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    Frohnhausen

    Die Frohnhausener Rose blüht noch

    Elfriede Pauli, die 1928 unter dem Namen Brill geboren wurde, erinnert sich sehr gut daran, als sie als kleines, achtjähriges Mädchen im Herbst des Jahres 1936 zusammen mit den Kindern aus der Nachbarschaft in einer Gemüsegrube vor ihrem Haus spielte. Plötzlich stand ein Fotograf vor ihnen, der gern die Kinder auf einem seiner Bilder haben wollte. Sie konnten es kaum glauben, dass sich ein Fotograf in das kleine Frohnhausen verirrt hatte.

    Mit verschränkten Armen stand sie da, als ob sie sich gegen die Umsiedlung wehren wollte. In Wahrheit ahnten Elfriede Pauli und ihre vier Freunde im Hintergrund zu diesem Zeitpunkt noch nichts.  Fotos: Dr. Wilhelm Burger
    Mit verschränkten Armen stand sie da, als ob sie sich gegen die Umsiedlung wehren wollte. In Wahrheit ahnten Elfriede Pauli und ihre vier Freunde im Hintergrund zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Fotos: Dr. Wilhelm Burger

    Und so ließen sich die fünf nicht lange bitten: Vier setzten sich auf einen Baumstamm, der vor dem Gasthaus „Zum Deutschen Reich“ lag. Elfriede Pauli stellte sich in den Vordergrund. Das Foto entstand gegenüber dem Haus Heinrich Schmitt und ihrem Elternhaus. Erst einige Monate später, als die Gerüchteküche um eine Zwangsumsiedlung einiger Dörfer heftig brodelte und schließlich bittere Wahrheit wurde, erkannte die Familie Brill, warum der Fotograf sich in Frohnhausen seinerzeit aufgehalten hatte. Genau dieses Bild war auch in der Chronik abgedruckt, die jeder bekam, der seine Heimat verlassen musste.

    "Verschwundene Dörfer"

    1937/38 mussten Aulenbach, Ausweiler, Breungenborn, Ehlenbach, Erzweiler, Frohnhausen, Grünbach, Ilgesheim, Kefersheim, Mambächel, Oberjeckenbach, Ronnenberg und Wieselbach einem Truppenübungsplatz weichen - so hatten es die Nationalsozialisten beschlossen. Viele Familien verloren ihre Heimat,  intakte Gemeinschaften wurden auseinandergerissen. Die Nahe-Zeitung will versuchen, in dieser Serie die Geschichten hinter den Fakten zu erzählen. Dazu werden Zeitzeugen und Nachfahren von Zeitzeugen befragt. 

    Hier: Frohnhausen

    Die 1938 zehnjährige Elfriede musste mit ihren Eltern Wilhelm und Emma Brill, geborene Bayer, und ihren älteren Geschwistern Helmut und Martha Frohnhausen verlassen. Auch der im Haushalt lebenden Mutter von Wilhelm Brill, Katharina Brill, blieb keine andere Wahl, als sich einen neuen Platz zu suchen. Da sie nur einen Arm hatte und altersbedingt so schwach war, dass sie nicht allein gehen konnte, wurde sie in einem Krankenwagen von Frohnhausen nach Siesbach transportiert.

    Fahrradtour zum neuen Wohnort - und traurige Heimkehr

    Siesbach sollte die neue Heimat der Brills werden, da sie dort die Möglichkeit hatten, ein Haus zu erwerben. Als sich das Dorf immer mehr als neue Heimat herauskristallisierte, fuhren die drei Geschwister Martha, Helmut und Elfriede mehrfach mit dem Fahrrad nach Siesbach, um sich das neue Haus und die Umgebung der neuen Heimat genau anzuschauen. Obwohl sie noch Kinder waren, entfachte der Gedanke, die geliebte Heimat verlassen zu müssen, tiefe Traurigkeit in ihnen. Ganz besonders, wenn sie von ihrer Radtour zurück nach Frohnhausen kamen.

    Dass sich auch die Eltern von Emma Brill, Jacob Bayer senior und Dorothea Bayer, mit ihren Söhnen Jacob Bayer und Otto Bayer sowie dessen Frau Hedwig ebenfalls nach ihrer Vertreibung aus Ehlenbach ein Haus in Siesbach kaufen konnten, war ein weiterer Punkt, der für Siesbach sprach. Der dritte Grund war die Tatsache, dass sich neben den Brills weitere ehemalige Frohnhausener dort niedergelassen hatten. Elf Jahre lebte Elfriede Pauli noch im neuen Elternhaus, bis sie als 21-Jährige nach Heupweiler zog. Dort wohnte sie ein Jahr lang, heiratete ihren Mann Herbert und zog nach Birkenfeld, wo sie heute zusammen mit ihrer Tochter Jutta und deren Ehemann noch lebt.

    Im Elternhaus blieb Martha Brill bis zu ihrem Tod im Jahr 2010 wohnen. Noch heute lebt ihr Sohn, Roland Dasch, mit seiner Familie in dem Haus, das sein Opa vor 79 Jahren kaufte. Die Tochter, Brigitte Kiy, lebt ebenfalls in Siesbach. Sie erinnert sich gut daran, dass sie Anfang der 50er-Jahre zusammen mit ihren Großeltern bei einem Frohnhausener Treffen die Möglichkeit nutzte, die alte Heimat zu besuchen. Sie alle waren damals ganz erstaunt, dass noch recht viele Häuser vorzufinden waren. Die Schmiede ihres Opas, der als Dorfschmied mehrere Gesellen und Lehrlinge beschäftigt hatte, war schon ziemlich zerfallen. Doch das Wohnhaus konnten die drei noch besichtigen.

    Immer irgendwie beschäftigt waren die Frohnhausener Bürger. Wie in der damaligen Zeit üblich gab es im Dorf für die Bewohner viel Arbeit.
    Immer irgendwie beschäftigt waren die Frohnhausener Bürger. Wie in der damaligen Zeit üblich gab es im Dorf für die Bewohner viel Arbeit.

    Nach vielen Jahren noch einmal im alten Haus - die Oma weinte bitterlich

    Sie erinnert sich auch daran, wie ihre Oma Emma den Kopf an die Wand der weißblauen Fliesen hielt und bitterlich zu weinen begann. Unvergesslich ist die Geschichte, die Brigitte Kiy von ihrer Mutter Martha immer wieder erzählt bekam und auch heute immer wieder gern weitererzählt. Die damals 18-jährige Martha saß schon im voll bepackten Möbelwagen, als sie plötzlich wieder den Wagen verließ und in den Garten rannte. Im Garten grub sie in Windeseile ihre Lieblingsrose aus und nahm diese mit nach Siesbach. Dort angekommen, ging der erste Weg in den Garten, um der Rose einen geeigneten Platz und somit eine neue Heimat zu schenken.

    Wie widerstandsfähig die Frohnhausener Rose war, zeigt die Tatsache, dass dieser Rosenstock am Hause Dasch noch heute jedes Jahr in voller Pracht erblüht. Und nicht nur das. Martha Dasch verteilte viele Ableger ihrer Lieblingsrose an Verwandte, Bekannte und Nachbarn. Immer mit dem Spruch: „Die Rose soll dich stets an mich und an Frohnhausen erinnern.“ Das ist ihr eindrucksvoll gelungen. Brigitte Kiy, die selbstverständlich auch einen Rosenableger ihr Eigen nennen darf, ist sich sicher, dass ihre Mutter mit dem Anblick der Rosen ihr Heimweh etwas gestillt hat.

    Von unserem Mitarbeiter Gerhard Müller

    Fakten zu Frohnhausen

    Die Gemeinde Frohnhausen kam am Anfang des 12. Jahrhunderts zur Grafschaft Veldenz, ehe sie 1444 unter die Herrschaft des Herzogs von Zweibrücken fiel. Damit war der Blick des Dorfes jahrhundertelang zur Pfalz hingewendet, das Land an der Nahe wiederum war ihm bis zu einem gewissen Grad verschlossen.

    Der Dreißigjährige Krieg, der überall auf deutschem Gebiet und darüber hinaus entsetzliches Elend verbreitete, traf Frohnhausen besonders schwer: Die Häuser brannten alle ab, der Ort blieb bis ins Jahr 1698 verlassen. Mit der Zeit erholte sich die Gemeinde aber wieder und wuchs zu bescheidenem Wohlstand heran. In der Mitte des 18. Jahrhunderts machte sich Frohnhausen, das kirchlich immer mit der Stadt Baumholder verbunden war, auf schulischem Gebiet selbstständig. Die Bewohner des Dorfes lebten durch die Jahrhunderte fast ausnahmslos von dem, was auf heimischer Scholle wuchs – besonderen Ruhm erlangte die Frohnhausener Braugerste. Bevor der Ort 1938 in den Truppenübungsplatz eingegliedert wurde, hatte er 188 Einwohner und eine Gemarkungsgröße von rund 556 Hektar.

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