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Neuwied/Wien/Berlin

Johannes Huth: Vom Neuwieder Schlosstheater auf die Bühnen der Hauptstädte

Er war neun Jahre alt, da wusste er, was er in seinem Leben will: „Das ist es", erinnert sich Johannes Huth heute noch an seine Gedanken und Gefühle, als er mit der Theater-AG der Grundschule St. Georg Irlich erstmals auf den „Brettern, die die Welt bedeuten" stand und spielte. Damals war es das Neuwieder Schlosstheater. Heute, 15 Jahre später, sind es andere Bühnen.

Foto: Rita Sereinig

Neuwied/Wien/Berlin – Er war neun Jahre alt, da wusste er, was er in seinem Leben will: „Das ist es", erinnert sich Johannes Huth heute noch an seine Gedanken und Gefühle, als er mit der Theater-AG der Grundschule St. Georg Irlich erstmals auf den „Brettern, die die Welt bedeuten" stand und spielte. Damals war es das Neuwieder Schlosstheater. Heute, 15 Jahre später, sind es andere Bühnen.

Foto: Rita Sereinig

(Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh)

Johannes Huth hat es geschafft. Er ist hauptberuflich Schauspieler – und seit zwei Jahren sogar ein ordentlich geprüfter.

Denn 2011 erwarb er in Wien das staatliche Bühnenreifezeugnis – „einen Wisch, nach dem mich seither niemand mehr gefragt hat", sagt er und grinst. Denn was in dem Beruf vielmehr zählt, sind die Rollen. Und die können sich mittlerweile sehen lassen.

Von Wien nach Berlin

Die erste große Titelrolle ist absolviert, und im Sommer beginnt Johannes Huth ein langfristiges Engagement. Über das darf er allerdings noch nichts verraten. Nur so viel: Es ist für ihn „ein nächster Schritt", für den er gern die Hauptstädte wechselt: Der Neuwieder, der seit zweieinhalb Jahren in Wien lebt und spielt, zieht nach Berlin. „In dem Beruf muss man eben flexibel sein", weiß er.

Doch von vorn: Schon in der Schulzeit spielt Johannes Huth begeistert Theater. Hat, wie er selbst sagt, das große Glück, dass mit Boris Weber von der Freien Bühne Neuwied ein Profi die Theater-AG am Rhein-Wied-Gymnasium übernimmt. „Von ihm habe ich unheimlich viel gelernt", schwärmt er. So angespornt bildet er sich außerhalb der Schule weiter: Er nimmt Gesangsunterricht, engagiert sich als Regieassistent am Theater in Koblenz, spielt dort, an der Freien Bühne und in der Kulturfabrik.

Nach dem Abitur 2008 kommt dann ein kleiner Einbruch. Er weiß zwar, was er will, kennt die Richtung aber noch nicht so hundertprozentig. Also geht er nach München, absolviert ein halbjähriges Praktikum bei der Bavaria Film. Die Arbeit hinter der Kamera sieht er heute noch als willkommenen Ausgleich. 2010 dreht er beispielsweise die Krimiparodie CSI:Kowelenz.

Doch so schön das auch ist, eigentlich will er selbst auf die Bühne. Da kommt es ihm gerade recht, dass die Vereinigten Bühnen Wien für ihr Musical „Frühlingserwachen" Darsteller suchen. Er spricht vor und wird prompt ausgewählt.

Und weil man – wie schon gesagt – in diesem Beruf flexibel sein muss, packt er die Koffer und zieht in die Donaumetropole.

Inklusive Proben läuft das Engagement rund ein halbes Jahr. Als die Zeit herum ist, kommt es zum nächsten kleinen Bruch. Denn der damals 21-Jährige muss zurück nach Deutschland: Der Zivildienst ruft. „Das war ärgerlich und bitter", erinnert er sich. Schließlich hat er nicht nur sein erstes größeres Engagement absolviert und lebt in einer tollen Stadt, er ist auch frisch verliebt.

Zivildienst im Rückblick wichtig

Doch statt Theater und Freundin heißt es nun, neun Monate lang behinderte Menschen im Auftrag der Malteser durch Koblenz fahren. „Am Anfang war es schwer. Rückblickend aber hat es mir viel gebracht. Ich habe sehr viel über Menschen gelernt", zieht er ein positives Fazit. Zumal ihn der Einschnitt auf seinem Weg nicht stoppt. Johannes Huth geht zurück nach Wien und entscheidet sich bewusst gegen eine Schauspielschule. „Mir war recht bald klar, dass das nicht mein Weg ist. Ich wollte mich nicht in eine Maschinerie pressen und wie ein Stück Knete behandeln lassen", erläutert er.

Da er aber auf der anderen Seite doch so erzogen ist, dass er meinte, eine Ausbildung zu brauchen, wählt er einen Weg, der zwar nicht in Deutschland, wohl aber in Österreich möglich ist: Er stellt seine Ausbildung selbst auf die Beine und nimmt privat Unterricht. Mit viel Disziplin und Geduld („Ich wollte es unbedingt") schafft er es so zum staatlichen Bühnenreifezeugnis – zum „Wisch", der immerhin dafür sorgt, dass er an staatlichen Bühnen bestimmte Gagen bekommt.

Und wenig später zieht er seine erste Titelrolle an Land: an der Oper Graz. In „Honk!", einer Adaption des Märchens von Hans-Christian Andersen, verkörpert er das hässliche Entlein aus dem der schöne Schwan wird. Doch auch wenn es sich erneut um ein Musical handelt, will er sich auf dieses Genre nicht festlegen lassen. „Ich bin ein singender Schauspieler", sagt er über sich selbst. „Ich glaube nicht, dass man sich spezialisieren muss."

Denn so lange er auch schon weiß, was er will, so hat er doch keine bestimmte Rolle oder Bühne als Ziel vor Augen. „Ich will mit dem, was ich mache, das Beste aus mir herausholen, eine Geschichte erzählen und das Publikum begeistern. Das ist der Motor für diesen Beruf, und das möchte ich so lange wie möglich machen dürfen", erzählt er im Gespräch mit der RZ.

Und um das zu tun, geht er jetzt nach Berlin, in eine Stadt – wie er es ausdrückt – „mit einer wahninnigen kulturellen Landschaft und überdurchschnittlich vielen arbeitslosen Künstlern". Gut, dass er da erst einmal ein festes Engagement hat.

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