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Neuwied

Mit viel Tradition: Wie ein Schuhladen die Jahrzehnte überdauert

Stefan Koch führt in dritter Generation das Schuhaus Jochum im Neuwieder Zentrum. Seit 100 Jahren gibt es das Geschäft bereits.

Von unserem Redakteur Markus Gerhold

Stefan Koch sitzt in seinem früheren Kinderzimmer, vor ihm auf dem Schreibtisch steht ein Schuh. Sein Kinderzimmer ist schon lange sein Büro und der Schuh einer von mehr als 9000, die Koch in dem Haus in der Neuwieder Mittelstraße lagert. Koch ist 60 Jahre alt und Schuhhändler in der dritten Generation. Seinen Beruf haben ihm seine Eltern buchstäblich in die Wiege gelegt. Im ersten und zweiten Stock des Schuhhauses Jochum, wo heute die Ware lagert und die Büros untergebracht sind, lebte die Familie früher.

Stefan Koch ist Chef eines Neuwieder Schuhhauses. Der 60-Jährige hat seinen Beruf in die Wiege gelegt bekommen und wuchs über dem Laden auf.
Stefan Koch ist Chef eines Neuwieder Schuhhauses. Der 60-Jährige hat seinen Beruf in die Wiege gelegt bekommen und wuchs über dem Laden auf.

Damals, als in der Mittelstraße noch Autos fuhren. Denn das Schuhhaus Jochum gibt es in Neuwied schon seit fast 80 Jahren. Seit 1934 kommen Menschen aus der Stadt und dem Umland dorthin, um sich ihr neues Fußkleid zu kaufen. Damit ist das Geschäft eines der älteren in der Deichstadt, seine Besitzer haben den Wandel der Zeit erlebt.

Die Veränderung macht sich unter anderem an der Tatsache fest, dass Koch heute in seinem einstigen Kinderzimmer sitzt und die Entscheidung etwa darüber trifft, welche Schuhe er im Frühjahr und Sommer 2014 in seinem Laden im Erdgeschoss verkaufen wird. "Familien- und Geschäftsleben, das war früher gar nicht zu trennen", erinnert er sich. Oft lebten die Neuwieder Geschäftsleute in unmittelbarer Nähe zu ihren Läden – schon allein aus Kostengründen.

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So hielt es auch Kochs Großvater Johann "Jean" Jochum, der Anfang der 30er-Jahre das Grundstück im Herzen der Stadt erwarb und seinen Schuhhandel etablierte. Den hatte er 1910 in Luxemburg gegründet und in Frankreich fortgeführt. Neuwied wurde schließlich für die Familie zur dauerhaften Station. Hier wuchs auch Stefan Koch auf und in das Geschäft rein, das seine Mutter Gertrude Jochum gemeinsam mit ihrem Mann Josef Koch übernahm und erfolgreich weiterführte.

Damals, so beschreibt Stefan Koch die Situation in den 60er-Jahren, hatte die Innenstadt noch eine ganz andere Geschäftsstruktur. Neben Kleider- und Schuhläden, dem Spielwarengeschäft, an das er sich noch gern erinnert, und Buchhandlungen prägten viele Bäckereien, Metzgereien und Lebensmittelgeschäfte das Bild. "Man musste für den täglichen Bedarf mehr in die Innenstadt", sagt Koch. Heute kommen die Menschen in erster Linie zum Bummeln in die City oder, um zielgerichtet all das zu kaufen, was sie eben nicht in den Supermärkten bekommen.

Beklagen will der Schuhhändler diese Veränderung keineswegs. Die alte Geschäftswelt vermisst er nicht, und er ist sich sicher: "Neuwied bietet als Mittelzentrum viel." Immer wieder finden Fachkollegen aus ganz Deutschland den Weg an den Rhein und sind angetan von der Stadt und ihrer Infrastruktur. Eine Einschränkung macht er aber dennoch. "Die Stadt muss ein eigenes Profil haben." Es wäre aus seiner Sicht fatal, wollte sich Neuwied mit Großstädten wie Köln oder Bonn messen. "Der Vergleich kann nicht funktionieren."

Lokal eine gute Auswahl und einen noch besseren Service bieten, dieses Rezept hat sich für das Schuhhaus Jochum seit 100 Jahren bewährt. Geschäftsführer Stefan Koch, der 2010 eine Filiale in Mayen eröffnet hat, ist sich sicher, dass er damit selbst im Internetzeitalter gut fährt. Schließlich, davon ist er überzeugt, kann eine gute Beratung und die Möglichkeit, das Objekt der Begierde aus allen Richtungen zu betrachten und anzuprobieren, kein Onlineportal bieten. Und ob es bequemer ist, die nicht passenden oder unbequemen Treter zur Post zu tragen, um sie zurückzuschicken, dahinter setzt Koch mehr als ein Fragezeichen.

Verändert hat sich sein Geschäft im Laufe der Zeit natürlich auch. Rein äußerlich, weil er, sein Vater und sein Großvater den Laden immer wieder haben umbauen lassen. Doch auch der Umgang mit den Kunden ist ein anderer. Die wollen sich heutzutage lieber erst mal in Ruhe umschauen und das Sortiment erkunden. "Unsere Aufgabe ist es zu erkennen, wann der Kunde Hilfe braucht." Selbst während seiner Lehrzeit in den 70er-Jahren war das noch ganz anders. "Damals saß die Kundin auf einem Stuhl, bekam die Ware präsentiert und probierte." Er spricht automatisch von "Kundin", denn drei Viertel der Käufer sind Frauen, das war schon immer so.

Und auch wenn sich die Dinge an solchen Punkten unterscheiden. Dass er den Geschmack seiner Kunden erfassen und bedienen muss, das ist und bleibt Kochs Kernaufgabe. Der muss er nachgehen, um seinen Beitrag dazu zu leisten, Neuwied als Einkaufsstadt attraktiv zu halten. "Aber", da ist er sich sicher, "sie kann im Wettbewerb bestehen."

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