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Breitenau

Gold, Gold, Gold: Das Geheimnis um den Schatz von Breitenau

Stephanie Kühr

Nach dem spektakulären Fund eines Münzschatzes aus römischer Zeit in Deesen ist jetzt in der Haiderbachgemeinde Breitenau ein wertvoller Goldschatz geborgen worden. Der sensationelle Fund besteht aus zehn Golddukaten, die nach der Expertise der Spezialisten der Liebenstein-Gesellschaft zwischen 1591 und 1650 geprägt worden sind.

Es könnte ein marodierender Söldner, ein reicher Händler oder ein Lösegelderpresser gewesen sein, der diese zehn Dukaten kurz nach 1650 im Wald bei Breitenau verloren hat. Gefunden hat sie knapp 370 Jahre später der Sondengänger Manfred Klöckner aus Isenburg. Der Fund gilt als einzigartig im nördlichen Rheinland-Pfalz.
Es könnte ein marodierender Söldner, ein reicher Händler oder ein Lösegelderpresser gewesen sein, der diese zehn Dukaten kurz nach 1650 im Wald bei Breitenau verloren hat. Gefunden hat sie knapp 370 Jahre später der Sondengänger Manfred Klöckner aus Isenburg. Der Fund gilt als einzigartig im nördlichen Rheinland-Pfalz.
Foto: Landesarchäologie Rheinland-Pfalz

Das haben der Koblenzer Landesarchäologe Dr. Peter Henrich, und der Direktor der Landesarchäologie Rheinland-Pfalz, Dr. Axel von Berg, bestätigt. Unsere Zeitung hat in den Räumen der Landesarchäologie Außenstelle Koblenz einen ersten, exklusiven Blick auf den Schatz geworfen. Der im nördlichen Rheinland-Pfalz bislang einmalige Fund soll aber auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Golddukaten sind ab Frühjahr 2019 in der Dauerausstellung „Geborgene Schätze“ im Haus der Archäologie auf der Festung Ehrenbreitstein zu sehen.

„Uns ist in der Region kein vergleichbarer Fund bekannt“, freut sich Peter Henrich über den jüngsten Schatzfund aus dem Westerwald. Was den Breitenauer Schatz einmalig macht: „Der Fund besteht nur aus Goldmünzen mit hohen Nominalen. Das ist einzigartig und ohne Parallelen. Bei anderen Münzfunden aus dieser Zeit haben wir meist viele Silbermünzen und nur ein oder zwei Goldmünzen“, so der Archäologe. Die zierlichen Breitenauer Goldmünzen liegen federleicht auf der Hand. Die Dukaten sind hauchdünn, ihre fein-ziselierte Prägung ist am besten mit der Lupe zu erkennen. Die hochfeinen Plättchen wiegen gerade einmal zwischen 3,26 und 3,49 Gramm und sind aus reinem Gold. „Damals war ein Dukat eben noch ein Dukat wert“, sagt Henrich schmunzelnd. Die älteste Münze des Schatzes wurde 1591 in der Niederländischen Republik in der Münzstätte Hoorn geschlagen, die jüngste wurde 1650 im Kurfürstentum Mainz geprägt. Weitere Prägestätten sind die Reichsstadt Frankfurt, das Erzstift Salzburg und die Schweiz. „Das ist ein für diese Zeit typisches Münzspektrum“, bewertet Dr. Axel von Berg den Fund.

Manfred Klöckner aus Isenburg (4. von links, hier mit seiner Frau Sonja Altgelt) hat im Wald bei Breitenau zehn Goldmünzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert gefunden. Die Landesarchäologen Axel von Berg (2. von links) und Peter Henrich (3. von links) haben den wertvollen Dukatenschatz ausgewertet. Bürgermeister Michael Merz (links) und der Breitenauer Ortschef Jürgen Berleth sind stolz, dass die Goldmünzen bald als Dauerleihgabe in Koblenz zu sehen sind.  Foto: Stephanie Kühr
Manfred Klöckner aus Isenburg (4. von links, hier mit seiner Frau Sonja Altgelt) hat im Wald bei Breitenau zehn Goldmünzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert gefunden. Die Landesarchäologen Axel von Berg (2. von links) und Peter Henrich (3. von links) haben den wertvollen Dukatenschatz ausgewertet. Bürgermeister Michael Merz (links) und der Breitenauer Ortschef Jürgen Berleth sind stolz, dass die Goldmünzen bald als Dauerleihgabe in Koblenz zu sehen sind.
Foto: Stephanie Kühr

Es war der Hobby-Sondengänger Manfred Klöckner aus Isenburg im Kreis Neuwied, der den spektakulären Fund Anfang Februar im Wald bei Breitenau machte. „Ich fahre regelmäßig auf dem Weg zur Arbeit an dieser Stelle vorbei und dachte mir immer: 'Hier musst du mal suchen“, erzählt der 36-Jährige, der seit drei Jahren eine offizielle Nachforschungsgenehmigung (NFG) besitzt und regelmäßig mit seinem Metalldetektor auf Schatzsuche in der Natur unterwegs ist. Dabei arbeitet Klöckner eng mit den Wissenschaftlern der Landesarchäologie zusammen, gemeinsam mit seiner Frau Sonja Altgelt zählt er zum engeren Zirkel der 60 „leistungsstarken Sondengänger im nördlichen Landesteil“, wie es Henrich ausdrückt. „Ich bin zehn Minuten in den Wald hineingegangen, dorthin, wo es ganz unwegsam ist, wo niemand suchen würde“, erzählt Klöckner. Plötzlich schlug die Sonde aus. Klöckner grub im Laubboden und fand die Dukaten fünf bis zehn Zentimeter unter der Erdoberfläche versteckt. Die Münzen lagen auf einer Fläche von zwei Quadratmetern locker verstreut. Während der Hobby-Sondengänger den Schatz vorsichtig barg, machte er Fotos von der Fundlage und der Fundtiefe.

„Diese Dokumentation ist enorm wichtig. Für uns ist es spannend, wo und wie die Münzen lagen“, betont Henrich. Im Fall des Breitenauer Goldschatzes deutet alles darauf hin, dass es sich um einen Verlustfund handelt. Das heißt: Der Goldschatz wurde hier nicht vergraben, sondern er wurde verloren, vermutlich in einem ledernen Geldbeutel oder einem Gürtel. Da die Münzen nicht abgegriffen sind, ist zu vermuten, dass die Dukaten kurz nach 1650, dem letzten Prägedatum, in den Boden gelangt sind, schlussfolgert Henrich. „Das ist wie ein Kriminalfall. Wir sammeln Indizien und versuchen, das Geschehen zu rekonstruieren“, sagt Henrich.“ Doch diesen Fall können wir leider nicht lösen“, meint er. Es sei davon auszugehen, dass ein marodierender Söldner, der zu Pferde in den Wäldern der im Jahr 1265 erstmals urkundlich erwähnten Gemeinde Breitenau unterwegs war, die Münzen verloren hat, mutmaßt von Berg. Es könne sich auch um ein hohes Lösegeld gehandelt haben, das erpresst wurde.

Warum der Reiter das Geld verloren hat, warum er nicht umkehrte, und vor allem, was er mit dem Geld vorhatte, das ist Spekulation. Bei der Barschaft handelte es sich um einen hohen Betrag. „Es entsprach zu damaliger Zeit einem halben Jahresgehalt“, sagt Henrich. Heute würde man einen Kleinwagen dafür bekommen. Der Fund ist in jedem Fall aber Ausdruck der unruhigen, politischen Verhältnisse im Westerwald nach dem Dreißigjährigen Krieg. Denn auch nach dem Westfälischen Frieden im Jahre 1648 war die Region keinesfalls befriedet, macht von Berg deutlich. Erst nach 1700 sei eine gewisse Ruhe eingekehrt. „Der Fund ist damit ein wertvolles geschichtliches Zeugnis, fasst Henrich zusammen.

Die Landesarchäologen haben den Fundort im Breitenauer Forst gründlich abgesucht, bevor sie mit dem Goldschatz an die Öffentlichkeit gingen. Mögliche Schatzjäger haben damit keine Chance. Die genaue Fundstelle geben die Forscher aus Angst vor illegalen Sondengängern ohnehin niemals preis. Eines verrät Peter Henrich aber schon jetzt: Der Breitenauer Goldschatz wird nicht der letzte historische Schatz sein, der im Westerwald geborgen wird.

Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

Ortsgemeinde will alle Münzen erwerben

Bei dem Dukatenschatz von Breitenau handelt es sich zweifelsohne um einen im nördlichen Rheinland-Pfalz einmaligen Fund, wie der Landesarchäologe Dr. Peter Henrich betont. Da die Münzen selbst aber keine Raritäten sind, greift bei dem Fund nicht das Schatzregal.

Nach dem landesrechtlich begründeten Schatzregal steht das Eigentum am denkmalwerten Schatz allein dem Staat zu. In diesem Fall aber gilt die Hadrianische Teilung, sprich der Finder und der Eigentümer des Fundortes teilen sich den Schatz zu gleichen Teilen. In diesem Sinne fallen die Breitenauer Dukaten je zur Hälfte in den Besitz von Manfred Klöckner und der Ortsgemeinde Breitenau. Wie Ortsbürgermeister Jürgen Berleth angekündigt hat, will Breitenau die Münzen des 36-jährigen Isenburgers ankaufen, damit der Dukatenschatz nicht geteilt wird und der Öffentlichkeit als Ensemble gezeigt werden kann. Die Haiderbachgemeinde werde die Dukaten als Dauerleihgabe dem Landesmuseum zur Verfügung stellen, so Berleth. Sonderausstellungen in Breitenau sollen aber grundsätzlich möglich sein. kür
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