40.000
Aus unserem Archiv
Heimbach-Weis

Heimbach-Weiserin auf großer Tour: Von einer, die auszog, die Welt zu entdecken

Ulf Steffenfauseweh

Stephanie Ebert hatte einen Traum. Einmal in die Südsee, und das mit viel Zeit. Drei Monate hatte sie sich nehmen wollen, geworden ist daraus ein ganzes Jahr. Zwölf Monate, in denen die 44-Jährige kreuz und quer durch die Welt geflogen ist und 52 Länder besucht hat. Jetzt ist sie wieder in Heimbach-Weis. Zu Hause? „Nein, so fühlt es sich noch nicht an. Ich schwebe noch zwischen den Welten“, sagt sie und hält fest: „Ich könnte gleich wieder aufbrechen. Von mir aus zehn Jahre lang. Ich bin eine Reisende.“

Dabei ist Stephanie Ebert keine geborene Globetrotterin. Bis sie 32 Jahre alt ist, bucht sie nur Pauschalurlaub. Malle & Co? „Ja, leider“, antwortet sie und rollt leicht lächelnd mit den Augen. „Ich hab mich einfach nicht getraut, anders zu reisen“, gibt sie zu.

Dann springt sie doch über ihren Schatten, bucht einfach einen Billigflug für drei Tage: nach Spanien „nur“, aber individuell, ohne dass alles vorher geregelt und organisiert ist. Es soll die Initialzündung werden. Im „normalen Leben“ Sekretärin, verbringt Stephanie Ebert fortan keinen einzigen Urlaubstag mehr zu Hause. Sie nutzt jeden Brückentag für einen Kurztrip – irgendwohin. Vier Tage Moldawien oder Rumänien? Fünf Tage Hongkong oder Singapur? Sie muss nur eine passende Verbindung finden. „Ich hab fast permanent nach günstigen Flügen und Visabestimmungen geschaut“, sagt sie und ergänzt zufrieden, „dass man mit dem deutschen Pass glücklicherweise fast überall hin darf“.

Während sie die verschiedenen Länder kennenlernt, wächst der Südseetraum immer mehr. Und als sie sich dann auf der Arbeit nicht mehr wohl fühlt und kündigt, entscheidet sie, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, ihn zu leben. Sieben Jahre lang hat sie nebenbei in einem 400-Euro-Job gearbeitet und dieses Geld gespart. Da sie ungebunden ist, hat sie damit das nötige Kapital.

Im April 2017 fliegt sie – mit dem Ziel vor Augen, aber ohne festen Plan – zunächst nach Indien, drei Wochen später dann nach Vietnam. Dort gibt es Probleme. Ohne Weiterflugticket wollen die Grenzer sie nicht ins Land lassen. Stephanie Ebert bucht sich kurzerhand mit dem Tablet in der Transitzone ein Billigflugticket nach Malaysia – auch wenn sie da gar nicht hin will.

Fortan plant sie zumindest immer einen Schritt mehr, um ähnliche Probleme zu vermeiden. Unterkünfte sucht sie sich aber weiter spontan vor Ort. Treiben lassen! „Während es sich in den ersten Wochen wie Urlaub angefühlt hat, stellte sich nach und nach eine ,Zeitlosigkeit' ein. Herrlich! Luxus!“, erzählt sie begeistert.

Über Kambodscha geht es nach Australien und Neuseeland, schließlich in die Südsee: Neukaledonien, Vanuatu, Fidschi, Tonga.

Dann sind gut drei Monate um. In Deutschland hatte sie noch vor ihrer Kündigung eine Namibia-Tour mit einem Freund verabredet und gebucht. Sie fliegt ohne Zwischenstopp in der Heimat dorthin und beginnt damit, den Südsee-Trip zur Weltreise auszudehnen. „Als ich gemerkt habe, dass ich viel weniger Geld ausgebe als geplant, hab ich ,Jetzt oder nie' gedacht“, sagt sie und erzählt, das sie immer günstig gereist und übernachtet hat. „Nur bei den Ausflügen habe sie nie gespart.

Sie reist durch Afrika, liegt auf Mauritius am Strand, fliegt dann nach Südamerika. Vier Monate bleibt sie auf dem Kontinent, nimmt alle Länder und auch die Karibik mit. Sie schwimmt im Amazonas mit Flussdelfinen, wohnt zusammen mit zwei schwulen Spaniern bei einem Urvolk im Regenwald. Dann fliegt sie wieder nach Afrika, reist von Land zu Land, erlebt noch ungezählte Abenteuer. Angst, sagt sie, hat nie gehabt.

Nur einmal, als sie nachts im Senegal landet und ein Taxi nimmt, ist das anders. In dem sitzen auf einmal drei Männer und der Fahrer brettert nur über Schleichwege. „Da hab ich schon gedacht: Jetzt ist es soweit“, erzählt sie. Aber hinterher habe sie dann verstanden, dass der Fahrer keinen Führerschein hatte und bloß Polizeikontrollen aus dem Weg gehen wollte. „Mein Französisch ist halt nicht so gut“, sagt sie. Ansonsten sei eine ihrer goldenen Reise-Schutz-Regeln immer gewesen: „Nur gucken, nicht anfassen“.

Und das schönste Reiseerlebnis? Das kann sie nicht benennen. „Jedes neue Ziel war spannend und aufregend und hat mich in seinen Bann gezogen“, sagt sie und betont, dass vor allem die vielen Menschen, die sie getroffen hat, Eindruck hinterlassen haben. „Egal wie arm sie waren: Diese Menschen haben oft Lebensfreude pur ausgestrahlt und waren immer freundlich. Oft waren es Kleinigkeiten, die mir Tränen der Rührung in die Augen getrieben haben“, berichtet sie und unterstreicht: „Nein, ich bin keine Heulsuse.“

Unter dem Strich sei sie in jedem Land herzlich aufgenommen worden. „Oft war ich die einzige Weiße weit und breit. Ja, ich war die Ausländerin. Aber ich habe kein einziges Mal Rassismus zu spüren bekommen, kein einziges Mal Beschimpfungen. Im Gegenteil! Ich habe viel Zeit mit Muslimen, Juden, Hinduisten, Buddhisten, Christen und auch Atheisten verbracht und kann sagen: Wir sind Menschen, alle sind gleich!“

Mehr in Stephanie Eberts Blog: www. worldtravels.de

Neuwied Linz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter Neuwied
Montag

17°C - 27°C
Dienstag

17°C - 29°C
Mittwoch

17°C - 30°C
Donnerstag

16°C - 29°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach