Archivierter Artikel vom 15.03.2018, 16:02 Uhr
Irlich

Der Chorgesang hat in Irlich wieder eine Zukunft

Kollektives Aufatmen bei den Sängern des Männerchors Cäcilia: Neuer Aufbruch mit einem gemischten Chor.

Erste Töne erklingen mit den "Neuen".
Erste Töne erklingen mit den „Neuen“.
Foto: Gemischter Chor Cäcilia Irlich

„Wir suchen Frauen und Männer jeden Alters“ heißt die Maxime, mit der die Aktiven des Chors anhand vielfältiger Werbe-Aktionen Gesanginteressierte seit Wochen ansprechen, um das drohende Aus ihres traditionsreichen Vereins abzuwenden. Ihre Erwartungen und Anstrengungen wurden sehr erfreulich belohnt.

Wurde man doch geradezu an paradiesische Zustände erinnert, als am Probeabend des Stichtages bereits 18 singen wollende Evastöchter und ein junger Mann der Einladung zum Kennenlernen mit anschließender Gesangsprobe gefolgt sind. Im Vergleich zu vergangenen Probebesuchen des Männerchors mit immer weiter schwindenden Sängerzahlen, eine Besucherzahl, mit der wohl nur kühne Optimisten gerechnet haben. Zu diesen scheint wohl auch Chorleiter Andreas Wies zu gehören. Ließ er wohl deswegen als erstes die Noten für das feierlich anmutende „Conquest of Paradise“ („Eroberung des Paradieses“) zur Einstimmung verteilen? Mit diesem hymnenartigen Filmgesang motivierte sich bereits Box-Weltmeister Henry Maske für seine legendären Kämpfe. Schon bei diesem pathetisch vorzutragenden Stück konnten die Neulinge beweisen, was sie gesanglich „drauf haben“.

Geradezu ein Gegensatz zum „Conquest…“ ist das gefühlvoll zu singende, melancholische „The Rose“ von Bette Midler, welches anschließend einstudiert wurde. Hier wird von den Singenden besonderes Einfühlungsvermögen gefordert. Auch dieses vor allem stimmlich anspruchsvolle Lied wurde von den Anfängern bereits gekonnt dargeboten.

Weil er mit dem, was er bis dahin zu hören bekam, wohl sehr zufrieden war, wählte Andreas Wies, wohl nicht ohne Grund, zum Abschluss der ersten Probe das „Halleluja“ von Leonard Cohen, einen weiteren Welthit, im Vertrauen darauf, dass auch diese Herausforderung von der neuen Chorformation nach weiteren Proben bravourös bewältigt wird.

Am Ende war es ein beglückender, verheißungsvoller Abend, der für eine Zukunft des Irlicher Chorgesangs zuversichtlich stimmen kann.

Gewöhnungsbedürftig war lediglich das Ergebnis 18:1 – welches den Verhältniswert der anwesenden 18 Frauen zum einem Mann darstellt – nach in den vergangenen Jahren gewonnenen Erfahrungen in der Sängeranwerbung keine Überraschung. Auch an diesem Abend drängt sich deshalb die Frage auf, warum sich die Männer dem Chorgesang verschließen. Das meist gehörte Argument, nicht singen zu können, erweist sich schnell als haltlos, wenn sie bei anderen Ereignissen Freudengesänge anstimmen können.

Warum leiden also Männerchöre am schon chronischen Sängermangel? Ein jahrhundertealtes Kulturgut, welches vorzugsweise im ländlichen Raum zur Förderung der Geselligkeit beiträgt, wird vom männlichen Geschlecht nach wie vor „wie die Pest“ gemieden. Dankenswerterweise haben Frauen zu dieser Thematik die bessere Antwort.