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    Kefersheim

    Kefersheim ist nie ganz vergessen

    Die Tränen der Großmutter hat sie noch ganz genau vor Augen. Und die große Trauer, als ihr Heimatdorf von den Nazis geräumt wurde. Ein Truppenübungsplatz sollte gebaut werden. Die ältere Frau konnte sich von ihrem Zuhause nicht trennen. „So etwas vergisst man nicht“, sagt Gertrud Wald nachdenklich. Sie wurde 1924 in Kefersheim geboren.

    In der Ortsmitte von Kefersheim studierten unter anderem Johann Albrecht, Johann Höhn, Friedrich Gemmel und Lena Nau die Bekanntmachungstafel. Links stand das Anwesen von Friedrich Sauer, rechts ist der Schuppen von Peter Neu zu erkennen. 
    In der Ortsmitte von Kefersheim studierten unter anderem Johann Albrecht, Johann Höhn, Friedrich Gemmel und Lena Nau die Bekanntmachungstafel. Links stand das Anwesen von Friedrich Sauer, rechts ist der Schuppen von Peter Neu zu erkennen. 
    Foto: Dr. Wilhelm Burger

    Sie selbst hat das Ende des Dorfes nicht als Einwohnerin miterlebt, erzählt die 93-Jährige, die mittlerweile in Hoppstädten-Weiersbach wohnt. „Mein Vater hat schon 1928 das Haus der Schwiegereltern in Mittelbollenbach übernommen“, berichtet sie. „Deshalb sind wir früher aus Kefersheim weg.“ Im heutigen Idar-Obersteiner Stadtteil betrieb ihr Vater später eine Autowerkstatt mit Tankstelle. So lange, bis der Truppenübungsplatz eröffnet wurde. „Nachher war die Hauptzufahrtsstraße gesperrt, da ging das Geschäft nicht mehr.“

    "Verschwundene Dörfer"

    1937/38 mussten Aulenbach, Ausweiler, Breungenborn, Ehlenbach, Erzweiler, Frohnhausen, Grünbach, Ilgesheim, Kefersheim, Mambächel, Oberjeckenbach, Ronnenberg und Wieselbach einem Truppenübungsplatz weichen - so hatten es die Nationalsozialisten beschlossen. Viele Familien verloren ihre Heimat,  intakte Gemeinschaften wurden auseinandergerissen. Die Nahe-Zeitung will versuchen, in dieser Serie die Geschichten hinter den Fakten zu erzählen. Dazu werden Zeitzeugen und Nachfahren von Zeitzeugen befragt. 

    Hier: Kefersheim

    Auch wenn Gertrud Wald schon als Vierjährige Kefersheim verlassen hat, ist sie dem Dorf immer eng verbunden geblieben – auch, weil ihre Großmutter weiterhin dort wohnte. „Ich weiß noch, dass es mir dort immer gut gefallen hat“, sagt sie. „Nicht selten bin ich ausgebüxt und einfach mit dem Fahrrad hochgefahren.“ Bei diesen Worten lacht die 93-Jährige herzlich. Auch von so manchem Abenteuer weiß sie zu berichten. „Einmal, als ich zu Besuch in Kefersheim war, sind wir Kinder nach Ehlenbach spaziert, um einer Sage auf den Grund zu gehen“, erzählt sie mit geheimnisvollem Unterton. „Dort sollte das Grab eines berüchtigten Schützen stehen. Am Ende haben wir beinahe den Heimweg nicht mehr gefunden.“ Und wieder muss sie lachen. Oft habe sie samstagmittags die Kühe gehütet oder in den Feldern gespielt.

    Sie erinnert sich noch an den Lebensmittelhandel, den es im Ort gab, und an die Bäckerei. Auch an die kleine Kapelle, die die Nachkriegszeit überstanden hat und heute noch steht. Von den einfachen, bäuerlichen Verhältnissen berichtet sie, die man als Kind aber nicht als störend empfand. „Wenn mal jemand krank war, hat man selbst rumgedoktert“, sagt Gertrud Wald. „Die meisten waren nicht versichert. Man hat dann Tee getrunken und gewartet, bis es besser wird.“

    Schließlich kam der Tag, an dem das Dorf auf Geheiß der Nationalsozialisten geräumt werden musste. Die Großmutter konnte sich ein Leben ohne ihre Heimat nicht vorstellen – doch es half nichts. Sie zog schließlich zusammen mit ihrer Tochter in die Pfalz, nach Bruchmühlbach, nicht weit von Landstuhl entfernt. „Ich wusste, wie sie fühlt. Später war sie dann getröstet, weil die Situation im neuen Zuhause eine bessere war“, erklärt Gertrud Wald. Ein ganz besonderes Treffen der Ehemaligen ist der 93-Jährigen im Gedächtnis geblieben. „Im Jahr 1983 gab es eine Zusammenkunft aller Dörfer“, sagt sie. „Aber da wurden zu viele Reden geschwungen, das gefiel den Leuten nicht. Sie wollten ihre eigenen, kleinen Treffen.“

    Nachdem Gertrud Wald in Mittelbollenbach erst die Volksschule, dann die Handelsschule besucht und eine Anstellung bei der Firma Julius Maurer gefunden hatte, lernte sie ihren künftigen Ehemann kennen. Er war Lehrer in Hoppstädten – so landete sie dort, wo sie noch heute wohnt. Sie lebt mittlerweile allein in dem großen Haus, aber der Sohn ihrer verstorbenen Schwester ist nur ein paar Meter weiter die Straße hinunter gezogen. Ihren Alltag kann Gertrud Wald noch gut bewältigen, vor allem ihr Garten bereitet ihr große Freude. „Ich bin gerade dabei, Gurken einzumachen“, sagt sie fröhlich. „Es ist einfach schön, wenn man etwas wachsen sieht.“

    Von unserem Redakteur Peter Bleyer

    Fakten zu Kefersheim

    Das Dorf wird erstmals im Jahr 992 erwähnt, als Kaiser Otto III. dem Albanskloster zu Mainz zwischen Kefersheims und Wieselbach ein Stück Land vermachte.

    Der Ortsname lässt jedoch vermuten, dass die Gemeinde bereits zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert entstand. Denn damals wurden mit Einwanderung der Franken viele Ort mit den Suffixen „ingen“ und „heim“ gegründet.

    Der Dorfname gibt möglicherweise auch Aufschluss über den ersten Siedler, der vielleicht Kubero geheißen haben mag – Heim des Kubero – Kefersheim.

    Der Ort gehörte im Laufe seiner Geschichte unter anderem den Herren von Flersheim, den Wild- und Rheingrafen und wurde schließlich 1834 als Teil des Kreises St. Wendel sogar preußisch.

    Ein besonderer Teil des Ortes war der Wickenhof, der in manchen Zeugnissen sogar als eigenständige Gemeinde bezeichnet wird. Bis in das Jahr der Umsiedlung wuchs die Einwohnerzahl in Kefersheim auf 210, die auf dem Wickenhof auf 28 an.

    Beide Gemarkungen fielen mit 319 beziehungsweise 154 Hektar in den Truppenübungsplatz.

    NZ-SERIE Verschwundene Dörfer
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