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Kreis Neuwied

200 Jahre Kreis Neuwied: Die Nazis an der Macht

Es dauerte nur wenige Wochen, bis die Nationalsozialisten nach den entscheidenden Wahlen am 5. März 1933 auch im Landkreis Neuwied Schlüsselpositionen bekleideten. Die Beteiligung an den damaligen Reichstagswahlen lag bei heutzutage unglaublich anmutenden 89,8 Prozent.

Von unserem Redakteur Frank Blum

Im Kreis, der seinerzeit rund 107 000 Einwohner hatte, gab es folgendes Ergebnis: Von 63 241 Wählerstimmen hatten die Nazis 21 382 erhalten, die mit ihr kooperierende Kampffront Schwarz-weiß-rot (DNVP) 3781. Die NSDAP war noch nicht stärkste politische Kraft geworden. Das war immer noch das Zentrum mit 23 066 Stimmen, abgeschlagen landeten die Parteien des linken Spektrums bei 8157 (SPD) beziehungsweise 5253 (KPD) Stimmen. Beide hatten jedoch unter massiven Einschränkungen zu leiden. Die Behörden in Reich und Kreisen hatten im Vorfeld der Wahlen auf massiven Druck der Faschisten die Versammlungsfreiheit zunächst für die KPD, dann auch für die Sozialdemokraten aufgehoben – "zum Schutz des deutschen Volkes".

Auch bei den Kommunalwahlen vom 12. März verfehlten NSDAP und DNVP die absolute Mehrheit für den Kreistag. Zentrum und SPD kamen auf 15 von 30 Mandaten. Anders in der Stadt Neuwied: Dort siegten die Gegner der Demokratie. Doch nach der Annahme des Ermächtigungsgesetzes im Berliner Reichstag am 23. März geht alles ganz schnell – auch in Neuwied: Bereits am 27. April 1933 setzen die Nazis den amtierenden Landrat Robert Großmann ab, einen Tag später übernimmt bereits Rudolf Reppert, ein promovierter Chemiker, die Amtsgeschäfte. Reppert war 1881 im Saarland geboren, wohnt Ende der 20er-Jahre in Rheinbreitbach, von wo aus er zur NS-Ortsgruppe Linz stößt. Er wird kurze Zeit später Leiter des NSDAP-Kreises Neuwied-Nord – bis er zum Landrat aufsteigt. Reppert überlebte den Krieg, er starb 1968 in Bad Honnef.

Reppert hatte sich gegen Detlev Dern durchgesetzt, den Leiter des NS-Kreises Neuwied-Süd. Doch der muss sich nicht grämen. Die beiden Teile werden nach Repperts Ernennung zusammengeführt – und Dern leitet in der Folge das gesamte Kreisgebiet. Der 1905 in Neuwied geborene Vermessungstechniker war bereits 1925 der NSDAP beigetreten und stirbt 1941 beim Kriegseinsatz in der Ukraine.

Demokratische Parteien werden ausgeschaltet

Unter Dern und Reppert sorgen NSDAP-, SA- und SS-Mitglieder unter massiver Gewaltanwendung innerhalb weniger Wochen für die Zerschlagung des politischen Gegners. So beim Überfall auf das Neuwieder Bootshaus Ende März, wo sich die Sozialistische Arbeiterjugend traf. Anfang Mai besetzen die Nationalsozialisten dann die Geschäftsräume der christlichen und der "linken" Gewerkschaften. Noch bis Mai halten sich die Treffpunkt des demokratisch gesinnten Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold in den Ämtern Hönningen, Puderbach, Dierdorf, Rengsdorf, Heddesdorf, Engers und Neuwied. Dann sind auch sie Geschichte. Wenige Monate haben ausgereicht, um demokratische Parteien und Gewerkschaften auszuschalten und den politischen Alleinvertretungsanspruch der NSDAP sowie ihrer Hilfs- und Nebenorganisationen praktisch durchzusetzen", schreibt Wolfgang Dietz.

Bis zum Sommer 1936 kann sich noch der wegen des Deichbaus populäre Robert Krups auf dem Amtssessel des Neuwieder Bürgermeisters halten, dann setzen die Nazis auch ihn ab. Zuvor hatten ihm die Nazis bereits willfährige Beigeordnete zur Seite gestellt und zudem Krups unmittelbar dem Landrat unterstellt. Repperts Bemühungen, Krups rasch auf Eis zu legen, sind jedoch nicht sofort von Erfolg gekrönt. Bis zur Zwangsbeurlaubung am 4. Februar vergehen immerhin fast drei Jahre.

Krups' Nachfolge übernimmt zunächst kommissarisch der Erste Beigeordnete Frantzen, bevor am 1. August Paul Haupt, zuvor Amtsbürgermeister in Winningen und Kreisleiter der NSDAP Koblenz-Land, das höchste Amt in der Deichstadt übernimmt. Er bleibt bis zu seiner Verhaftung durch die US-Amerikaner am 28. März 1945 im Amt.

Neuwied Linz
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