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Römer kehren zurück: "Brot und Spiele" in Trier

"Ave Römer": Das bundesweit größte Römerspektakel "Brot und Spiele" versetzt Trier am Wochenende Trier in alte Zeiten zurück – mit lagernden Legionären und Gladiatorenkämpfen "auf Leben und Tod".

Römer kehren zurück: "Brot und Spiele" in Trier
Herkules (Jan Krüger) kämpft bei der Premiere zur Aufführung "Der Kampf des Herkules".
Foto: dpa

Trier – "Ave Römer": Das bundesweit größte Römerspektakel "Brot und Spiele" versetzt Trier am Wochenende Trier in alte Zeiten zurück – mit lagernden Legionären und Gladiatorenkämpfen "auf Leben und Tod".

Es ist der römische Statthalter Flavius Ignotus persönlich, der den Startschuss für die Gladiatoren gibt: "Volk von Trier, die Spiele sind eröffnet", ruft er am Freitagabend unter Jubelrufen im antiken Amphitheater. Und schon treten die Gladiatoren gegeneinander an – mit Schwert, mit Dolch, oder mit bloßen Händen. Doch Höhepunkt ist der Kampf des "Herkules" gegen eine siebenköpfige Hydra mit bis zu elf Meter langen Hälsen.

"Wir haben die Hydra-Theatermaschine nach antikem Vorbild nachgebaut", sagte Organisator Ronald Frank bei der neunten Auflage des Römerfestes "Brot und Spiele" in der ältesten Stadt Deutschlands. Und: "Der gezeigte Kampf beruht auf historischen Grundlagen." Denn vor gut 1800 Jahren kämpfte im Kolosseum in Rom tatsächlich ein Gladiator namens Herkules gegen ein solches Ungeheuer. "Das ist Geschichtsunterricht auf die unterhaltsame Art", sagte Regisseur Alexander Etzel-Ragusa. Man wolle keine Hollywood-ähnliche Schau machen, sondern zeigen, wie Aufführungen damals gewesen sein könnten. Bis Sonntagabend wurden zu dem Spektakel 22 000 Besucher erwartet.

Auch bei den Kämpfen galt: alles echt und originalgetreu nachgestellt. "Es wird ohne Absprache Mann gegen Mann gekämpft", sagte Frank. Klar, dass es da auch Verletzungen gibt. "Meine Schlimmste waren neun Stiche am Kopf", erinnerte sich "Berufsgladiator" Dario Battaglia, Leiter des Mailänder Instituts für experimentelle Archäologie "Ars Dimicandi". Er war mit 13 starken Männern in die alte Römerstadt gereist, um seine Fecht-, Ring- und Faustkämpfe zu zeigen.

"Blut geleckt" hat Schauspieler Jan Krüger als "Herkules", der sich für seinen Part bei "Ars Dimicandi" als Nachwuchs-Gladiator schulen ließ. "Ich werde nächstes Jahr eine Gladiatorenschule in Trier eröffnen", kündigte der 34-jährige Profi-Kickboxer an. Schilde und andere Ausrüstung habe er bereits. Noch im vierten Jahrhundert soll es Gladiatorenkämpfe im Trierer Amphitheater gegeben haben.

Antik ging es auch im Militärlager an den Thermen zu. "Wir sind germanische Truppen im Dienste Roms", sagte Thomas Bethmann (39) von der Contubernium Primum. "Uns interessiert diese Zeit einfach", erklärte der Pädagoge aus Oberhausen. "Es macht Spaß, alles selbst zu nähen", fügte sein "Kollege" Norbert Dreischer hinzu, der im normalen Leben Polizist in Aachen ist. Insgesamt 250 Darsteller ließen bei "Brot und Spiele" antikes Leben neu aufleben. Das Budget des Spektakels beläuft sich auf knapp 340 000 Euro.

Zahlreiche Handwerker wiesen Besucher in alte Künste ein. Birgit Greib-Esser etwa von der Kohorte am Kastell Niederberg in Koblenz zeigte, wie Haar- und Schmucknadeln aus Knochen geschnitzt wurden. "Knochen war das Plastik der Antike", sagte die 44-Jährige. In Werkstätten wurden zudem ein Sarkophag geschlagen, eine Lehmwand gebaut, Keramik gefertigt und Mosaike gelegt.

Jörg Nadler aus Angeln in Schleswig knüpfte Fischernetze – wie damals die Römer. "Die haben immer Bleigewichte reingehängt", sagte der 42-jährige Berufsfischer, der ein Einbaum-Schiff mitgebracht hatte. "Die Römer haben am liebsten Meeräsche, Wolfsbarsch und Thunfisch gefischt." Und sie hätten die ersten Austernzuchten betrieben.

In der Taverne von Stefan Nitsche aus Bad Dürkheim gab es derweil Graupen mit Honig, Schafskäse mit Kräutern und ein Gericht aus dicken Bohnen zu kosten. Dazu wurde Honigwein Mulsum gereicht. "Die römische Küche war erstaunlich vielfältig", sagte der Archäologe. "Brot und Spiele ist wie ein kleiner Erholungsurlaub", meinte Robert Columbus von der Classis Augusta Germanica. "Da schaltet man mal so richtig ab", sagte der "Legionär", der normalerweise in Köln als Dreher Bremsscheiben herstellt.

Von Birgit Reichert

-Brot und Spiele ( www.brotundspiele2010.de)

- Ars Dimicandi ( www.arsdimicandi.net)

- Classis Augusta Germanica ( www.classis-germanica.de)

- Kohorte am Kastell Niederberg ( www.coh-vii-raet.de)

- Contubernium Primum ( www.contubernium.de)

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