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Kreis Birkenfeld

Schwule dürfen Knochenmark spenden: Morsch-Stiftung lobt Änderung

Schwule durften bislang weder Blut noch Knochenmark spenden. Sie zählen zu den sogenannten "Risikogruppen". Mit Beginn des Jahres 2015 wurde nun aber ein wichtiger Passus aus den deutschen Standards für die nicht verwandte Blutstammzellspende geändert – allerdings eher unbemerkt.

Stammzellspenden können Leben retten.
Stammzellspenden können Leben retten.

Von unserer Redakteurin Vera Müller

Das Medieninteresse hält sich in Grenzen, wie Homosexuellen-Verbände kritisieren. Bislang wurde bei der Aufnahme der Spender explizit abgefragt, ob der Spender homosexuell sei. Diese Frage fällt nun weg. Der Vorstand der Birkenfelder Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei, begrüßt diese Änderung sehr. "Bei der Stammzellspende geht es darum, einem todkranken Menschen Hoffnung auf Leben zu schenken. Stammzellspender tun dies freiwillig und unentgeltlich. Wir haben es stets missbilligt, Menschen danach einzuordnen, ob sie mit einem Menschen gleichen Geschlechts Sex haben oder nicht. Daher freuen wir uns, dass diese diskriminierende Formulierung nun vom Tisch ist", heißt es vonseiten der Stiftung.

Auf gesetzlicher Basis

Die deutschen Standards für die nicht verwandte Blutstammzellspende wurden auf Basis der gesetzlichen Grundlagen erarbeitet. Diese Arbeitsgruppe setzt sich aus Vertretern des Zentralen Knochenmarkspender-Registers (ZKRD) – darunter auch der Stefan-Morsch-Stiftung – der Sucheinheiten, Nabelschnurblutbanken und Entnahmeeinheiten zusammen. Die Standards beziehen sich auf die wesentlichen Bereiche der Gewinnung und Betreuung von nicht verwandten Blutstammzellspendern, der Vermittlung und Bereitstellung der entsprechenden therapeutischen Präparate sowie auf die an diesem Prozess beteiligten Organisationen. Diese Standards sollen ein hohes Maß an Qualität, Sicherheit und eine einheitliche Vorgehensweise bei der Spendergewinnung, Testung, Suche, Spende und beim Transport von Blutstammzellen-Präparaten gewährleisten. Dies dient sowohl der Wahrung der Interessen aller Spender und Patienten als auch der Schaffung einer besseren Transparenz für alle beteiligten Organisationen im In- und Ausland. Die ZKRD-Standards sind bindende Mindestanforderungen, die von den einzelnen Organisationen durchaus strenger gefasst werden können.

Frage der Abwägung

In der Praxis ändere sich durch die Passus-Änderung wenig, betont die Stiftung. In ihrem Bereich sei kein Fall bekannt, in dem ein Spender abgelehnt wurde, weil er homosexuell sei. Wie lässt sich das interpretieren? Wenn es um Leben und Tod geht, spielt ein aktueller HIV-Test eher eine untergeordnete Rolle. Es gibt womöglich ein höheres Gut mit Blick auf den Patienten, der zum Überleben schnell eine Spende braucht. Letztlich entscheidet der transplantierende Arzt, ob er den Spender zulässt. Er entscheidet, ob er die Stammzellen von Schwulen, Prostituierten oder Häftlingen nimmt, wenn es keinen anderen oder schlechter passende Spender gibt. Allerdings: Die Ärzte müssen ihr Vorgehen in einer "Declaration of Urgent Medical Need" begründen und den Patienten zudem darüber informieren, dass der Spender zu einer "Risikogruppe" gehört. Diese Fälle dürften sich nun häufen.

Das Vorgehen ist in allen Fällen gleich, wie die Stefan-Morsch-Stiftung erklärt: Es wird geschaut, welcher Spender passen könnte. Danach geht es darum festzustellen, ob ein aktueller, nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen erfasster Typisierungsstand vorliegt. Sollten Daten fehlen, wird eine neue Blutprobe beim potenziellen Spender entnommen. Weitere Untersuchungen folgen: Der mögliche Spender wird auf Herz und Nieren getestet. Nur kerngesunde Spender werden zugelassen.

Nach einem intensiven Aufklärungsgespräch kommt es dann zur Spende, sofern die Bereitschaft vonseiten des Spenders besteht. Diese kann jederzeit zurückgenommen werden. Ausschlusskriterien sind schwere aktuelle oder zurückliegende Krankheiten beim Spender.

Passt also ein schwuler Mann als Spender, wurde er auch in der Vergangenheit schon zugelassen. Homosexuelle Frauen waren im Übrigen noch nie von dem nun gestrichenen Passus betroffen, wenngleich es unter Experten immer mal wieder Strömungen gab, sie ebenfalls von Spenderdateien auszuschließen.

Idar-Oberstein Birkenfeld
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