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Stipshausen

Bikepark Idarkopf soll im kommenden Jahr öffnen

Wie geht es weiter im Bikepark Idarkopf? Obwohl noch immer der Aufstellungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan durch die Ortsgemeinde Stipshausen aussteht, geht Landrat Matthias Schneider davon aus, dass die Anlage im kommenden Sommer eröffnet werden kann.

Von unserem Redaktionsleiter Stefan Conradt

Der Planungsauftrag für die Erschließung des Geländes (Wasser/Abwasser) ist von der Verbandsgemeinde zwischenzeitlich vergeben. Als nächster Schritt soll in den kommenden Wochen der Erbbaupachtvertrag mit den Eigentümern des Viergemeindewaldes – allen voran die Ortsgemeinden Rhaunen, Stipshausen, Sulzbach und Bollenbach – unterzeichnet werden. Der entsprechende Text ist laut VG-Bürgermeister Georg Dräger ausgearbeitet und mit allen Beteiligten abgestimmt.

Dass es sich bei der Idarkopfpiste tatsächlich um einen richtigen Berghang und keinen Hunsrückhügel handelt, konnten die knapp 100 Exkursionsteilnehmer feststellen, als sie sich im Schweiße ihres Angesichts die steile erste Wiese hochquälten. Die Aussicht entlohnte aber für die Mühe. Fotos: Stefan Conradt
Dass es sich bei der Idarkopfpiste tatsächlich um einen richtigen Berghang und keinen Hunsrückhügel handelt, konnten die knapp 100 Exkursionsteilnehmer feststellen, als sie sich im Schweiße ihres Angesichts die steile erste Wiese hochquälten. Die Aussicht entlohnte aber für die Mühe. Fotos: Stefan Conradt
Foto: Stefan Conradt

Anlass für den ungewöhnlichen Ortstermin am Idarkopf, zu dem der Landrat ausdrücklich die breite Öffentlichkeit eingeladen hatte, waren Diskussionen um die Quellen unterhalb des Idarkopfs und die damit verknüpfte Kritik mangender Transparenz. In einer Gemeinderatssitzung mit anschließender Bürgerversammlung war kolportiert worden, die VG Rhaunen wolle das Stipshausener Quellgebiet stilllegen, damit das Mountainbike-Projekt verwirklicht werden könne (die NZ berichtete). Vor den knapp 100 Interessierten, die am Montag zum Ortstermin kamen, räumte VG-Bürgermeister Dräger ein, dass der entsprechende VG-Ratsbeschluss „unglücklich formuliert und nicht ganz durchdacht“ gewesen sei. Es sei aber nie geplant gewesen, die Quellen zu zerstören, man brauche sie lediglich derzeit nicht für die Wasserversorgung. Die Entscheidung, sie stillzulegen, gebe es schon länger, sie habe „mit dem Projekt Bikepark gar nichts zu tun“, sondern orientiere sich einzig und allein an den Kosten für die Allgemeinheit und damit für den einzelnen Verbraucher. Bereits seit den 1970er-Jahren gehe man in Richtung Zentralisierung bei der Wasserversorgung und habe so schon zahlreiche Quellen aufgegeben.

Eberhard Stippler vom Koblenzer Wasserwirtschaftsamt, der mit seiner Chefin Sandra Weeser, der Vizepräsidentin der SGD Nord, an den Idarkopf gereist war, bestätigte, dass eine Sanierung des Quellbezirks teuer werden würd – von bis zu 250.000 Euro ist die Rede. Nicht der Bikepark bedrohe die Hubertusquelle, sondern die Natur selbst, sagte Stippler: Durch Wurzeleinwuchs seien bereits seit längerem „mikrobiologische Auffälligkeiten“ festzustellen, eine Neueinfassung sei für den Weiterbetrieb zwingend. Und da die Quellen für die Wasserversorgung nicht benötigt würden, habe man den Planungen der VG-Werke zugestimmt.

Dräger: Quelle ist nicht verloren

VG-Chef Georg Dräger legte dar, dass die beiden Quellen in der Kappelbach und die Heiliggeistquelle im Regelfall für die Versorgung der kompletten Verbandsgemeinde Rhaunen ausreichten. Für den Notfall habe man zudem vertraglich zugesicherte Kapazitäten vom Wasserzweckverband Birkenfeld – wobei Rhaunens Ortsbürgermeister Manfred Klingels unterstrich, dass es sich auch dabei um Wasser vom Idarkopf handele und nicht um Talsperrenwasser, das viele Mitbürger in der VG Rhaunen nicht wollten.

Gemeinsam mit der Vizepräsidentin der SGD Nord, Sandra Weeser, begrüßte Landrat Matthias Schneider knapp 100 interessierte Bürger, Biker und Behördenvertreter beim Ortstermin am Idarkopf.
Gemeinsam mit der Vizepräsidentin der SGD Nord, Sandra Weeser, begrüßte Landrat Matthias Schneider knapp 100 interessierte Bürger, Biker und Behördenvertreter beim Ortstermin am Idarkopf.
Foto: Stefan Conradt

Dräger schlug vor, das Quellgebiet im Zusammenhang mit dem bei Katzenloch entstehenden Wasser-Wissens-Werk für die Umweltbildung zugänglich zu machen oder sie als Brandschutzreservoir und zur Biotopbewässerung zu nutzen. Hier sei man schon in Gesprächen mit der SGD. Und: Die Stipshausener Quellen seien durch die Aufgabe für die Trinkwasserversorgung nicht verloren. „Wenn es nötig werden sollte, können wir sie jederzeit reaktivieren.“

Nicht wenige der Besucher wunderten sich, wieso diese Diskussion jetzt mitten im Wald geführt wurde und das Problem nicht schon vorher gelöst werden konnte. Hermann Sauer aus Stipshausen, selbst Mitglied im VG-Rat und im Werksausschuss, sprach vielen Mitbürgern aus der Seele: „Die Quellen und der Bikepark – das sind doch zwei ganz unterschiedliche Dinge. Die kann man doch so nicht miteinander verquicken.“

Ortsbürgermeister Frank Marx beharrt dennoch darauf, dass der Verbandsgemeinderat seinen Beschluss bezüglich der Quellaufgabe umformuliert. In Stipshausen sei es nun mal so, dass die Bürger das gewichtigste Wort hätten. Und: „Wir als Gemeinderat müssen auch an viele andere Dinge denken, die es rund um den Bikepark zu beachten gilt.“ Dass der Aufstellungsbeschluss noch immer nicht erfolgt ist, habe „gar nichts blockiert“, sagt Marx. „Mit dem Beschluss wären wir genauso weit wie jetzt.“ Auch im Viergemeindewald stünden noch Beschlüsse aus, und bei der Finanzierung gebe es auch noch zahlreiche Fragezeichen.

Keine Spur vom Haselhuhn

Nico Reuter, Chef der Entwicklerfirma Ecoparc Concepts, weilt derzeit im kanadischen Whistler, um sich die dortigen Trailparks anzuschauen. Er wurde am Idarkopf von Michael Dietz vertreten. Der Wirtschaftsförderer der Kreisverwaltung hatte zu Beginn der Exkursion am alten Wirtschaftsgebäude des Skizentrums die Planungen erläutert. Diplom-Geografin Gabriele Ditter (Erlensee) gab einen Überblick über die naturschutzfachlichen Untersuchungen. Es seien eine ganze Reihe schützenswerter Tiere – darunter der Neuntöter und die Wildkatze – gefunden worden. In allen Fällen könnten aber ortsnahe Ausgleichsflächen angelegt oder offen gehalten werden.

Nicht gefunden wurde dagegen das streng geschützte Haselhuhn, das Naturschützer immer wieder mit dem Idarkopf in Verbindung bringen. Dennoch will man die Untersuchung so vorantreiben, als ob diese Gattung anwesend wäre – um später für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.

Nachgeschlagen: Aufgabe der Quellen war schon im Januar 2016 bekannt

Wie überraschend kam der Beschluss des VG-Rats zur Aufgabe der Quellen für die Ortsgemeinde Stipshausen? Schon im Januar 2016 hatte die SGD Nord im Rahmen des Befreiungsantrags des Idarkopf-Terrains aus der Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück formuliert: „Die Verbandsgemeinde Rhaunen und die Versorgungswerke für Trinkwasser haben vor, die Nutzung der Brunnen und Quellen im Planungsgebiet aufzugeben. Es ist davon auszugehen, dass die ohnehin schon sehr geringe Belastung möglicher Brunnen und Quellen entfallen wird, da sie nicht mehr genutzt werden.

Entsprechende Beschlüsse der VG Rhaunen werden nach positivem Ausgang des Befreiungsverfahrens gefasst.“ Die Wasseraufsichtsbehörde kam damals zu dem Urteil, dass vom Bikepark „eine Grundwassergefährdung nicht zu erwarten“ sei. sc

KOMMENTAR: Die Ortsgemeinde muss sich endlich bewegen

Für Außenstehende. vor allem für jene, die eine Eröffnung des Bikeparks herbeisehnen – ist es kaum noch nachvollziehbar: Seit fast vier Jahren wird das Projekt diskutiert, es wurde bereits viel Energie, Hirnschmalz und auch Geld investiert – doch noch immer ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Die Ortsgemeinde Stipshausen spielt dabei eine unrühmliche Rolle.

Obwohl kaum ein Bürger gegen das Projekt ist, findet Ortsbürgermeister Frank Marx immer neue Problemfelder, die aus seiner Sicht noch geklärt werden müssen, bevor man den Bebauungsplan ändert. Das macht die ohnehin schwerfällige Genehmigungsprozedur nicht einfacher – und die Suche nach potenziellen Sponsoren schon gar nicht. Und die, die da sind, verlieren langsam die Lust beim langen Warten.

Die Gefahr, dass Investoren abwandern zu anderen, ähnlichen Projekten – die Konkurrenz schläft nicht –, ist groß. Wenn denn irgendwann alle strittigen Punkte geklärt sind, hat der Ortsbürgermeister noch immer Bedenken wegen der ungeklärten Finanzierung – ein Totschlagargument. Keine Frage: Stipshausen hat schlechte Erfahrungen mit dem gescheiterten Skihallenprojekt gemacht. Dennoch: Wie soll der Entwickler Investoren für ein Projekt finden, wenn er auf eine der ersten Fragen nach dem Planungsstand sagen muss: „Einen Aufstellungsbeschluss gibt es noch nicht...“

Der Gemeinderat muss sich jetzt bewegen, sonst ist das ehrgeizige Projekt zu Ende, bevor es überhaupt begonnen wurde. Und das wäre tragisch: Eine solche Chance werden Stipshausen, die strukturschwache VG Rhaunen und die ganze Nationalparkregion so schnell nicht mehr bekommen.

Idar-Oberstein Birkenfeld
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