Archivierter Artikel vom 17.04.2020, 16:53 Uhr
Koblenz/Vietnam

Friedenskinder Koblenz: Glücksmomente in Vietnam

"Wir wurden von vielen Menschen gewarnt, in dieser Zeit, wo in China das Coronavirus ausgebrochen war ausgerechnet nach Asien zu fliegen.

Foto: Friedenskinder Koblenz

Die Aussagen des Auswärtigen Amtes gaben jedoch keinerlei Anlass zu einer Reisewarnung und so machten wir uns Mitte Februar auf den Weg. Tatsächlich gab uns der wuselige Alltag in Vietnam auch wenig Grund zur Sorge. Wie in Asien üblich, trug hier fast jeder eine Gesichtsmaske – ein Anblick, der uns früher einmal fremd vorkam und mittlerweile auch in unserem Straßenbild beinahe schon vertraut erscheint. Außerdem waren die Grenzen zu China dicht und sämtliche Schulen und Universitäten hatten geschlossen. Offenbar zeigten die frühen Maßnahmen der Regierung Wirkung. Während in Deutschland die Zahl der Infizierten schnell stieg, blieb sie in Vietnam lange Zeit verschwindend gering. So konnten wir relativ sorglos unseren Patenkindern und deren Familien begegnen, wie auch zwei Krankenhäusern und einem Kinderheim einen Besuch abstatten. Auch in diesem Jahr gab es berührende Erlebnisse, die keiner von uns vergessen wird. So auch im Mekongdelta, wo wir uns in Can Tho mit einer Familie treffen, die von den Friedenskinder Koblenz seit zwei Jahren mit unserem Patenprogramm unterstützt werden.

Vater, Mutter und zwei Kinder wohnen in einer Wellblechhütte, etwa zwölf Quadratmeter groß. Die dünnen Matratzen sind an die Wand gelehnt, so dass der winzige Platz zwischen Kocher und Kleiderstange wenigstens tagsüber begehbar ist. Wo die Einnahmen der Eltern durch Kutterfahrten und Gelegenheitsarbeiten gerade zum Überleben ausreichen, fließen uns Freundlichkeit und Dankbarkeit über die zuverlässige Unterstützung entgegen. Da das Mädchen, mittlerweile 16 Jahre alt, die Schulausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, kann das Geld, das wir monatlich aus Deutschland überweisen, als Schulgeld für den siebenjährigen Bruder genutzt werden. Wir sehen, dass hier jeder Cent gut ankommt. Als die Mutter von einer großzügigen Spende eines Freundes aus Deutschland erfährt, weint sie vor Glück. Das Geld wird ausreichen, um statt Wellblech Mauern aus Steinen zu errichten, die vielleicht sogar eine Zwischendecke in dem kleinen Haus ermöglichen. Außerdem können sie nun direkt hinter dem Haus ein kleines Grundstück erwerben, um zwei weitere Zimmer anzubauen. Der Vater weist uns auf eine andere Familie hin, die dringend unsere Hilfe benötigt. Ein etwa 60-jähriges Ehepaar hat vor einem halben Jahr seine beiden Enkelkinder aufgenommen, da der Schwiegersohn und die Tochter kurz hintereinander an Lungenkrebs verstorben waren. Beide arbeiteten in einer Dachziegelfabrik. Nun leben Großeltern mit ihren Enkeln gemeinsam auf engstem Raum in einer Art Pfahlbau am Rande des Mekong. Der fünfjährige Junge und selbst das dreijährige Mädchen haben im Gegensatz zu uns keinerlei Probleme in die Holzhütte zu klettern. Mir macht es schon etwas aus, über ein Brett zu balancieren, dann eine selbstgebaute Holzleiter herunterzusteigen, um den Menschen hier ein wenig näher zu kommen. Die Freude der Kinder über unsere mitgebrachten Kuscheltiere ist groß, noch größer aber ist die Erleichterung der Großeltern, als sie erfahren, dass wir sie in unser Patenprogramm aufnehmen werden.

Im Krankenhaus von Hue haben wir auch diesmal Zugang zur Kinderkardiologie. Mütter, manchmal auch Väter oder Großmütter, sitzen voller Hoffnung auf den Betten der Kinder, bei denen eine Herzoperation nicht mehr aufzuschieben ist. Bei den meisten von ihnen hat sich jedoch noch keine Möglichkeit der Finanzierung ergeben. Es tut weh nicht allen, die hier warten, grünes Licht zu geben, denn nach unserem Kennenlernen müssen wir uns erst absprechen, welchen Eingriff die Friedenskinder übernehmen können. Zum Glück haben wir gerade in letzter Zeit einige Spenden bekommen, die uns einen gewissen finanziellen Spielraum lassen. So können wir mit der Erfahrung unserer Angestellten Thuan und unseren eigenen Beobachtungen kurzfristig sechs Zusagen geben. Glückliche, erlösende Momente."

Bericht von: Hartmut Hoefs