Archivierter Artikel vom 06.04.2022, 15:16 Uhr
Koblenz

Mobilität im Rollstuhl steigert die Lebensqualität

Beim Workshop im Evangelischen Stift gab es viele Tipps und Informationen für Rollifahrer.

Ein Zugsystem für den Rollstuhl – Birgit Zimmermann hat es beim Mobilitätstraining im Evangelischen Stift ausprobiert.
Ein Zugsystem für den Rollstuhl – Birgit Zimmermann hat es beim Mobilitätstraining im Evangelischen Stift ausprobiert.
Foto: Ev. Stift

Hätten Sie es gewusst? Alle Bürgersteige haben ein Gefälle, damit das Wasser abläuft. Für einen Fußgänger kein Problem im Alltag – für einen Rollstuhlfahrer ein sehr großes. „Bürgersteige sind für Rollstuhlfahrer immer wieder eine echte Hürde“, erklärt Mandy Kretschmer, Diplom Sportwissenschaftlerin und Sporttherapeutin bei Rehafit im Evangelischen Stift St. Martin. „Da braucht man viel Übung, um das Gefälle zu korrigieren und anstrengend ist es auch.“ Wie man Bürgersteige, Bordsteinkanten und andere Hindernisse meistert, konnten 20 Teilnehmer in einem Mobilitätstraining üben, das im Evangelsichen Stift St. Martin stattgefunden hat.

An diesem Tag gab es nicht nur viele Tipps zum sicheren Umgang mit seinem Rollstuhl, sondern auch viele Informationen rund um das Thema Mobilität. Während vormittags Dr. Andreas Hildesheim, der Leiter des Zentrums für Querschnittlähmung im Stift, einen Fachvortrag zum Thema „Gesundheitliche Aspekte der Mobilität“ hielt, gab es später im praktischen Teil Demonstration und Ausprobieren von Mobilitätslösungen in Form von verschiedenen Rollis, Handbikes und weiteren Mobilitätshilfsmitteln. Birgit Zimmermann aus Lahnstein interessierte sich dabei besonders für Schiebehilfen und Zugsysteme. Sie hat Multiple Sklerose und ist zunehmend mehr auf einen Rollstuhl angewiesen. „Ich kann seit dem dritten Schub im vergangenen Jahr kaum noch gehen. Mit dem Rollstuhl genieße ich das Spazierenfahren und bin viel mobiler. Aber jetzt lässt leider meine Handkraft nach und links habe ich weniger Kraft als rechts. Das kann man mit einem Unterstützungssystem am Rollstuhl ausgleichen, wurde mir hier erklärt.“ Begeistert ist sie auch von einem Zugsystem. Das ist ein elektrisch betriebenes Rad, das vor dem Rollstuhl eingehängt und dann wie ein Motorroller gefahren wird.

Eine Teilnehmerin war aus Karlsruhe angereist. „Man wird als Rollstuhlfahrer ziemlich alleine gelassen nach der Reha, da muss man sich selbst kümmern und dieses Angebot hier hat mir wirklich viel gebracht.“ Das Mobilitätstraining wurde von dem Verein BASIS am Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein angeboten und fand in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Mobilität und Sport, der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten und der ADAC-Stiftung statt.