40.000
Aus unserem Archiv
Dierdorf

Ruhigeres Fahrwasser für Energie GmbH: Klare Worte zum Dierdorfer Nahwärmenetz

Ralf Grün

Das Fahrwasser für die Energie GmbH, die in Dierdorf das kommunale Heizkraftwerk betreibt, ist wieder etwas ruhiger geworden. Der jetzt vom Dierdorfer VG-Rat einhellig verabschiedet Wirtschaftsplan für das kommende Jahr geht von einem ausgeglichenen Zahlenwerk aus. Einen Lichtblick stellt auch der Überschuss von 13.000 Euro dar, der sich in der Jahresrechnung für 2016 ergab. Denn immerhin hatte die Energie GmbH in den Vorjahren bis 2016 ein beachtliches Gesamtdefizit angehäuft und war mangels Eigenkapital eigentlich am Ende.

Damit der Betrieb des kommunalen Heizkraftwerkes in Dierdrof wirtschaftlich erfolgen kann, müssen die Preise für die Nahwärme angehoben werden. Archivfoto: Ralf Grün
Damit der Betrieb des kommunalen Heizkraftwerkes in Dierdrof wirtschaftlich erfolgen kann, müssen die Preise für die Nahwärme angehoben werden. Archiv
Foto: Ralf Grün

Gleichwohl sind längst nicht alle Klippen umschifft, Stichwort Defizit. Das Problem: Ende 2016 sah sich die Energie GmbH einem Gesamtdefizit von 140.000 Euro gegenüber. Das Eigenkapital war damit aufgezehrt. Und die VG musste noch Geld zuschießen. Weil die kommunale Gesellschaft damit als „Not leidend“ galt, erhielt sie 2016 für das gasbetriebene Heizkraftwerk auch keine Befreiung von der Energiesteuer. Die macht laut Bürgermeister Horst Rasbach 6000 bis 8000 Euro aus und fällt angesichts der finanziellen Situation der Energie GmbH sicher ins Gewicht. Es herrschte also die pure Not.

Mit dem Einstieg der Stadtwerke Neuwied (SWN) als Mehrheitsgesellschafterin (51 Prozent der Anteile) in diesem Jahr bleibt die Situation zwar angespannt, dafür aber wieder kalkulierbar. Heißt: Ein wichtiger Schritt war, dass Mehrheitsgesellschafterin SWN und die VG ihre Stammeinlagen um 150.000 auf nunmehr 290.000 Euro erhöht haben. Abzüglich des Defizits steht das Eigenkapital also bei 150.000 Euro. Das Attribut Not leidend trifft damit nicht mehr zu, und so kann auch die Befreiung von der Energiesteuer für das Jahr 2017 beantragt werden.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Für die Experten steht fest: Auf der Ertragsseite muss sich dringend etwas tun, sonst gibt es die Energie GmbH in der Form nicht mehr lange. Entscheidend ist also, dass sich möglichst alle Kunden willig zeigen, die neuen Verträge zu höheren, einheitlichen und damit wirtschaftlicheren Preisen zu akzeptieren. Diese lägen jedoch noch unter den marktüblichen Preisen, wie sie anfielen, wenn die Kunden wieder eine eigene Heizungsanlage betrieben würden. Die Verhandlungen laufen noch. Insgesamt zählt die Energie GmbH 73 Abnahmestellen, darunter 30 „Miniverbraucher“ mit einer Abnahmemenge kleiner 1000 Euro pro Jahr. Laut Rasbach liegen jedoch schon etliche Verträge unterschrieben auf dem Tisch. Aber man habe sich auch schon Absagen eingehandelt. Gespräche mit den Großabnehmern stehen noch aus.

Die Kalkulation für 2018 beruht demnach auch auf mündlichen Zusagen von Kunden, die aber bislang noch keinen Vertrag unterschrieben haben. So gehen die Geschäftsführer für den Wirtschaftsplan zunächst mal von Ertragssteigerungen von etwa 20 Prozent aus. Horst Rasbach weiß aber, dass es eigentlich noch höhere Preise bräuchte, um schwarze Zahlen zu schreiben. So deutet für ihn vieles darauf hin, dass die VG auch künftig für ein etwaiges Defizit einspringen muss – und zwar in Form eines Pachtverzichtes in Höhe von 40.000 bis 50.000 Euro, in etwa der Hälfte der von der Energie GmbH zu zahlenden Gesamtpacht.

Die Fraktionen im VG-Rat fanden deutliche Worte zur Situation. Markus Wagner (CDU) betonte: „Wir sind darauf angewiesen, dass die Leute auf das aus meiner Sicht faire Angebot eingehen. Es muss klar sein, dass es sich nicht lohnt zu pokern.“ Dass die VG und damit alle Bürger draufzahlen, sei keine Dauerlösung.

Der Bürgermeister kündigte an, dass Kunden, die jetzt nicht mitziehen nach Vertragsablauf nicht mehr mit den günstigen Konditionen rechnen dürfen, sondern mit „Vollkosten“. Rosi Schneider (SPD) hofft, dass viele einsehen, dass das System trotz angehobener Preise immer noch von Vorteil ist. Und Hans-Dieter Spohr (CDU) gibt zu bedenken, dass man für uneinsichtige Kunden Verständnis aufbringen müsse: „Schließlich sind sie seinerzeit aggressiv mit den günstigen Preisen für das Nahwärmenetz geworben worden.“

Von unserem Redakteur Ralf Grün
Kommentar von Ralf Grün
Jetzt heißt es mitziehen
Nahwärmenetze in Kommunen sind ein sinnvoller Beitrag zur Energiewende. Nicht umsonst tauchen sie als Empfehlung im Klimaschutzkonzept des Kreises auf. Allerdings gilt auch für diese kommunalen Versorgungsmodelle: Es muss wirtschaftlich sein. So gesehen sind die früheren Geschäftsführer der Energie GmbH in Dierdorf blauäugig vorgegangen, als sie Abnehmer mit Preisen köderten, die sich nur wenige Jahre später als nicht haltbar erwiesen haben. Doch Vertrag ist Vertrag, und jetzt ist die VG auf das Verständnis der Kunden angewiesen. Für die heißt es mitziehen oder dem Nahwärmenetz droht das Aus. Letzteres wäre wirklich jammerschade.

Neuwied Linz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter Neuwied
Freitag

18°C - 31°C
Samstag

18°C - 28°C
Sonntag

17°C - 29°C
Montag

17°C - 29°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach