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Ediger-Eller

WM-Studio in Ediger-Eller: In der letzten Sekunde bricht der Jubel aus

Ulrike Platten-Wirtz

Wo normalerweise Autos parken, hängen plötzlich Deutschlandfähnchen, Fußbälle aus Styropor und WM-Hüte an den Wänden. Monika und Günter Clemens aus Ediger haben ihre Garage in ein WM-Studio verwandelt, das den Waldplatzfreunden Gelegenheit zum Rudelgucken bietet. Die Waldplatzfreunde ist eine Clique von rund 30 Leuten, die sich gemeinschaftlich um die Pflege eines Freizeitplatzes im Ort kümmern.

In Ediger-Eller gibt es beim Siegtor von Toni Kroos kein Halten mehr. Das Erlebnis ist gemeinsam umso schöner.  Foto: Kevin Rühle
In Ediger-Eller gibt es beim Siegtor von Toni Kroos kein Halten mehr. Das Erlebnis ist gemeinsam umso schöner.
Foto: Kevin Rühle

„Seit ein paar Jahren schauen wir auch zusammen Fußball“, erklärt Hilarius Kölsch, einer der Organisatoren. Platz für die Clique gibt es bei Familie Clemens jedenfalls genug. Die Garage – oder vielmehr das WM-Studio – ist seitlich zu einem Innenhof geöffnet, in dem ein Stehtisch für die Raucher sowie Kühlschränke für die Getränke Platz finden. Der Garageninnenraum ist liebevoll dekoriert und mit einer langen Tafel mit Barhockern ausgestattet. Am Ende des Raums: eine riesige Leinwand. „Die Spiele werden per Beamer auf die Leinwand übertragen“, erklärt Clemens. Seit vier Jahren dient die Garage von Familie Clemens als WM-Studio. „Früher haben wir in der Wirtschaft geschaut, aber da wir so viele sind, konnten wir nicht zusammensitzen“, sagt Helmut Brück. Die ehemaligen Schulfreunde, inzwischen meist Familienväter, haben sich dann zusammengeschlossen. Clemens stellt den Raum zur Verfügung, die Frauen sorgen für Snacks und Knabbereien, die Männer dafür, dass der Getränkekühlschrank gefüllt ist. „Das ist innerhalb der Clique kein Problem, wir schreiben auf, was getrunken wird und rechnen später ab“, heißt es.

Rund zwei Stunden, bevor das Spiel Deutschland gegen Schweden beginnt, ist in Clemens´ Garage schon richtig was los. Zur Begrüßung malt Helmut Brück jedem Gast die Trikolore auf die Wangen. Dafür hat er sich einen extra Stift zugelegt. Die Fußballfans erscheinen nacheinander, fast alle in weißen Trikots. Schließlich möchte man sich auch äußerlich schon als Fan zu erkennen geben. In der Garage gibt es eine klare Sitzordnung. Das hat sich über die Jahre so eingespielt. Die, die ungestört gucken wollen, sitzen in der ersten Reihe. Dafür haben sie Campingstühle dicht vor die Leinwand gestellt. Dahinter befindet sich der lange Tisch, der von einem der Freunde selbst gebaut wurde. Näher an der Leinwand sitzen die Männer, weiter hinten, im Eingangsbereich, die Frauen. „Wir schauen auch das Spiel, aber zwischendurch wollen wir schon mal ein bisschen quatschen“, geben die Damen ungeniert zu. Spätestens als die Nationalhymne zum Spielbeginn erklingt, ist es dann doch mucksmäuschenstill im Raum. Von der ersten Minute an fiebert die ganze Gruppe mit der Nationalmannschaft mit. Und zwar so, dass selbst Gäste, die sich eigentlich nicht sonderlich für Fußball interessieren, plötzlich mittendrin sind, im Fußballfieber.

Vor dem Spiel wurden Tipps abgegeben und auf einem Zettel notiert. Der Einsatz kostet zwei Euro. „Beim letzten Mal hat keiner richtig getippt, da haben wir von der Summe einen Lottoschein gekauft“, sagt Helmut Brück. „Das wäre doch was, wenn wir damit den Jackpot knacken“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Die Stimmung an der Mosel ist von Anfang an gespannt. Schließlich wissen alle, dass die Nationalelf gewinnen muss, um weiter dabei sein zu können. Als nach 30 Minuten das erste Tor für die gegnerische Mannschaft fällt, holt Helmut Brück den Tippzettel und streicht schon mal die von der Liste, die falsch lagen. Mit Spannung wird das Spiel bis zum Ende verfolgt. Nicht ohne jede Menge Kommentare dabei abzugeben. Fluchend halten alle bis zum Ende durch. Und tatsächlich fällt in den letzten Sekunden das entscheidende Tor zum Sieg. Die Waldplatzfreunde sind nicht mehr zu halten. Sie springen von den Sitzen und fallen sich in die Arme. „Genau das hat man eben nicht, wenn man allein im Wohnzimmer vor dem Fernseher sitzt“, sagt einer. Recht hat er.

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Platten-Wirtz

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