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    Gau-Bickelheim

    Fluss-Notbrücke lagert in Gau-Bickelheim – vielleicht bald in Mainz?

    Im Kalten Krieg hat der Bund für zerstörte Flussquerungen mobile Notbrücken vorgehalten. Heute ermöglichen sie bei großen Brückenbauarbeiten freie Fahrt. Bald auch zwischen Mainz und Wiesbaden?

    Alles erinnert an einen alten Metallbaukasten für Kinder in der Doppelhalle beim rheinhessischen Gau-Bickelheim. Nur das alles viel größer ist: Fahrbahnteile, Brückenlager, Riesenschrauben und Pfeilerelemente. Damit lassen sich mobile Notbrücken zusammenschrauben, die in ganz Deutschland zum Einsatz kommen. Demnächst auch bei einem der wichtigsten Verkehrs-Nadelöhre im Rhein-Main-Gebiet, der kaputten Schiersteiner Brücke zwischen Wiesbaden und Mainz?

    „In Deutschland gibt es zehn Lager für Behelfsbrücken des Bundes“, erklärt Mario Graßmann von der Autobahnmeisterei Gau-Bickelheim. „Unsere Fachwerkbrücke, die SS 80, finden Sie nur noch bei Mönchengladbach ein zweites Mal.“ Bailey, SB 30 und D - das sind die Kürzel weiterer Ersatzbrücken, die der Bund an anderen Orten lagert.

    Die Gau-Bickelheimer Metallkonstruktion kann maximal 700 Meter überbrücken. Teile davon sind derzeit weit weg: Sie überspannen derzeit Wasserwege bei Berlin, Potsdam und Hünxe (Nordrhein-Westfalen), sagt der Leiter der Autobahnmeisterei, Jürgen Bäcker.

    Für die Schiersteiner Brücke würden jedoch 110 Meter reichen. Die Sprecherin des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz, Verena Blümling, erläutert: „Das defekte Brückenteil würde weggerissen und ein Teil der Behelfsbrücke dort montiert.“ Auf einer Fahrbahnbreite von sechs Metern wäre Platz für insgesamt zwei Spuren, auch für schwere Lastwagen.

    Die Schiersteiner Brücke der Autobahn 643 über den Rhein ist seit einem Bauunfall bei der vorgelagerten Brücke auf Mainzer Seite am 10. Februar gesperrt. Zehntausende Pendler stehen seitdem noch länger im Stau. Bauarbeiter sollen versuchen, bei dem beschädigten Pfeiler die leicht schräge Fahrbahn mit hydraulischen Pressen auf Hilfspfeilern anzuheben und Risse zu reparieren. Ziel ist die freie Fahrt um Ostern.

    Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) sagt: „Ich gehe fest davon aus, dass wir das hinbekommen. Ich habe keine Hinweise auf Zweifel.“ Geht die seltene Großaktion aber buchstäblich schief, schlägt die Stunde der SS 80. Binnen drei Wochen könnte sie laut Blümling an der Mainzer Vorlandbrücke eingesetzt sein.

     

    Die Abkürzung SS 80 hat laut dem Hersteller nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun: Sie steht für „Schweres Straßenbrückengerät“ mit pfeilerlosen Spannweiten von rund 80 Metern.

    Autobahnmeisterei-Chef Bäcker erklärt: „Die SS 80 stammt aus den siebziger Jahren, also aus dem Kalten Krieg. Wenn im Verteidigungsfall Flussbrücken zerbombt worden wären, hätte sie bundesweit schnell zum Einsatz kommen können. Der technische Angestellte Graßmann sagt: „Nach dem Kalten Krieg war erst die Entsorgung im Gespräch - aber dann blieb sie doch erhalten.“

    Heute sei der Bund froh darüber, um bei großen Brückenbauarbeiten dem Verkehr weiter freie Fahrt zu ermöglichen. Bei Berlin und Potsdam überspannen SS-80-Teile derzeit die Havel - und bei Hünxe den Weser-Datteln-Kanal. Mitunter bleiben diese Brückenteile etliche Jahre an einem Ort, etwa einst bei Roßhaupten im Allgäu. „Manchmal vermietet der Bund sie auch an Kommunen oder Länder“, erklärt Bäcker.

    Die bei Gau-Bickelheim gelagerten Teile sind in sehr langen Reihen ordentlich aufeinandergestapelt. Sieben Meter breit, fast vier Meter lang und gut vier Tonnen schwer ist ein Fahrbahnsegment. Ein fest montierter Ladekran, eine sogenannte Laufkatze, hievt die Teile auf Lastwagen. „Für eine größere Auslagerung können sieben bis acht Lkw nötig sein, sagt Bäcker.

    Die unscheinbare hellgrüne Doppelhalle mit dem Notbrücken-Lager des Bundes ist abgelegen. „Davon hat bisher nicht einmal die Gemeindeverwaltung von Gau-Bickelheim etwas gewusst“, erzählt der Autobahnmeisterei-Chef. Sein Mitarbeiter Graßmann sagt: „Für Kinder wäre das ein schöner Spielplatz - wenn es nicht zu gefährlich wäre.“

    Von Jens Albes, dpa

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