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Hachenburg/Mudenbach

Bürgerin sauer: Von Behörde mit schwer verletztem Kater rüde abgewiesen

Nadja Hoffmann-Heidrich

Eigentlich wollte Silvia Bahles aus Mudenbach-Hanwerth nur einem schwer verletzten Kater helfen. Dass sie dafür als Lohn Ärger und Aufregung kassieren würde, hätte sie nicht gedacht, als sie das Tier am Montagmittag vor ihrer Haustür mitten auf der Ortsstraße liegend fand. Ihre Kritik richtet sich gegen einen Mitarbeiter der Verbandsgemeinde Hachenburg, der sie bei der Versorgung der Katze im Stich gelassen habe, so Bahles, die selbst Katzen und einen Hund hat.

Der schwer verletzte Kater, den Silvia Bahles mitten auf der Straße in Mudenbach-Hanwerth gefunden hat, ist rund zehn oder elf Jahre alt. Zurzeit wird er von der Katzenhilfe Westerwald aufgepäppelt.  Foto: Röder-Moldenhauer
Der schwer verletzte Kater, den Silvia Bahles mitten auf der Straße in Mudenbach-Hanwerth gefunden hat, ist rund zehn oder elf Jahre alt. Zurzeit wird er von der Katzenhilfe Westerwald aufgepäppelt.
Foto: Röder-Moldenhauer

Wie sie unserer Zeitung berichtet, hätten sie, die Postzustellerin und eine weitere Zeugin das Tier zappelnd auf der Fahrbahn entdeckt. „Ich habe nicht lange gezögert, den Kater sofort in einen Katzenkorb gelegt und bin auf schnellstem Wege zu einem Tierarzt gefahren. Noch nicht mal mein Handy und mein Portemonnaie hatte ich dabei“, erinnert sich Silvia Bahles. Der Veterinärmediziner habe den Kater erstversorgt. Dann habe der Arzt gesagt, dass sie mit dem Tier zur Verbandsgemeindeverwaltung fahren müsse, da diese für die weitere Versorgung des Vierbeiners unbekannter Herkunft verantwortlich sei. Der Mitarbeiter dort aber, so erzählt Bahles, habe sie für ihre Hilfsbereitschaft regelrecht abgestraft. „Er hat gesagt, ich solle meine Katze nehmen und verschwinden. Ich habe immer wieder betont, dass das nicht mein Tier ist, aber das war dem Mitarbeiter egal. Ich hätte den Kater mitgenommen, also wäre ich jetzt auch für ihn verantwortlich. Der Mann hat mir noch nicht einmal gestattet, die Katzenhilfe Westerwald anzurufen“, klagt die Mudenbacherin enttäuscht an. „Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen, wollte nur helfen und wurde dafür so behandelt.“

Sie sei daraufhin unverrichteter Dinge von der VG aus zur Polizei in Hachenburg gefahren. Dort habe man sie sehr freundlich aufgenommen und ihr ermöglicht, die Katzenhilfe zu kontaktieren. Eine Mitarbeiterin von dort kam dann auch zügig vorbei, holte das Tier ab und fuhr mit diesem zum Vertragstierarzt der Katzenhilfe. Dieser stellte fest, dass der Kater eine Gehirnerschütterung und hohes Fieber hatte. Inzwischen bekommt der schwarz-weiße Patient Medikamente. Er befindet sich aktuell im Tierheim der Katzenhilfe in Quarantäne, wo er nun aufgepäppelt wird. „Der Kater wird wohl zum Glück überleben“, informiert der Verein. Wie das Tier seine Verletzungen erlitten hat (ob es beispielsweise angefahren wurde), lasse sich nicht feststellen.

Hachenburgs Erste VG-Beigeordnete Gabriele Greis teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass sie es außerordentlich bedaure, dass die Bürgerin sich in der geschilderten Situation „nicht gut wahrgenommen gefühlt hat“. Dafür bitte sie um Entschuldigung. „Ich bin dankbar dafür, dass sie versucht hat, der Katze zu helfen“. Gleichwohl seien die Erwartungen, die Silvia Bahles an die Verwaltung gehabt hätte, nicht zu erfüllen gewesen. Dazu führt Gabriele Greis aus: „Die Verbandsgemeinde ist zuständig für die Betreuung von Fundkatzen, nicht aber von verwilderten oder ausgesetzten Katzen.“ Anhaltspunkte, dass es sich hier um eine Fundkatze handelte (zum Beispiel Chip, Vermisstenmeldung), lagen laut Greis nicht vor. „Rechtlich ist es daher so, dass die Leserin durch die Inbesitznahme der herrenlosen Katze auch die Verantwortung für die beauftragten Tierarztleistungen übernommen hat.“

Der betreffende Mitarbeiter habe geschildert, dass die Bürgerin „in einem emotional angespannten Zustand“ mit Transportbox samt Katze erschienen sei. Silvia Bahles habe den Mitarbeiter aufgefordert, die Katze zu übernehmen und an den Tierarzt einen Betrag zu zahlen. Außerdem habe die VG einen Vertrag mit dem Tierheim Montabaur und solle die Katze dorthin bringen. „Die Abgabe an das Tierheim ist vertragsgemäß nur für Fundkatzen möglich, die ihrem rechtmäßigen Besitzer nicht wieder übergeben werden können. Keinesfalls kann das Tierheim freilaufende Katzen aufnehmen, die ihrem Besitzer dadurch entzogen würden.“ Da die Katze vom Tierarzt offensichtlich als geheilt entlassen worden sei, habe der Kollege der Bürgerin empfohlen, diese wieder am Fundort laufen zu lassen, damit sie zu ihrem möglichen Besitzer zurückkehren könne. Über die Katzenhilfe, die sich satzungsgemäß um Katzen kümmert, die vom Fundtierbegriff nicht erfasst werden, sei laut seiner Aussage nicht gesprochen worden. Er habe die Dame auch nicht aufgefordert zu gehen. „Das Verhalten der Leserin, sich um ein verletztes Tier zu kümmern, ist sicher lobenswert, kann aber nicht dazu führen, die Allgemeinheit mit den entstehenden Kosten zu belasten. Diese könnten nur gegenüber einem eventuell vorhandenen Eigentümer geltend gemacht werden. Wir bedauern, dass die Leserin falsch informiert und dazu benutzt wurde, nicht berechtigten Forderungen des Tierarztes gegenüber der Verbandsgemeinde Nachdruck zu verleihen“, so Gabriele Greis abschließend.

Laut Silvia Bahles würden mit dieser Stellungnahme die Tatsachen verdreht. „Das Tier wurde nicht als geheilt entlassen. Die VG will sich bloß rauswinden. Ich konnte die Katze doch nicht auf der Straße liegen lassen. Ums Geld ging's mir nicht, sondern nur darum, wer die Katze in Obhut nimmt, da ich es selbst nicht konnte. Ich bin nur zur VG, weil der Tierarzt mich dorthin geschickt hat. Dafür wurde ich dort wie ein Verbrecher behandelt.“

Von unserer Redakteurin Nadja Hoffmann-Heidrich

Montabaur Hachenburg
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