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Kreis Neuwied

Prävention gegen aggessive Besucher: Verwaltungen im Kreis setzen auf offene Bürotüren

Eine geschlossene Verwaltung, deren Tür sich nur nach Klingeln und einer Einlasskontrolle öffnet: Damit müssen die Bürger in der Verbandsgemeinde Wallmerod (Westerwaldkreis) leben. Hintergrund ist ein Vorfall, bei dem ein Asylsuchender ein Messer gezückt hat, um ungerechtfertigt Geld einzufordern.

Weil ein Asylsuchender in der Verbandsgemeindeverwaltung Wallmerod (Westerwaldkreis) ein Messer gezückt hat, ist diese jetzt dauerhaft geschlossen. Foto: Markus Müller
Weil ein Asylsuchender in der Verbandsgemeindeverwaltung Wallmerod (Westerwaldkreis) ein Messer gezückt hat, ist diese jetzt dauerhaft geschlossen.
Foto: Markus Müller

So etwas ist in der VG-Verwaltung Linz bislang nicht passiert. „Wir haben bisher keine extrem negativen Erfahrungen gemacht“, sagt Bürgermeister Hans-Günter Fischer auf RZ-Nachfrage. Eine Verwaltung wie in Wallmerod zu schließen, sei für die VG Linz keine Option, wie Fischer im Gespräch mit der RZ verdeutlicht. Sie hat ein anderes Konzept, das darauf abzielt, dass die Mitarbeiter nicht isoliert sind. „Bei uns ist sichergestellt, dass Mitarbeiter, die für Asylsuchende zuständig sind, in Räumlichkeiten nah beieinander sitzen“, sagt er. Die Büros seien nur durch Zwischentüren getrennt, die möglichst offen sein sollten. Bei einem Vorfall seien die Mitarbeiter in der Nähe und könnten eingreifen, um eine Deeskalation herbeizuführen. So stehe der Einzelne quasi einer Gruppe gegenüber. Das Konzept ist Fischer zufolge eine Konsequenz aus negativen Erfahrungen, die in den 1990er-Jahren im Linzer Sozialamt gemacht worden seien.

Ähnlich wird in der Verbandsgemeindeverwaltung Bad Hönningen gearbeitet, wie Bürgermeister Michael Mahlert gegenüber der RZ erklärt. Die Bürotüren würden aufbleiben, um eine schnelle Anbindung zu gewährleisten, außerdem sei das Personal entsprechend geschult. „Bislang sind wir damit gut gefahren. Wir haben noch keinen Vorfall gehabt“, berichtet der Bad Hönninger VG-Chef. Wallmerod habe sicher seine Gründe, so zu agieren. Gäbe es dieses Gefahrenpotenzial in der VG Bad Hönningen, würde Mahlert mögliche Szenarien auf jeden Fall mit den Mitarbeitern besprechen, meint er. „Denn der Schutz der Mitarbeiter hat schließlich allerhöchste Priorität“, betont der Bad Hönninger Bürgermeister.

Klar habe es schon verbale Auseinandersetzungen gegeben, sagt Karsten Fehr, Bürgermeister der VG Unkel, aber keine Gewalttätigkeit. Auch für ihn wäre es keine Option, die Verwaltung einfach zu schließen. „Das wäre allein schon baulich schwer umsetzbar“, sagt er. Wie in Linz und Bad Hönningen sind auch in der VG-Verwaltung Unkel die Büros in unmittelbarer Nähe und die Türen geöffnet, sodass die Mitarbeiter mitbekommen, was sich nebenan abspielt. „Das sorgt schon für eine gewisse Sicherheit“, findet auch Fehr. Zudem werde in der VG-Verwaltung derzeit ein stiller Alarm eingerichtet. Auf diese Weise, erläutert der Bürgermeister, könnten bei Problemen andere Büros per Knopfdruck benachrichtigt werden.

Auch in der Verbandsgemeindeverwaltung Dierdorf bleibt die Tür auf, sollte sich zum Beispiel eine Mitarbeiterin im Sozialamt allein im Büro befinden. Auch dort haben sich noch keine extremen Fälle ereignet, wie Bürgermeister Horst Rasbach auf RZ-Anfrage mitteilt. „Natürlich kommt es auch zu Meinungsverschiedenheiten, aber außer wüsten Beschimpfungen mussten wir bisher nichts über uns ergehen lassen“, meint Rasbach. „Deswegen haben wir auch keine besonderen Maßnahmen ergriffen“, begründet er, warum er für die VG-Verwaltung Dierdorf keine Veranlassung sieht, in diese Richtung tätig zu werden. Was zu tun sei, so Rasbach, hänge schließlich von der Situation ab.

Hans-Werner Breithausen, Chef der künftigen VG Rengsdorf-Waldbreitbach, setzt in seiner Verwaltung auf eine offene Gestaltung der Räume und Büros, was zur Folge habe, dass immer viele Menschen da seien. Darüber hinaus arbeiten die Mitarbeiter im Bereich Asyl immer zu zweit. „Wir hatten bisher keine Auffälligkeiten oder Vorfälle“, sagt Breithausen. Deshalb habe auch er keine Notwendigkeit zum Handeln gesehen. Er vertritt ebenfalls die Meinung, dass man sich – im Falle eines Falles – am tatsächlichen Sachverhalt orientieren müsse. Von einer geschlossenen Verwaltung indes hält er nichts. „Man kann sich nicht komplett ausgrenzen“, betont der Bürgermeister der künftigen VG Rengsdorf-Waldbreitbach.

Von unserer Redakteurin Silke Müller

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