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    Zell/Altlay

    Mit dem Tod verabredet

    Manche Holzskulpturen wirken verstörend, scheinen Dämonen aus dem Inneren eines depressiven Künstlers freizusetzen. Doch Przemislav Perschke aus Altlay versichert lächelnd: „Ich bin ein glücklicher Mensch. Meine Arbeiten und mein Leben sind zwei verschiedene Dinge. “

    Przemyslav Perschke aus Altlay stellt Holzskulpturen und andere Arbeiten im Haus von Dr. Hermann-Josef Simonis aus.
    Przemyslav Perschke aus Altlay stellt Holzskulpturen und andere Arbeiten im Haus von Dr. Hermann-Josef Simonis aus.
    Foto: Brigitte Meier

    Wer den 35-jährigen aus Polen stammenden Künstler und seine Arbeiten kennenlernen möchte, den lädt Dr. Hermann-Josef Simonis zur ersten Ausstellung in sein Haus „Wellenburg“ in Zell, Merlerstraße 1a, ein. Am Pfingstwochenende, 12. und 13. Juni zwischen 10 und 18 Uhr, zeigt Perschke im Gaudí-Stil gestalteten Haus Skulpturen aus Holz, Ölgemälde und andere Objekte.

    Ursprünglich kam Perschke als Patient zu Simonis, der schon bald das große künstlerische, jedoch brach liegende Potenzial des arbeitslosen Zahntechnikers erkannte. Um ihm eine Chance zu geben, aber auch, weil er in Perschke mit der Zeit eine Art Seelenverwandtschaft entdeckte, beauftragte Simonis den jungen Künstler, seine „Wellenburg“ am Moselufer innen und außen künstlerisch zu gestalten. Mittlerweile sind die beiden Männer durch eine tiefe Freundschaft verbunden.

    Ein glücklicher Familienmensch mag Perschke heute sein, doch langweilig war sein Leben in Jugendjahren sicher nicht. Er erinnert sich: „Ich war immer ein wilder Rebell, der lange die Schule schwänzte, Unfug machte und sehr freiheitsliebend war.“ Es ist ihm ein wenig peinlich, dass er wegen seiner Undiszipliniertheit durch das Abitur fiel und daher auch keine Kunstakademie besuchen konnte. Doch die Liebe zur Kunst und sein Talent zeigten sich früh. Als kleiner Junge bewunderte er stundenlang die alten Holzskulpturen in der Kirche seines Heimatortes. Bereits mit zehn  Jahren formte er aus Knete den „Denker“ des Bildhauers Auguste Rodin nach. In einer großen Buchhandlung vertiefte er sich in Betrachtungen der Werke großer Meister wie Michelangelo, Leonardo da Vinci oder Dalí.

    Die dunklen Seiten des Lebens regen Perschkes Fantasie an: „Es gibt ja nicht nur Blümchen und Schmetterlinge. Ich will zeigen, was krank und traurig ist.“ So ist die Darstellung von Frau und Mann eines seiner Lieblingsmotive: Vordergründig zeigen sie sich als harmonisches Paar, die voneinander abgewandten Blicke verraten jedoch das Gegenteil. Außerdem beschäftigt sich der Künstler immer wieder mit den Themen Angst und Selbstzweifel, Tod und Vergänglichkeit. Perschke bekennt: „Ich habe Angst vor dem Tod. Um auf ihn vorbereitet zu sein, habe ich eine Verabredung mit ihm, um ihm angstfreier ins Auge schauen zu können.“

    Keine Angst hat Perschke davor, dass ihm die Ideen ausgehen: „Mein Kopf produziert Ideen wie ein Wasserfall.“ Um die Ideen nicht zu vergessen, hält er sie in Skizzen fest, am liebsten geformt aus Ton oder Knete. Gips, Ton, Kupfer und Schiefer sind Perschkes bevorzugte Arbeitsmaterialien. Doch Holz mag er am liebsten: „Es ist warm wie ein Körper.“

    In der ersten Kunstausstellung in der „Wellenburg“ sind Holzskulpturen, Gemälde und Reliefs von Przemislav Perschke zu sehen. Außerdem können die Besucher auch die künstlerische Gestaltung der Ausstellungsräume betrachten, etwa Reliefs auf Wänden, Decken und Fußböden, Fensterbänke, Möbel und Lampen. Eine Diaschau dokumentiert die Entwicklung  des gesamten Hausbaus.

    Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

    Cochem Zell
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