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Idar-Oberstein

Nach Körperverletzung und Hitlergruß: Mehrfach Vorbestrafter kriegt wieder Bewährung

Jörg Staiber

Es war trotz seiner gerade mal 23 Jahre ein „alter Kunde“, der da vor Einzelrichter Philipp Schneider am Amtsgericht Idar-Oberstein erschienen war. Der junge Mann hat seit seiner Jugend eine ganze Reihe von Verurteilungen aufzuweisen, bis auf wenige Ausnahmen durchweg wegen Körperverletzung und Beleidigung – und in der Regel war dabei auch immer Alkohol im Spiel. So hatte er auch eine einschlägige kürzlich verhängte viermonatige Bewährungsstrafe „im Gepäck“. Zu seinem Glück hatte die aktuell verhandelte Tat allerdings vor dem zuletzt verhängten Urteil stattgefunden, denn sonst hätte die Berufung widerrufen werden können, und der 23-Jährige wäre für einige Zeit hinter Gittern verschwunden.

Die Statue Justitia
Die Statue Justitia ist zu sehen.
Foto: Peter Steffen/Archiv – dpa

Dazu hätte es auch bei der aktuellen Verhandlung kommen können: Die von Staatsanwalt Heinrich Schneider vorgetragene Anklage warf dem Beschuldigten schwere Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung vor, außerdem soll er im Anschluss noch „Heil Hitler“ gerufen haben. Opfer war eine Frau aus dem Bekanntenkreis des Angeklagten, die auch als Nebenklägerin auftrat. Dem Vorfall, der sich im vergangenen Jahr in Birkenfeld zutrug, war eine verbale Auseinandersetzung vorausgegangen, bei der es auch um die Vaterschaft für ein inzwischen dreijähriges Kind des Beschuldigten ging, mit dessen Mutter er allerdings nicht zusammenlebt.

Zur Verhandlung war die Sache erstmalig bereits im vergangenen Jahr gekommen. Dabei war die Frage strittig geblieben, ob der Angeklagte bei seinem Angriff auf die Frau, die erhebliche Verletzungen am Kopf – unter anderem einen Kieferbruch – davongetragen hatte, einen Schraubenzieher als Waffe benutzt hatte. Dann wäre der Vorfall juristisch nicht mehr als einfache, sondern als schwere Körperverletzung zu werten gewesen und hätte eine erheblich höhere Strafe nach sich gezogen.

Zur Klärung hatte das Gericht ein medizinisches Gutachten in Auftrag gegeben. Die Gutachterin wollte aufgrund der ärztlichen Aufzeichnungen und bei der Untersuchung noch erkennbaren Verletzungsspuren zwar nicht völlig ausschließen, dass ein Schraubenzieher mit im Spiel war, hielt es aber eher für unwahrscheinlich.

Auch um allen Beteiligten einen langwierigen Prozess mit etlichen Zeugenaussagen, die vermutlich zu keinem klaren Ergebnis geführt hätten, zu ersparen, schlug Richter Schneider im Rahmen eines Rechtsgespräches zwischen den Verfahrensbeteiligten vor, bei einer zu erwartenden Bewährungsstrafe zwischen sechs und zehn Monaten alle Klagepunkte außer der Körperverletzung einzustellen. Es werde sich, so Schneider, wohl kaum klären lassen, was an diesem Tag genau vorgefallen und wer für welche Äußerungen im Zuge eines eskalierenden Streits letztlich verantwortlich zu machen sei.

Dem stimmten auch Staatsanwalt Schneider, Verteidiger Eckart Baltin und Rechtsanwalt Nikolaus Trapp zu, wobei Baltin darauf verwies, dass für seinen Mandanten vermutlich noch erhebliche Forderungen von der Krankenkasse hinzukommen werden. Trapp unterstrich, dass seine Mandantin den Fall zivilrechtlich weiterverfolgen werde, da die Verletzung erhebliche Folgeschäden nach sich gezogen habe und sie auf einem entsprechenden Schmerzensgeld bestehe. Der Bewährungshelfer des Angeklagten erklärte, dass die jüngste Entwicklung des Angeklagten Hoffnung mache, da er seit dem letzten Prozess nicht mehr straffällig geworden sei, inzwischen einer regelmäßigen Arbeit nachgehe und in einer festen Beziehung lebe.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten daraufhin zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Als Auflagen erhielt er, der Geschädigten ein Schmerzensgeld in Höhe von 1500 Euro zu bezahlen und den Alkoholkonsum im öffentlichen Raum künftig zu unterlassen. Alle Beteiligten verzichteten auf Rechtsmittel, das Urteil ist damit rechtskräftig.

Von unserem Reporter Jörg Staiber

Idar-Oberstein Birkenfeld
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