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Birkenfeld

Platznot in Birkenfelder Kitas: VG verändert Einzugsgebiete

Axel Munsteiner

Die Verbandsgemeinde reagiert auf den zunehmenden Mangel an freien Betreuungsplätzen, der vor allem in den Kindergärten der Stadt Birkenfeld herrscht. Um diese Situation zumindest zu verbessern, hat der VG-Rat in seiner Sitzung am Montagabend einstimmig einen im März noch vertagten Beschluss gefasst, der die Neuordnung der Einzugsbereiche für die Kitas im gesamten Verbandsgemeindegebiet vorsieht. Zudem soll zumindest geprüft werden, ob in Birkenfeld in naher Zukunft der Neubau eines weiteren zwei- bis dreigruppigen Kindergartens nötig ist.

Foto: picture alliance

„Sie können mir glauben, dass ich nicht scharf darauf war, dass wir uns diesem Thema, das sehr komplex ist, annehmen müssen. Denn ich weiß, dass diese Entscheidung manchen Eltern nicht gefallen wird und zum Beispiel auch für die Erzieherinnen eine Umstellung bedeutet. Die Aufgabe der Verwaltung ist es aber, die Lage so gut wie möglich darzustellen und Lösungsvorschläge zu machen“, betonte Bürgermeister Bernhard Alscher. Er fügte jedoch auch ausdrücklich hinzu: „Natürlich freuen wir uns über jedes Kind, das in der Verbandsgemeinde neu geboren wird.“ Nach Jahren rückläufiger Zahlen gibt es im Grunde genommen das Luxusproblem, dass wieder mehr Jungen und Mädchen die insgesamt elf Kitas im VG-Gebiet besuchen. Bei sieben dieser Einrichtungen ist die VG selbst Trägerin. Zudem gibt es zwei evangelische, einen katholischen und einen Waldorfkindergarten.

Amselweg schon überfüllt

Vor allem im Stadtgebiet wird es aber in den dortigen fünf Kitas immer enger. Die kommunale Einrichtung im Amselweg sei beispielsweise schon jetzt überfüllt. Dort würden derzeit mit Genehmigung des Landes mehr als zehn Kinder zusätzlich zu den regulären Plätzen betreut, und es gebe eine Warteliste mit 27 weiteren Namen, berichtete Bernhard Alscher. Es sei aktuell auch schon so, dass die Kitas in Niederbrombach und Neubrücke bereits Kinder aus Birkenfeld aufgenommen haben, für die in der Kreisstadt selbst nichts mehr frei war.

Und die Lage wird sich in Birkenfeld noch verschärfen. 204 Plätze stehen in den dortigen Kitas zum Beispiel für die Drei- bis Sechsjährigen zur Verfügung. Anhand der Geburtenzahlen lässt sich aber ausrechnen, dass im Frühjahr 2021 allein in diesem Altersbereich 255 Jungen und Mädchen betreut werden müssten. „Uns fehlen also Plätze für mehr als zwei Gruppen“, sagte Alscher. Hinzu kommt, dass in diesen Schätzungen einige Unwägbarkeiten noch gar nicht berücksichtigt werden konnten. So wird zurzeit in Birkenfeld das Baugebiet „Haesgeswiesen“ erweitert, wo sich aller Voraussicht nach auch einige Familien mit Nachwuchs im Kitaalter ansiedeln werden. Auch gesellschaftliche Trends beeinflussen die Platzprobleme. Ging man zum Beispiel früher davon aus, dass nur etwa 30 Prozent der Eltern die Aufnahme ihrer einjährigen Kinder in den Kitas wünschten, sind es nun circa 40 Prozent. Bei den Zweijährigen stieg diese Quote von 70 auf 80 Prozent.

Mit der Änderung der Einzugsbereiche sei allerdings keine „absolute Lösung möglich, sondern nur eine Verbesserung“, stellte Alscher klar. Denn selbst nach der Neuordnung werden laut Berechnung im Frühjahr 2021 bei den Drei- bis Sechsjährigen noch 27 Plätze in Birkenfeld fehlen. Insofern müsse sich die VG notgedrungen Gedanken darüber machen, den Neubau eines Kindergartens in der Stadt ins Auge zu fassen. Dafür müssen man mit Kosten zwischen 500.000 und 1 Million Euro rechnen, ergänzte der Bürgermeister.

Wichtig war ihm in diesem Zusammenhang auch der Hinweis, dass die Neuordnung nicht bedeutet, dass ein Kind aus einem umliegenden Ort wie zum Beispiel Dienstweiler, das derzeit in der Kreisstadt betreut wird, diese Einrichtung verlassen muss und in eine andere Kita wechseln muss. „Es darf natürlich in Birkenfeld bleiben“, stellte Alscher klar. Die Regelung hinsichtlich der geänderten Einzugsgebiete gilt also erst für alle Kinder, die ab 2018 neu in die Kitas gehen.

Gegen den Vorschlag der Verwaltung hatte die evangelische Kirchengemeinde Birkenfeld im Vorfeld Bedenken angemeldet. Denn die Neuregelung bedeutet, dass die Kinder aus zur Pfarrei gehörenden Orten wie Nohen künftig nicht mehr in der Kreisstadt mit den dort vorhandenen zwei evangelischen Kitas betreut werden sollen. In einem Gespräch wenige Tage vor der Sitzung habe man aber in einer laut Alscher „angenehmen Diskussion“ den Verantwortlichen der Pfarrei die Notwendigkeit der Veränderung nahegebracht.

Schultheiß: Schritt ist alternativlos

Im VG-Rat wurde es ebenfalls anerkannt, dass der vorgeschlagene Schritt erforderlich ist. Karsten Schulheiß von der SPD nannte ihn „alternativlos“. Und auch Joachim Jung von der LUB betonte: „In der Sache gibt es kein Vertun. Da liegen wir auf der Linie der Verwaltung.“ Auch von der CDU-Fraktion, die im März wegen noch vorhandenen Klärungsbedarfs beantragt hatte, die Entscheidung vorläufig zu vertagen, gab es am Montagabend keine Einwände mehr. „Unser Informationsstand ist jetzt gut“, sagte Sprecher Immanuel Hoffmann, der allerdings von Alscher wissen wollte, ob die Änderungen an den Einzugsgebieten der Kindergärten auch in Kürze dazu führen, dass die Wege für die Grundschüler in der VG neu geordnet werden. „Da sehe ich aktuell keine akute Notwendigkeit zu handeln“, verneinte der Bürgermeister diese Frage.

Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Nachwuchs aus sechs Dörfern muss sich umorientieren

Gemäß der vom Verbandsgemeinderat beschlossenen Neuordnung, die der Jugendhilfeausschuss des Kreises noch bestätigen muss, gilt für die Zukunft, dass zum Beispiel die Dienstweilerer Kinder künftig nicht mehr in Birkenfeld, sondern in Neubrücke aufgenommen werden. Auch der Nachwuchs aus den Dörfern Elchweiler, Nohen, Rimsberg und Schmißberg gehört künftig nicht mehr zum Einzugsgebiet der Birkenfelder Einrichtungen. Die Betreuung dieser Kinder soll fortan in der Kita Niederbrombach erfolgen.

Die Tagesstätte in Nierderbrombach haben bislang unter anderem auch Jungen und Mädchen aus Wilzenberg-Hußweiler besucht. Die Kinder aus dem Doppelort werden nun aber der Kita Schwollen zugeordnet.

Idar-Oberstein Birkenfeld
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