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Neuwied

Patenkind Ridmi fühlt sich in Neuwied zu Hause

Christina Nover

Der zweite Weihnachtstag war der 13. Jahrestag des entsetzlichen Tsunamis rund um Indonesien, Indien und Sri Lanka. Ridmi Hansana Samarawickrama hat ihn bei ihren Pateneltern in Deutschland verbringen können. Edeltrud Pinger, die zweite Vorsitzende des Freundeskreises Neuwied-Matara, brachte Anfang Oktober von ihrer 16. Reise dorthin nicht nur Briefe und kleine Geschenke für Paten von ihren Patenkindern in Matara mit, sondern auch ihr eigenes Patenkind, das sie schon seit sieben Jahren betreut.

Die 23-jährige Ridmi verlor einige Wochen nach ihrer Geburt die Mutter, und durch die Flutkatastrophe Ende 2004 ihren Vater. Die damals Zehnjährige hatte keinen Besitz mehr, war mit ihren Großeltern und den beiden Brüdern zunächst in Notunterkünften untergebracht und konnte später bei den Großeltern aufwachsen, die aber die beiden älteren Jungen wegen Überlastung und gesundheitlicher Probleme an eine befreundete Familie in Colombo und an Verwandte im Südosten übergaben.

Ridmi biss sich durch die Schulzeit, lernte mit wenig und nur dem Nötigsten auszukommen und kämpfte sich zum Abitur. In den letzten Schuljahren war sie die erste Schulsprecherin des Anura College, wo sie 2009 Edeltrud Pinger kennenlernte. „Ridmi ist mir direkt aufgefallen, da sie im Gegensatz zu den vielen anderen scheuen und zurückhaltenden Schülern, die Gäste freundlich, offen und in gutem Englisch begrüßte“, erklärt Pinger.

Seit diesem Zeitpunkt entwickelte sich eine Freundschaft, zunächst durch Briefe und die jährlichen Besuche, die Pinger seit über zwölf Jahren auf die Insel führen, wo sie die Projektschulen besucht und mit Vorstand und Mitgliedern im Rücken Aufbauarbeit leistet. Erst später erfuhr sie von Ridmis traurigem familiärem Hintergrund. „Für unser Verständnis kaum nachvollziehbar, hält sich das Mitleid mit Waisen in der buddhistischen Wahrnehmung in Grenzen, weshalb man nicht unbedingt sofort davon erfährt“, so Pinger.

Pinger ermöglichte Ridmi nach ihrem Abitur, ein IT-Studium zu absolvieren und wurde dank des sehr guten Abschlusses im Januar 2017 nicht enttäuscht. Nun ist es die Hoffnung der jungen Frau, wirtschaftlich unabhängig zu werden und eine Arbeit zu finden – am liebsten in Deutschland. Dafür hat sie in den vergangenen Monaten erfolgreich drei Praktika absolviert: bei der Firma ATW, in der EDV-Abteilung der Stadtverwaltung und bei der VR-Bank Neuwied-Linz.

Neben den beruflichen Erfahrungen, die sie machen konnte, hat sie privat auch viel erlebt. Wie zum Beispiel ihren ersten Schnee: „Der war großartig. Hier ist es viel kälter als bei uns. Wir haben keine Jahreszeiten – nur Frühling. Und das ist langweilig“, sagt Ridmi. Auch am Deutschen Essen, insbesondere an Brot und Brötchen hat sie Gefallen gefunden, ebenso wie die Wälder. Im Gegensatz zu dem gefährlichen Dschungel, den sie aus ihrer Heimat kennt, konnte sie hier viele Spaziergänge zusammen mit dem Familienhund machen. „Früher hatte ich Angst vor Hunden, hier habe ich erstmals einen gestreichelt.“

Neben dem Familienleben, das Ridmi bei ihren Pateneltern in Engers erleben konnte, machte sie auch eine Reise nach Frankreich, besuchte viele Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, sang bei einem Chorprojekt mit und feierte Weihnachten sowie Silvester. Nun steht in Kürze ihre Rückreise an – am liebsten würde sie allerdings hier bleiben. „Ihr Großvater verstarb im letzten April, die Großmutter lebt mittlerweile bei Verwandten. Da ist niemand, der wartet“, meint Pinger verständnisvoll. Deshalb werden nun Bewerbungen geschrieben, Vorstellungsgespräche geführt und darauf gehofft, dass sich bald ein Arbeitsvertrag ergibt. „Deutschland ist mein Traumland. Ich möchte auf jeden Fall zurückkommen“, so Ridmi.

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