Archivierter Artikel vom 05.11.2018, 14:43 Uhr
Neuwied

Von Bienen und Bauern – was sich Imker wünschen und Bauern können

Ulrich Schreiber und Marion Schmitz aus dem Kreisbauernvorstand waren zu Gast bei den Neuwieder Imkern.

Das Bild zeigt (links) Ulrich Schreiber und Uwe Hüngsberg.
Das Bild zeigt (links) Ulrich Schreiber und Uwe Hüngsberg.
Foto: Paul Schmitz

Zweimal jährlich findet turnusmäßig die Versammlung der Imker im Kreis Neuwied über die üblichen Vereinsgrenzen hinaus statt. Bei der diesjährigen Herbstversammlung auf Kreisebene konnten die Imker zwei Gäste als Vertreter der Bauernschaft begrüßen, die der Einladung des Kreisimkerverbands gerne gefolgt waren. Nachdem einige Imker-Interna abgehandelt waren, entwickelte sich mit den Gästen ein intensives Gespräch über die vielfältigen Themen, die die Landwirtschaft und die Imkerei gleichermaßen betreffen. „Zu dem großen Begriff der Landwirtschaft gehört auch die Imkerei und so ist es unser Bestreben, dass wir auch auf Kreisebene miteinander ins Gespräch kommen“, erläuterte Uwe Hüngsberg als Vorsitzender des Kreisimkerverbands Neuwied bei seiner Anmoderation.

Es wurde an diesem Abend noch lange über oft durchaus unterschiedliche Auffassungen von Naturschutz, Sicherung einer gesunden Ernährung, Wirtschaftlichkeit und sonstigen Sachzwängen diskutiert. Eine Vielzahl von praktischen Maßnahmen im Rahmen der Imkerei und der Landwirtschaft wurden angesprochen, deren Sinnhaftigkeit gegenseitig verdeutlicht werden mussten. Zum Kaleidoskop der Themen gehörten beinahe selbstverständlich unter anderem das Spritzen der Felder, das aus Imkersicht oft zu frühe und häufige Mähen der Wiesen, die Düngungsproblematik mit dem damit zusammenhängenden Artenverlust an Flora und Fauna, Sinn und Unsinn der Biogasanlagen, die Anlage von Blühstreifen und auch insgesamt das Brüsseler Greening-Programm mit seinen großen bürokratischen Hürden. Es stellte sich heraus, dass man gegenseitig zu wenig über die jeweilige Arbeit mit all ihren pragmatischen Notwendigkeiten weiß.

Ob die unterschiedlichen Parteien durch dieses Gespräch überzeugende Einsichten gewannen und einige vielleicht sogar in dem einen oder anderen Punkt Verständnis für die Haltung des anderen entwickelten, bleibt offen, aber eines wurde zumindest erreicht: Man weiß etwas mehr voneinander und um den Kontakt zwischen beiden Seiten zu intensivieren, wurde angeregt, dass die Imker, deren Bienenvölker in der Nähe landwirtschaftlicher Flächen stehen, das direkte Gespräch mit dem jeweiligen Bauer suchen sollten. Oft ist das schon so, aber es treten ab und an auch Hemmnisse ein, die es zu überwinden gilt. Am Ende ermutigte Uwe Hüngsberg die Bauern im Kreis ihrerseits offen auf die Imkerschaft zuzugehen: „Bei unseren Anfängerschulungen in der Hobbyimkerei sind kaum Landwirte oder Landfrauen vertreten und es wäre doch toll, wenn das Wissen um die Bedürfnisse der Insekten in der Landwirtschaft wieder gesteigert werden könnte!“

Dass es sich aus Sicht der Bauern oft um romantisch-unrealistische Vorstellungen der Bevölkerung und der Imker handelt, wenn spezielle Forderungen an sie erhoben werden, machte auch „Bauer Willi“, ein inzwischen sehr bekannter promovierter Landwirt deutlich, der als Blogger und Autor im Internet Berühmtheit erlangt hat. Er sprach Anfang November anlässlich der Prämierung der besten Honige aus den Landesimkerverbänden Nassau und Rheinland in Kottenheim bei Mayen. Auf jedes Argument, das der Vorsitzende des Deutschen Imkerbundes vorher schriftlich an ihn gerichtet hatte, konnte Bauer Willi adäquat aus landwirtschaftlicher Sicht antworten. Auch in der Diskussion mit dem Landesvorsitzenden Dirk Franciszak oder den anwesenden Imkerinnen und Imkern wurde nur selten eine gemeinsame Basis bei einem entsprechenden Thema erreicht. Einig waren sich allerdings alle darin, dass Landwirte und Imker oft aufeinander angewiesen sind und mehr voneinander wissen und sich gegenseitig in respektablen Gesprächen einander annähern sollten.