morgens in Erwägung hätte ziehen müssen, dass die Polizei vor seiner Tür steht, fand der Rechtsanwalt „absurd“.

    Bei der „angenommenen Notwehrsituation“ sei außerdem ein Ausweichen im eigenen Haus nicht möglich gewesen. Auch habe B. davon ausgehen müssen, dass die vermuteten Bandidos vor seiner Tür deutlich schwerer bewaffnet gewesen seien als er. Schlussendlich habe er in dieser Situation einen Fehler gemacht – „den letzten in einer langen Kette von Fehlern“.

    Der Angeklagte selbst nutzte sein „letztes Wort“ dazu, sein Bedauern auszudrücken und der Familie des Opfers ein Gespräch anzubieten. Ihm täte es „von ganzem Herzen leid“, sagte er, verwies aber gleichzeitig auf „das riesige Versagen der Polizei“. „Es war doch bekannt, dass ich jeden Morgen laufen gegangen bin. Da hätte man auch anders zugreifen können“, fand B..

    Das Urteil wird am kommenden Montag gesprochen.

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