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Rheinland-Pfalz

Jüngster Abgeordneter Benedikt Oster (22): Vom Straßenbau in die Politik

Das Glück kommt manchmal unverhofft: Benedikt Oster erinnert sich an seine Berufung zum Landtagsabgeordneten als wäre es gestern gewesen. Der 22-jährige Straßenwärter war am Montag, den 2. Mai, in seinem Heimattort Binningen bei der Kommunion seines Cousins. Plötzlich klingelte sein Handy.

Bereit für eine neue Rolle: Benedikt Oster (22) in seinem Mainzer Büro im Erdgeschoss des Abgeordnetenhauses. Von hier aus will er sich für die Interessen von Arbeitern und jungen Leuten stark machen.
Foto: Harry Braun
Bereit für eine neue Rolle: Benedikt Oster (22) in seinem Mainzer Büro im Erdgeschoss des Abgeordnetenhauses. Von hier aus will er sich für die Interessen von Arbeitern und jungen Leuten stark machen.
Foto: Harry Braun

Rheinland-Pfalz. Das Glück kommt manchmal unverhofft: Benedikt Oster erinnert sich an seine Berufung zum Landtagsabgeordneten als wäre es gestern gewesen. Der 22-jährige Straßenwärter war am Montag, den 2. Mai, in seinem Heimattort Binningen bei der Kommunion seines Cousins. Plötzlich klingelte sein Handy.

Arbeiter rückt für Heike Raab (SPD) nach

Die SPD-Generalsekretär Heike Raab war am Apparat. Ihr erster Satz sollte das Leben des Eiflers gründlich durcheinanderwirbeln. „Du bist jetzt Landtagsabgeordneter“, verkündete die „Generalin“ am Telefon. Benedikt Oster verlor kurz die Fassung. „Nä, nä nä“, entfuhr es ihm ungläubig. Doch der Anruf Raabs war kein verspäteter Aprilscherz. Die Politikerin von der Mosel wechselte als Staatssekretärin ins Innenministerium und musste daher ihr Landtagsmandat aufgeben. Und ihr B-Kandidat Benedikt Oster saß plötzlich im Parlament – als jüngster Abgeordneter.

Der Nachrücker war außer sich vor Freude. „Ehrlich gesagt, ich habe am nächsten Tag bei der Landtagsverwaltung angerufen, um mich zu rückzuversichern, ob das auch wirklich stimmt“, gibt er schmunzelnd zu.

Seit diesem Moment hat sich für das „Landtagsküken“ vieles geändert. Seit dem 18. Mai ist er nun offiziell „MdL“. Inzwischen hat er sein Büro im Abgeordnetenhaus bezogen. Wenn er lange in Mainz bleibt, nutzt er das eingebaute Klappbett. In der Ecke stehen seine Joggingschuhe. Im Schrank hängt ein Trikot der roten Teufel. Darauf prangt in weißen Lettern sein Spitzname „Bene“.

Der 22-Jährige ist nicht nur begeisterter Fan des 1. FC Kaiserslautern, er hat auch lange selbst gekickt. Drei Kreuzbandrisse zwangen ihn dazu, es auf dem Rasen etwas gemächlicher angehen zu lassen. Dafür gibt er beruflich Gas.

In erster Rede für kostenlose Bildung und Mindestlöhne gestritten

Seine erste Rede hat er bereits am 19. Mai im Landtag gehalten. Da stritt er für kostenlose Bildung und Mindestlöhne. Zudem plädierte er für das Wahlrecht mit 16. Nachher haben ihm seine früheren Arbeitskollegen vom Landesbetrieb Mobilität gratuliert. „Schöne Grüße von der B 412“, schrieben sie per SMS von dem Ort, wo sie gerade schufteten. Bis eben war Benedikt Oster noch einer von ihnen. Im Winter räumte er die Straßen von Schnee und Eis. Im Sommer mähte er Randstreifen mit seinem speziell ausgerüsteten Unimog. Und nun ist er einer von 101 Landtagsabgeordneten.

„Es kann nicht nur Studierte im Parlament geben“

Als jüngster Parlamentarier löst er die Grünen-Politikerin Pia Schellhammer (26) ab, eine lebenslustige Intellektuelle. Oster ist „stolz darauf, Arbeiter zu sein“. Er fühlt sich den Interessen der kleinen Leute verpflichtet. Minderwertigkeitskomplexe, weil er kein Abitur oder gar ein Studium hat, kennt er nicht. Er sagt so Sätze wie: „Es kann nicht nur Studierte im Parlament geben.“ Oder: „Ich weiß, was an der Basis los ist.“ Oder: „Mit ganz normalem menschlichen Sachverstand kann man viel bewegen.“

Oster, dessen nahezu ganze Familie in der örtlichen SPD aktiv ist, will ein Abgeordneter zum Anfassen sein. „Ich behalte meine alte Handynummer, und ich gehe auch weiter in den Jugendraum“, verspricht er. Zu seinen Ex-Kollegen hält er Kontakt. Wer mit Oster spricht, erlebt einen jungen Mann voller Enthusiasmus und Gestaltungsfreude. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. „Im Moment könnte ich 100 Berater haben“, sagt er. „Aber ich muss meinen eigenen Weg gehen.“ Eine Freundin hat er derzeit übrigens nicht. Kein Grund zur Sorge. „Mir fehlt gerade ohnehin die Zeit“, grinst er.

Zur Person Benedikt Oster

  • Benedikt Oster hat die Hauptschule Treis-Karden (Kreis Cochem-Zell) besucht und sich dann zum Straßenwärter ausbilden lassen.
  • Seit 2009 ist er in der SPD.
  • Im gleichen Jahr zog er als jüngstes Mitglied in den Verbandsgemeinderat Treis-Karden ein.
  • 2010 wurde er Juso-Kreisvorsitzender Cochem-Zell.
  • Seine beiden älteren Brüder studieren.
  • Sein Vater ist Ingenieur.
  • Die Familie stammt aus Binningen (Eifel).
  • Oster ist in der Gewerkschaft und in örtlichen Vereinen aktiv.
Landespolitik
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