Archivierter Artikel vom 15.10.2021, 12:40 Uhr
Bendorf

Konzert in der Abteikirche Sayn

Fast zwei Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme konnte der Förderkreis Abtei Sayn endlich ein Konzert mit OPUS 4 und Prof. Hans-Jürgen Kaiser in der Abteikirche Sayn dem Publikum vorstellen.

Foto: Abtei Sayn

Die schwierigen Zeiten von Corona ließen kürzlich die öffentliche Aufführung von Musik aus vier Jahrhunderten wieder zu. Das bekannte Posaunenquartett OPUS 4 mit Posaunisten des Gewandhausorchesters Leipzig ergänzt um den Organisten des Hohen Dom zu Fulda, Professor Hans-Jürgen Kaiser, spielten ein Programm der Extraklasse vor hoch interessierten Gästen in der stimmungsvollen Abteikirche Sayn.

Es begann mit Werken aus der Spätrenaissance von Trombetti und Palestrina, Ludwig Senfl und Heinrich Schütz waren der Übergang zu italienischen Meistern um 1600, unter anderem Giovanni Gabrieli. Die Posaunisten benutzten dazu spezielle Barockposaunen, die begleitet wurden von Prof. Kaiser an der historischen Stumm-Orgel von 1778. Die warmen Klangfarben von Posaunen und Stumm-Orgel verzauberten die Besucher und führten sie in eine Musikwelt geistlicher Prägung, die streng in ihrer Ausrichtung aber wohltuend in der atmosphärischen Gestaltung daherkam.

Prof. Kaiser zeigte danach mit Werken von Franz Liszt, Ave Maria (von Arcadelt) und Tomas Luis de Victoria, O Vos Omnes (Motet) welche Brillanz sein Orgelspiel aufweist, aber auch welche Qualität die „kleine“, nur 29 Register, 2 Manuale und 1 Pedal umfassende, historische Stumm-Orgel der Sayner Kirche zu zeigen vermag. Prof. Kaiser erklärte sie später zu einer „großen Orgel“. Mit zwei überraschenden Stücken wurden die Besucher dann in die Pause verabschiedet.

Zunächst spielten die vier Posaunisten die Toccata und Fuge in d-moll von Johann Sebastian Bach. Wahrscheinlich hatte noch keiner der Besucher des Konzertes jemals dieses berühmte Werk ausschließlich von Posaunen dargeboten gehört. Sehr eng am Original orientiert forderte OPUS 4 damit das Publikum zu einem ersten Beifallssturm heraus. Die Besucher waren überrascht und begeistert. Keinesfalls weniger überzeugend war dann ein Improvisationsreflex von Prof. Kaiser zum Thema Toccata auf der Orgel, dem eigentlichen Instrument für die Toccata. Prof. Kaiser brillierte mit einer von ihm selbst erarbeiteten Darstellung von Toccata und Fuge, wie sie wohl selten in Kirchen oder Konzerthäusern dargeboten wurde. Brillanz des Spiels und Modernität der Umsetzung führten zum nächsten Beifallssturm der Besucher. In der sich anschließenden Pausen wurde bereits äußerst angeregt bei einem Glas Sekt oder Wein diskutiert.

Bruckner und Krol führten nach der Pause die Gäste des Förderkreises Abtei Sayn wieder in das Musikgeschehen ein. OPUS 4 und Prof. Kaiser zeigten eine wunderbare Harmonie bei den Stücken Ave Maria- Antiphon -Ecce Sacerdos von Bruckner und Cantilena amorosa von Krol. Das Publikum war sofort wieder in der Welt der Musik angekommen. Ein Zwischenstück von Mendelssohn-Bartholdy aus der Sonate in B-Dur op.65, zeigte noch einmal die Schönheit der Orgelkunst auf, die dem Werk, der Orgel, aber vor allem dem Interpreten geschuldet war.

Mit zwei Werken von Gabrieli und Marini endete ein wunderschöner Konzertnachmittag. Die Posaunen von OPUS 4 und die Orgel, gespielt von Prof. Kaiser verzückten noch einmal die Besucher mit ihrem grandiosen Zusammenspiel und forderten das Publikum zu einem großen Applaus heraus und brachten die Interpreten dazu mit einer Zugabe, einem Choral von Joh. Sebastian Bach das Konzert zu vollenden.

Corona hat wahrscheinlich einige Leute davon abgehalten das Konzert in der Sayner Abteikirche zu besuchen. Diejenigen, die dann aber den Nachmittag in Sayn verbracht hatten, zeigten sich hoch begeistert von dem Konzert und bedankten sich bei den Interpreten OPUS 4 und Prof. Kaiser, aber auch beim Förderkreis Abtei Sayn, der erst ein solch qualitativ wertvolles Programm ermöglicht hat.