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    Remagen: Bunt-fröhliche Reaktion auf braune Parolen

    Es herrschte wieder Ausnahmezustand in der so beschaulichen Römerstadt Remagen: Die fünfte Neonazidemo in Serie hat am Samstag den bislang größten Menschenauflauf der vergangenen Jahre provoziert.

    Von unserem Redakteur Jan Lindner

    Dank der Bürger und Antifaschisten, die besonders zahlreich gekommen waren. Die dieses Jahr besonders eindeutig Farbe bekannten: klar in der Sache, aber mit einem bunt-fröhlichen Unterton. Der Tag verlief laut Polizei ohne nennenswerte Zwischenfälle.

    400 Menschen (Bürger, Schüler, Politiker, Kirchen, Vereine, Verbände) in der Innenstadt, 400 angereiste Antifaschisten, 230 Neonazis, dazwischen mehrere 100 Polizisten: In der 16 000-Einwohnerstadt Remagen erleben sie so was nicht alle Tage. Seit 2009 aber einmal im Jahr. Wenn Neonazis anreisen, um ihren sogenannten Gedenkmarsch zur Friedenskapelle Schwarze Madonna abzuhalten, währenddessen sie die Verbrechen der Hitler-Diktatur verklären.

    Die Kapelle liegt auf dem Gebiet des ehemaligen Rheinwiesenlagers Goldene Meile. Es gab 20 solcher Kriegsgefangenenlager der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg. In allen zusammen sind renommierten Wissenschaftlern zufolge rund 5000 deutsche Soldaten gestorben, allerhöchstens 40 000. Die Neonazis haben sich die dreiste Lüge von 1 Million Toter zurechtgelegt – und kommen deshalb seit 2009 nach Remagen.

    Für die Bürger der weltoffenen, rheinisch-fröhlichen Kleinstadt ist das bitter. Lange haben sie lieber weggeschaut, sie wirkten überfordert. Vergangenes Jahr aber hatten einige genug und organisierten ein Bürgerfest in der Innenstadt: den Tag der Demokratie. Die zweite Auflage am Samstag war besonders fröhlich, weil untermalt durch Karnevalisten und Musiker. In der Fußgängerzone informierten Schulen, Verbände, Parteien. In der Friedenskirche wurde an die Opfer der grausamen NS-Diktatur erinnert.

    Erstmals seit Amtsantritt war Ministerpräsidentin Malu Dreyer in der Stadt. Sie sagte: „Ich bin zutiefst beeindruckt. Sie zeigen Flagge gegen rechts, haben für rechtes Gedankengut Null Toleranz.“ Zuversichtlich stimme sie, dass sich Remagen „seit so langer Zeit gegen Rechtsextremismus engagiert“.

    Eine im Ton äußerst eindeutige Rede hielt Jürgen Pföhler, Landrat des Kreises Ahrweiler. Er sagte: „Es ist eine Schande, dass die Verirrten, die Verwirrten unser geschichtsträchtiges Remagen und die Friedenskapelle immer wieder für ihre Geschichtsverfälschung missbrauchen.“ Die Ewiggestrigen hätten nichts verstanden, nichts begriffen. Schon gar nicht, dass das NS-Regime fast ganz Europa in Schutt und Asche gelegt hätte. Pföhler: „Aber wir schauen nicht weg, sondern genau hin. Wir verschließen nicht die Augen, so sehr es schmerzt, dies anzusehen.“

    Remagens Bürgermeister Herbert Georgi sagte: „Diese importierten Krawallbrüder werden keine Anhänger in Remagen finden.“ Man wolle die Rechten nicht, sollte sie mit „Pauken und Trompeten aus unserer Stadt verbannen“.

    Den Anfang hatte morgens die Antifa-Demo gemacht: Gegen 10 Uhr waren 400 Mitglieder vom Bahnhof aus in Richtung Friedenskapelle aufgebrochen, die gut zwei Kilometer entfernt von der Innenstadt liegt. Um 13 Uhr waren sie wieder zurück, sodass die Neonazis – fast alle in dunklen Klamotten, die Gesichter hinter Brillen und Schals verborgen – nun ihren Marsch abhalten konnten. Gegen 17 Uhr war der Spuk vorbei.

    Laut Polizeisprecher Lars Brummer verlief der Tag ohne ernsthafte Zwischenfälle: „Es gab ein paar Platzverweise, als Antifa-Mitglieder die Absperrung durchbrechen wollten.“ Festgenommen worden sei niemand. Zum großen Andrang auf linker und rechter Seite – die Antifa war erstmals derart stark in Remagen vertreten, die Rechten hatten 80 Leute mehr als 2012 mobilisiert – sagte ein Polizist: „Die beiden Gruppen haben sich gegenseitig hochgeschaukelt. Durch das Internet konnten sie ja sehen, wie die jeweils andere Seite mobilisiert.“

    Und so haben sie in Remagen wieder ihre Ruhe. Vermutlich bis zum Tag vor Totensonntag 2014.

    Liveticker zum Nachlesen: 230 Nazis marschierten durch Remagen - Gegendemonstranten boten ihnen die StirnTag der Demokratie in Remagen2013: Rechte marschieren in RemagenAntifa-Gruppen demonstrieren in RemagenRemagen im Ausnahmezustandweitere Links
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