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Birkenfeld

Zwischenstation in Birkenfeld? Ja zum Jakobsweg fällt im Rat einstimmig aus

Beim Bemühen um die Wiederbelebung des wohl berühmtesten Pilgerwegs im Mittelalter soll auch die Kreisstadt in die Streckenführung eingebunden werden, was am Dienstagabend nach der Vorstellung dieser Idee im Stadtrat auf einstimmigen Zuspruch stieß. Auf bereits existierenden Routen soll im Naheland ein historisch möglichst authentisches Teilstück des Jakobswegs, auch als Camino bekannt, zwischen Mainz und Tholey im Saarland ausgewiesen werden. Birkenfeld, wo es passenderweise eine dem heiligen Jakobus geweihte katholische Kirche gibt, könnte dabei eine Zwischenstation sein.

Der Weg vom angeblichen Grab des Apostels im nordspanischen Santiago de Compostela ist seit mehr als 1000 Jahren Ziel von Menschen. „Erst in den Pyrenäen wird er zu einem singulären Weg zusammengeführt. Bis dorthin bestand aber ein Routennetz, das sich über ganz Europa spannte“, erläuterten Ruth und Ullrich Eckhoff den Stadtratsmitgliedern. Das Ehepaar aus Sien ist bei der Jakobsgesellschaft Rheinland-Pfalz engagiert. Diese hat sich die Rekonstruktion und Reaktivierung der Wege zum Ziel gesetzt, die einst die Reisenden im Mittelalter nutzten. „Denn Pilgern hat heutzutage eine Renaissance erlebt“, wie die Eckhoffs betonten.

Im Bundesland gibt es inzwischen sowohl im Norden als auch im Süden bereits einige Routen, etwa den „Eifel-Camino“ oder auch eine durch die Pfalz führende Route, bei denen die zum Beispiel an Bäumen genagelte oder hängende Plakette mit der gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund den Pilgern die Richtung zeigt. „Was jedoch noch fehlt, ist ein Weg in der Mitte, also ein Nahe-Camino. Diese letzte Lücke in Rheinland-Pfalz wollen wir mit unserer Gesellschaft schließen“, sagten die Eckhoffs.

Der historische Weg, den die Pilger einst nahmen, ist dabei ziemlich sicher verbürgt, und „der Gewährsmann dafür ist ein Birkenfelder“, betonte das Ehepaar. Denn der ehemalige Gymnasiallehrer Heinrich Baldes, nach ihm ist auch eine Straße in der Stadt benannt, hat in seiner bereits 1923 veröffentlichten „Geschichtlichen Heimatkunde der Birkenfelder Landschaft“, eine Abhandlung mit Standardwerkcharakter, das Wegenetz dargestellt, das schon seit vorrömischer Zeit und bis weit ins Mittelalter hinein die Region überzog. Der Bedeutsamste unter ihnen war auch als Handelsverbindung eine Strecke, die von Mainz über Bingen und Bad Kreuznach zum Kloster Disibodenberg und dann weiter über Sien und Breungenborn weiter nach Wolfersweiler und Tholey mit seinem alten Benediktinerkloster führte, von wo er sich bis nach Metz fortsetzte. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben auch die Jakobspilger diesen Weg früher genutzt“, sind die Eckhoffs überzeugt.

Der Wiederausweisung der möglichst historisch authentischen Strecke auf vorhandenen Pfaden steht heutzutage jedoch ein großes Hindernis im Weg: der Truppenübungsplatz in Baumholder. Das militärische Sperrgebiet muss weiträumig umgangen werden, weshalb die Jakobsgesellschaft eine „salomonische Lösung“ (Ullrich Eckhoff) anstrebt und ihr eine nördliche Nahe-Route und eine südliche Glan-Route vorschwebt. Sie soll sich am Kloster Disibodenberg nahe Bad Sobernheim gabeln und in Tholey wieder zusammentreffen.

Die Eckhoffs haben in den vergangenen Monaten die Pläne der Jakobsgesellschaft bereits in mehreren Orten entlang der nördlichen Ausweichstrecke vorgestellt und haben darauf nach eigener Aussage allgemein ein positives Echo erhalten. Das war auch im Birkenfelder Rat der Fall. Per Beschluss stimmte das Gremium grundsätzlich zu, dass dieses Vorhaben auch auf Birkenfelder Gemarkung verwirklicht werden kann. Über die Annahme eines Vertragsentwurfs mit der Jakobsgesellschaft, der zum Beispiel die Frage der Verkehrssicherungspflicht regelt, soll aber erst in einer der nächsten Sitzungen entschieden werden. Das hatte Klaus Lukas (SPD) angeregt, der aber grundsätzlich von einer „interessanten Idee“ sprach, was Michael Reischl (FDP) mit der Bemerkung „Ich finde sie toll“ sogar toppte. Bis zum nächsten Treffen, in dem das Thema behandelt wird, will man sich im Rat auch auf die genaue Wegführung auf Birkenfelder Gebiet verständigen. Die kürzeste Strecke des aus Richtung Rimsberg kommenden Wegs würde auf Burg Birkenfeld stoßen, von wo es über den sogenannten Zick-Zack-Pfad hinunter zum Radweg auf der alten Bahntrasse geht. Er endet bekanntlich in Neubrücke, wo ein direkter Anschluss ans schon ausgewiesenen Jakobswegnetz im Saarland besteht.

In diesem Fall würden die Pilger aber gar nicht in die Stadt selbst mit ihrer Gastronomie und Unterkunftsmöglichkeiten kommen. „Mir schwebt aber schon vor, dass wir sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche in die Wegführung einbinden und die Wanderer über Kirchplatz und Achtstraße führen“, betonte Bürgermeister Miroslaw Kowalski. Insofern würden die Pilger von Burg Birkenfeld aus in einer Schleife durch die Innenstadt und von dort aus auf den Radweg in Richtung Neubrücke gelotst.

In dieser Frage würde man sich ganz nach dem Wunsch des Stadtrats richten, betonten die Eckhoffs, aus deren Sicht es aber ebenfalls gute Gründe gibt, den Weg direkt nach Birkenfeld hinein auszuschildern. Zum einen liegen zwischen Idar-Oberstein und Birkenfeld etwa 25 Kilometer. „Das ist für einen Tagesmarsch eine sehr günstige Entfernung“, betonte Ullrich Eckhoff, sodass die Wanderer am Ende der Etappe in der Stadt eine Herberge suchen könnten. Zum anderen sei die Jakobuskirche geradezu prädestiniert dafür, dort einen Zwischenstopp zu machen. „Man könnte dort gegebenenfalls auch einen Stempel hinterlegen. Damit können Pilger ihre Aufenthaltsorte auf dem Jakobsweg nachweisen, und viele von ihnen sind ganz heiß auf dieses Andenken und sammeln in ihrem Pilgerpass diese Stempel“, betonte Ullrich Eckhoff.

Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Idar-Oberstein Birkenfeld
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