40.000
Aus unserem Archiv
Rheinland-Pfalz

SPD-Falle: Die Crux mit dem Kronprinzen

Die rheinland-pfälzische SPD hat mit Alexander Schweitzer einen Kronprinzen. Und das ist ein Problem. Für Schweitzer selbst und für Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Denn ein Kronprinz wird zwangsläufig beschädigt, wenn er zu lange Kronprinz bleibt.

Der Kronprinz und die Königin: SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sind zweifelsfrei die stärksten politischen Zugpferde unter den rheinland-pfälzischen Sozialdemokraten. Dennoch ist ihr Verhältnis – bei allem gegenseitigen Respekt – nicht spannungsfrei. Der Hüne aus der Pfalz hat allerdings noch ein paar Jahre Zeit, den Sprung in die allererste Reihe zu schaffen.  Foto: dpa
Der Kronprinz und die Königin: SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sind zweifelsfrei die stärksten politischen Zugpferde unter den rheinland-pfälzischen Sozialdemokraten. Dennoch ist ihr Verhältnis – bei allem gegenseitigen Respekt – nicht spannungsfrei. Der Hüne aus der Pfalz hat allerdings noch ein paar Jahre Zeit, den Sprung in die allererste Reihe zu schaffen.
Foto: dpa

Irgendwann fragt man sich, warum er es nicht längst an die Spitze geschafft hat. Das Prinz-Charles-Syndrom greift. Die Position des Anwärters wird schwächer, weil er immer noch nur ein Anwärter ist. Eine Karriere im Wartestand. Und SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer muss möglicherweise noch lange warten, sollte Regierungschefin Dreyer nicht in die Bundespolitik wechseln. Denn im Moment sieht es ansonsten stark danach aus, dass sie auch 2021 antreten wird – als Spitzenkandidatin der SPD im Kampf um das Amt der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin.

Seinen Atem im Nacken

Doch nicht nur für Schweitzer ist diese Lage unangenehm, sondern auch für Malu Dreyer. Denn eine Ministerpräsidentin, die einen Kronprinzen hat, spürt immer dessen Atem im Nacken. Auf unausgesprochene Weise steht die Frage des Wachwechsels im Raum. Zumal Schweitzers Bonus als Jungstar nicht mehr ewig währt. 2021 ist er bereits 47 Jahre alt. 2023, wenn es klassischerweise mitten in der Legislatur zur Stabübergabe kommen könnte, bereits 50. Das ist für einen Politiker nicht besonders alt. Aber die unverbrauchte Ausstrahlung eines Jungtalents besitzt man man dann auch nicht mehr.

Schweitzer hat die Kronprinzen-Falle schon immer gewittert – und seine Ambitionen heruntergespielt (zugleich aber nicht verbergen können). Fragt man ihn nach seinem Ehrgeiz, antwortet er stets, dass er keinen Karriereschritt geplant hat. Und derer gab es viele: Wirtschaftsstaatssekretär, SPD-Generalssekretär, Sozialminister und schließlich SPD-Fraktionschef. Schweitzer hat seine Jobs immer so gut gemacht, dass ihn schnell die Beförderung ereilte. Talente seines Kalibers sind auch in der SPD selten. Zwischendrin hat er sich zwar immer mal mächtig vergaloppiert: einmal mit einen Anruf zur Bewerbung eines Schwagers und einmal, als er die CDU in eine Reihe mit den „Steigbügelhaltern Hitlers“ stellte. Aber nachhaltig geschadet haben ihm diese politischen Fehltritte nicht.

Kurt Beck, erfahren im Amt des Ministerpräsidenten, hat seine Nachfolge stets auf kluge Weise in der Schwebe gelassen. Er hielt mehrere Kandidaten im Spiel. Keiner konnte sich sicher sein. Konkurrenz steigert die Motivation. Zudem hatte die ungeklärte Erbfolge den Vorteil, dass Beck nie unter Druck geriet. Erst wurden die damalige Bildungsministerin und heutige Finanzministerin Doris Ahnen, der Wirtschaftsminister, Fraktionschef und heutige Landtagspräsident Hendrik Hering sowie Innenminister Roger Lewentz (alle SPD) als Anwärter für das Amt des Regierungschefs aufgebaut. Jahre später waren dann nur noch Hering und Lewentz im Rennen. Und schließlich zog Beck überraschend Malu Dreyer aus dem Hut – ein Coup, mit dem er der Landes-SPD die Macht sicherte.

Auch andere Regierungschefs haben mit dieser Methode lange erfolgreich operiert. Man denke nur an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in Bayern. Für einsame Kronprinzen indes ging die Geschichte oft nicht gut aus. Der heutige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble beispielsweise bekam nie die Gelegenheit, Helmut Kohl (beide CDU) ins Kanzleramt zu folgen.

Erste Priorität OB-Wahl

Im Grunde bräuchte also auch die rheinland-pfälzische SPD ein breiteres Verfolgerfeld. Der einzige, der ebenfalls das Zeug dazu hat, zum Kronprinzen zu werden, ist der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling. Doch dieser muss zunächst seine OB-Wahl 2019 gewinnen. Vorher dürfte er sich seine möglichen Ambitionen nicht einmal selber eingestehen.

Wollte Malu Dreyer die Nachfolgefrage wirklich offen halten, müsste sie Michael Ebling irgendwann zum SPD-Landesparteichef machen. Amtsinhaber Roger Lewentz zeigt zwar keinerlei Amtsmüdigkeit, aber eine Stabübergabe an Ebling wäre ein taktisch geschickter Schachzug. Nur der Zeitpunkt müsste gut überlegt sein. Entweder weit vor der Mainzer OB-Wahl, also in diesem Jahr, oder deutlich danach, also erst 2020.

Derzeit würde an Schweitzer als Dreyer-Nachfolger kein Weg vorbei führen. Er ist nach Roger Lewentz vermutlich der in der SPD am besten vernetzte Politiker. Schweitzers Engagement für die Partei ist legendär, seine innerparteilichen Wahlergebnisse sind exzellent. Selbst in den SPD-Bundesvorstand hat er es im ersten Anlauf geschafft.

Da kann Ebling nicht mithalten. Er ist zwar ein beliebter OB, hat aber landesweit nur einen eingeschränkten Bekanntheitsgrad. Er bräuchte neben Mainz und Rheinhessen den Norden des Landes hinter sich. In der Pfalz hat Schweitzer seine Hochburgen. Zudem hat Ebling mit dem angeschlagenen, unter Untreueverdacht stehenden Bundestagsabgeordneten und Oppenheimer Stadtbürgermeisters Marcus Held einen veritablen Gegner in der Nachbarschaft. Eblings einflussreichstes Ehrenamt ist zudem eines, das in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist: das des ehrenamtlichen Präsidenten des VKUs, also des Verbands kommunaler Unternehmen.

Trumpfkarte aus dem Ärmel

Folglich wird der Kronprinzenpalast im Moment nur von Alexander Schweitzer bewohnt. Aber Ebling hat prominente Türöffner wie Finanzministerin Doris Ahnen, deren Bildungsstaatssekretär er einst war. Und vielleicht schüttelt Malu Dreyer ja wie einst Kurt Beck noch eine Trumpfkarte aus dem Ärmel.

Eine Analyse von unserem Landeskorrespondenten Dietmar Brück

Rheinland-Pfalz
Meistgelesene Artikel
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
  • Lokalticker
  • Regionalsport
  • Newsticker
Das Wetter in der Region
Sonntag

16°C - 29°C
Montag

9°C - 20°C
Dienstag

11°C - 20°C
Mittwoch

8°C - 18°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!