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Fischbach/Neubrandenburg

Sarah H.: Anwalt rechnet nicht mit schnellem Urteil – Ex-Freundin des Angeklagten meldet sich

Ihr fehlen die Worte, und es macht sie sprachlos, wenn sie liest und hört, was ihr Ex-Freund offenbar getan hat. „Die arme Sarah. Hätte das auch mir passieren können? Ich bin auch so ein Mobbingopfer gewesen, von Kindesbeinen an.“ Eine Frau meldete sich dieser Tage bei unserer Zeitung und gab an, dass sie einige Jahre mit Axel G., der sich vor dem Neubrandenburger Landgericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten muss, zusammen war.

Der 51-jährige Axel G., mit dem Sarah zusammenlebte, steht in Neubrandenburg vor Gericht. Neben ihm Verteidiger Henning Köhler (rechts). Foto: crimespot.de/Felix Gadewolz
Der 51-jährige Axel G., mit dem Sarah zusammenlebte, steht in Neubrandenburg vor Gericht. Neben ihm Verteidiger Henning Köhler (rechts).
Foto: crimespot.de/Felix Gadewolz

Damals war der Angeklagte in den Zwanzigern, der Kontakt sei nie ganz abgerissen. Sie habe ihn durchaus als kreativ, sensibel und fleißig erlebt. Als eigensinnig allerdings auch. Er habe sich hochgearbeitet, die Beziehung zur Mutter sei wohl schwierig gewesen. Sie fragt sich: Hat er Frauen gehasst? Welche Hirnwäsche hat er hinter sich, dass er Sarah zu Tode gepeitscht und vorher so gequält hat? Welche Drogen waren im Spiel? Gewalttätig sei er ihr gegenüber nicht gewesen, seine Sexualität habe er indes schon in jungen Jahren recht exzessiv ausgelebt. Noch am 19. Juli 2016, Axels Geburtstag, habe sie mit ihm telefoniert. Da war Sarah mit Sicherheit schon tot. Es sei einfach schrecklich, sie habe ihn damals schon als sehr aggressiv und seltsam empfunden: „Ich habe aber nicht geahnt, was sich da abgespielt hat. Er hat immer nur von sich geredet. Manchmal habe ich Sarah bei unseren Telefonaten im Hintergrund gehört. Mit mir reden wollte sie aber offenbar nie.“

Mit großem Interesse verfolgt sie den Prozess gegen den heute 52-Jährigen. Am Mittwoch, 1. März, steht die Fortsetzung an, auf die sich Damian Hötger vorbereitet. Der Idar-Obersteiner Anwalt vertrat Sarah H. in Zusammenarbeit mit unserer Zeitung bereits 2011 im Kampf gegen Sat.1 und die Sendung „Schwer verliebt“, an der die Fischbacherin teilgenommen hatte. Hötger betont: „Ich gehe nicht unbedingt davon aus, dass es am 1. März bereits ein Urteil gibt. Ich werde mehrere Anträge einreichen: Wie war das damals im Frauenhaus? Warum suchte Sarah dort Schutz? Wie lief der Auftritt des Angeklagten am Idar-Obersteiner Amtsgericht im Dezember 2015 genau ab? Was hat es damit auf sich, dass der Angeklagte wohl Benzin in den Keller geleitet und gedroht hatte, das Haus anzuzünden, nachdem ihn seine damalige Ehefrau verlassen hatte? Es sind einige Fragen offen. Mir ist es wichtig, ein umfassendes Gesamtbild zu erhalten, die Puzzleteile zusammenzusetzen.“

In diesem Spiegel-TV-Beitrag kommt auch Nahe-Zeitung-Redakteurin – eine besondere Kennerin im "Fall Sarah H." – zu Wort. <br /><a href="http://www.spiegel.tv/filme/der-kriminalfall-sarah-heinrich/" target="_blank">LINK zum VIDEO</a>: www.spiegel.tv/filme/der-kriminalfall-sarah-heinrich/
In diesem Spiegel-TV-Beitrag kommt auch Nahe-Zeitung-Redakteurin – eine besondere Kennerin im "Fall Sarah H." – zu Wort.
LINK zum VIDEO: www.spiegel.tv/filme/der-kriminalfall-sarah-heinrich/
Foto: Screenshot Spiegel-TV

Zwischen drei und 15 Jahren könnte das Strafmaß liegen: Sofern Axel G. als schuldfähig gilt, spielt beim Urteil eine Rolle, wie kalkuliert und kontrolliert er agiert hat und ob er zum Beispiel selbst erkannte, dass er psychisch äußerst problematische Phasen hatte. „Aber er schweigt. Deshalb drängt sich die Frage auf, mit wem wir es hier eigentlich zu tun haben.“ Auch dass der Angeklagte keine Hilfe geholt hat, als er merkte, Sarah geht es sehr schlecht, sei zu thematisieren. „Und wie kam Sarah eigentlich zu dem Bett, an das er sie gefesselt und dann gepeitscht hat? Freiwillig? Oder mit Gewalt?“

Am 1. März sollen zwei weitere Zeugen und die Notfallärztin, die an den Tatort in Alt Rehse gerufen worden war, vor Gericht aussagen. Eine Rolle spielen dabei Beruhigungsspritzen, die Axel G. am 9. August, als Polizisten die stark verweste Leiche der jungen Frau im Bad fanden, verabreicht wurden. Wirkten diese bei seiner Vernehmung am 10. August nach? War er vernehmungsfähig? Diese Fragen werden erörtert.

Von unserer Redakteurin Vera Müller

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