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Schwer verletzter Pole in Neuwied: Junge Täter sind auf freiem Fuß

Neuwied/Oberbieber – Im Fall des jungen Polen, der schwer verletzt in der Neuwieder Innenstadt gefunden worden war, kann die Staatsanwaltschaft jetzt den Tathergang rekonstruieren: Einen fremdenfeindlichen Hintergrund gibt es danach nicht. Auslöser war vielmehr eine Zigarette im Ausschnitt einer 17-jährigen Neuwiederin.

Anfang März ist ein schwer verletzter, junger Pole in der Neuwieder Innenstadt gefunden worden. Kurz nachdem sich die Polizei entschieden hatte, öffentlich nach den Tätern zu fahnden, stellten sich zwei junge Frauen (17 und 21) und ein 19-jähriger Mann aus Neuwied beziehungsweise Oberbieber. Die Jugendlichen sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Beschuldigte räumten die Tat ein – Opfer erleidet vielleicht bleibende Schäden

Wie der Koblenzer Oberstaatsanwalt Rolf Wissen auf RZ-Nachfrage mitteilte, räumen die drei Beschuldigten die Tat zwar „im Wesentlichen übereinstimmend" ein, es bestehe derzeit jedoch kein Haftgrund. Alle drei wohnten noch bei ihren Eltern.

Das Opfer schwebt laut Wissen derweil nicht mehr in Lebensgefahr. Dennoch habe er sehr schwere Verletzungen erlitten. Eine Teillähmung und Auswirkungen auf das Sprachzentrum seien zu befürchten, berichtete der Oberstaatsanwalt. „Wir sind alle froh, dass er überlebt. Aber mit den schlimmen Verletzungen hat er wahrscheinlich sein Leben lang etwas zu tun", meinte Wissen. Inwieweit die Mediziner die Auswirkungen lindern können, sei noch offen.

Zudem sei der junge Mann auch weiterhin nicht vernehmungsfähig. Daher kann sich die Polizei bei der Rekonstruktion des Tathergangs vorerst nur auf die Aussagen der drei Beschuldigten stützen.

Griff nach Zigarette im Dekollté hatte Schläge zur Folge

Danach kam es in der Nacht zu einem Zusammentreffen des Trios mit dem Opfer. Die 17-jährige Frau nahm ihm dabei eine Zigarette weg und steckte sich diese in ihren Ausschnitt. Der junge Mann jedoch wollte sie sich zurückholen, was wiederum der 19-Jährige vermutlich missdeutet hat. Dieser schlug dann jedenfalls, so die übereinstimmende Aussage der drei Neuwieder, dem Polen drei- oder viermal mit der Faust auf den Kopf. In seiner Faust hatte er dabei einen Schlüssel, der ein Stück weit herausragte.

Von weiteren Schlägen sollen ihn dann die beiden Frauen abgehalten haben. Als die drei weitergingen, ist der Kontrahent ihnen noch ein Stück gefolgt, dann aber zusammengebrochen. Die Täter gingen trotzdem zunächst weiter, bekamen dann laut Wissen aber vermutlich ein schlechtes Gewissen und kehrten noch einmal um, um nach dem Verletzten zu schauen. Weil sich um diesen mittlerweile aber andere Passanten kümmerten, machten sie sich aus dem Staub. Zumindest diese versuchte Rückkehr bestätigen Zeugen.

Jungem Schläger drohen im schlimmsten Fall bis zu 10 Jahren Haft

Sollte auch die restliche Tatschilderung durch die Aussagen des Opfers bestätigt werden, muss sich der 19-Jährige aller Voraussicht nach wegen schwerer Körperverletzung verantworten. Sollte bei dem jungen Mann das Erwachsenenstrafrecht Anwendung finden, gilt hier ein Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren Haft. Bei der minderjährigen 17-Jährigen kommt in jedem Fall das mildere Jugendstrafrecht zur Anwendung.

Offen ist, ob auch die 21-Jährige sich einer Straftat schuldig gemacht hat. „Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen hat sie mehr oder weniger danebengestanden", meinte Oberstaatsanwalt Wissen. Vielleicht komme eine unterlassene Hilfeleistung infrage.

Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund für die Tat gibt es laut Oberstaatsanwalt nicht. In den Vernehmungen seien keinerlei darauf hinweisenden Kommentare gefallen, sagte er auf RZ-Nachfrage. Die Täter sollen nach derzeitigem Ermittlungsstand auch nicht (übermäßig) betrunken gewesen sein.

Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

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