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Cochem-Zell

Speeddating zwischen Arbeitnehmern und Firmen: Flüchtlinge treffen potenzielle Arbeitgeber

Für Arbeitgeber in der Region wird es immer schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden. Oft suchen ortsansässige Firmen schon lange händeringend nach Arbeitskräften. Fündig werden können Firmen da möglicherweise bei arbeitswilligen Flüchtlingen. Beim Speeddating im Cochemer Kapuzinerkloster kamen sich jetzt schon zum zweiten Mal Arbeitgeber und potenzielle Mitarbeiter näher. Doch was muss passieren, dass aus diesem „Date“ auch wirklich ein langfristiges Arbeitsverhältnis wird?

Arbeitssuchende Flüchtlinge konnten sich beim Speeddating im Kapuzinerkloster bei Unternehmen aus der Region vorstellen.
Arbeitssuchende Flüchtlinge konnten sich beim Speeddating im Kapuzinerkloster bei Unternehmen aus der Region vorstellen.
Foto: Ulrike Platten-Wirtz

Die Veranstaltung, die die Kreisverwaltung in Kooperation mit Arbeitsamt, Jobcenter, Handwerks-, Industrie- und Handelskammer bereits zum zweiten Mal ausrichtet, bot jedenfalls zunächst einmal eine gute Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen. 22 Unternehmen, darunter Handwerksbetriebe und Dienstleister, präsentieren sich im Pater-Martin-Saal.

Die Vertreter haben an Tischen Platz genommen und warten auf ihre Gesprächspartner. Immerhin 90 potenzielle Bewerber – ausschließlich Flüchtlinge – stellen sich an diesem Tag den Firmen vor.

Herbert Rothschild, Spediteur aus Ulmen, hat schon im vergangenen Jahr gute Erfahrungen mit der Kontaktbörse gemacht: Im vorigen Sommer konnte der 66-Jährige Geschäftsführer einem 18-jährigen Afghanen einen Ausbildungsplatz als Berufskraftfahrer anbieten. „Wir sind sehr zufrieden. Der junge Mann ist zuverlässig, und man merkt wöchentlich, wie er sich weiterentwickelt – sowohl sprachlich als auch fachlich“, sagt Rothschild.

Zehn Minuten haben die Teilnehmer Zeit, um sich im Kapuzinerkloster zu beschnuppern. „Das reicht, um zu merken, ob das passen könnte oder nicht“, sagt Thomas Berenz, der einen Dachdeckerbetrieb in Cochem führt. Der Handwerker nimmt zum ersten Mal an der Veranstaltung teil. „Bei uns hat sich schon länger keiner mehr beworben“, erklärt er seine Motivation. Berenz hofft, dass sich aus den Gesprächen, die er mit den Flüchtlingen führt, etwas ergibt. Auf seiner Liste stehen rund zehn Interessierte, die sich im Lauf des Nachmittags bei ihm vorstellen. Diejenigen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, werden von Dolmetschern unterstützt.

Schon im Vorfeld haben die Organisatoren darauf geachtet, dass die Bewerber auch zu den Unternehmen passen. „So ganz kriegt man das nie hin, aber wir tun unser Bestes“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Hedwig Bregmann. Probleme sieht die Verwaltungsangestellte darin, dass die Vorstellungen der Bewerber oft realitätsfern sind. „Viele wissen gar nicht, was sie in den entsprechenden Berufen an Arbeit erwartet“, sagt sie. Mit Kurzvideos, in denen die Berufe vorgestellt werden, wurden die Teilnehmer deshalb schon vor dem Dating auf die Bewerbungsgespräche vorbereitet.

Einer der Bewerber ist Frezghi Yemane. Der 27-Jährige würde gern eine Ausbildung zum Bürokaufmann machen. In seinem Heimatland Eritrea hat er studiert: Lehramt. Vor vier Jahren kam er nach Deutschland. Seinen sehr guten Sprachkenntnissen hat er es zu verdanken, dass er bereits einige Praktika machen konnte. Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern weiß Frezghi Yemane wie wichtig eine Ausbildung ist, um später im Beruf erfolgreich sein zu können.

Andrea Schär, die die Firma Lohner vertritt, stellt dem 27-Jährigen auch gleich einen Praktikumsplatz in Aussicht. Die Bäckerei gehört mit rund 2000 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern der Region und hat auch einen Ausbildungsplatz im kaufmännischen Bereich zu vergeben. „So ein Bewerber wie Frezghi Yemane ist natürlich ein Glücksfall“, sagt Schär. Gute Sprachkenntnisse sowie der Besitz eines anerkannten Führerscheines verschaffen dem Eritreer Vorteile gegenüber anderen.

Gute Sprachkenntnisse gehören zu den Hauptkriterien. Vielen Bewerbern fällt es nicht schwer, sich mit den Unternehmern zu verständigen. Die Stimmung ist gelöst, die Gespräche verlaufen gut. Zudem hat die positive Resonanz vom Vorjahr die Runde gemacht. Ludwig Götz, der die Firma Einig Zenzen vertritt, sagt: „Wir konnten voriges Jahr zwei Leute als Maschinenführer einstellen, mit denen wir sehr zufrieden sind.“

Von unserer Mitarbeitern Ulrike Platten-Wirtz

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