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    Hauroth

    Jung und stark am Markt: Weshalb sich Felix Heege für das Landleben entschieden hat

    Nüchtern, ja geradezu nackt sieht es im Büro von Felix Heege aus. Sieht man von einem Poster der Londoner U-Bahn und einem kleinen Schrank mit einer Handvoll Akten ab, befinden sich nur seine Arbeitsgeräte, ein dreigliedriger, voluminöser Bildschirm, Telefon, Handy und ein Bürostuhl im Racing-Stil, im Raum. Der Grund: Heege zog vor sieben Wochen in sein neues Haus nach Hauroth, ist aber derart ausgelastet als selbstständiger Softwareentwickler, dass für die Einrichtung der Räume noch keine freie Zeit blieb.

    Notwendige Überwachung: Von seinem Schreibtisch aus kontrolliert Felix Heege, ob die Prozesse bei den Kunden reibungslos laufen. Foto: Thomas Brost
    Notwendige Überwachung: Von seinem Schreibtisch aus kontrolliert Felix Heege, ob die Prozesse bei den Kunden reibungslos laufen.
    Foto: Thomas Brost

    Der 29-Jährige hat pausenlos zu tun, arbeitet 50 bis 70 Stunden die Woche. Und samstags und sonntags? „Das kommt nicht selten vor, ich arbeite dann, wenn mein Kunde Ideen hat“, sagt er. Als er sechs Jahre alt war, drückte er eifrig die Tasten eines Computers, seiner hatte Windows 95 und 100 Megahertz. Und fragte sich: „Warum passiert was, wenn ich auf diesen oder jenen Knopf drücke?“ Er tastete sich in die Tiefen des Gerätes vor, hat sich beigebracht, wie man einen Rechner formatiert.

    Aber: Wie bei vielen Jugendlichen kam bei ihm nach dem Fachabi mit Schwerpunkt Datenverarbeitung der Durchhänger: Das dauerhaft tun? Er rang sich zu einer Ausbildung als Softwareentwickler durch. Felix Heege durfte sich zwar in mehr als 15 Programmiersprachen einarbeiten, aber die Ausbildung nervte, weil sie zu langsam über die Bühne ging. Als Azubi noch eröffnete er sein eigenes Gewerbe. Erster Kunde: Vater Bernhard. Der hatte eine eigene Firma, für ihn schrieb er ein Programm, eine Zeiterfassungssoftware mit kategorisierbarer Arbeitsplanung. Da war er 21.

    Rasch stand er vor der Wahl, entweder nach München zu ziehen – dort wo es viele gut dotierte Jobs in der Branche gibt – oder auf dem Land zu bleiben und sich dauerhaft selbstständig zu machen. Felix Heege ist bekennendes Landkind. „Und die Existenzgründung wurde mir hier einfach gemacht.“ Wiederum über die Familie gelang es ihm, eine Firma aus der Münchner Druckindustrie an Land zu ziehen. Er durfte den kompletten Workflow überwachen für die Firma, von der Bestellung bis zum Druck, bis zu Kommissionierung und Versand. Bis heute ein festes Standbein. Zumal ein Projekt in der Branche auf fünf Jahre und länger angelegt ist. „Schöne Aufträge“ kamen in den jüngsten acht Jahren hinzu, unter anderem von den Stadtwerken Andernach, aber auch mit Anbindung an BMW oder Porsche. Der Kleinkunde, der eine Webseitenlösung braucht, läuft eher nebenher.

    Sein Tagwerk beginnt gegen 9 Uhr, oftmals mit einer Telefonkonferenz, in der Tagesziele und Tagesprioritäten formuliert werden. „Da bekomme ich die Endkundenanweisung.“ Es wird über Ideen nachgedacht, wie Prozesse effizienter gestaltet werden können. „Dann wird losprogrammiert.“ Änderungen einzubauen, das dauert zwischen einer Stunde und einer Woche. Zwischendurch heißt es testen, testen, testen. Das Qualitätsmanagement ist enorm wichtig, bei hohem Handlungsdruck klingelt sogar das gute, alte Telefon. Aber Heege ist immer online, auch dank seiner 25.000er-Leitung in Hauroth. Und: „Wenn der Kunde anruft, weiß ich schon, was passiert ist. Meistens bin ich zwei Schritte voraus.“

    Hobbys? Urlaub? Heege zuckt mit den Schultern. Er gönnt sich dreimal im Jahr, in München arbeiten zu dürfen. Da schnuppert er etwas Stadtluft. Und Hobby Nummer eins ist die Arbeit bei der Arge Kaisersescher Gewerbetreibender und deren Jungunternehmern, ein Netzwerk, das sich gegenseitig hilft. Ferner stehen Freunde und Familie im Mittelpunkt, hier und da geht es ins Kino oder zum Bowlen.

    Erweitern könne er seine Firma, jedoch finden sich zu wenige qualifizierte Softwareentwickler auf dem Land. Und wenn, so Heege, „dann angeln große Firmen sie mit krassen Gehältern weg.“ Hat er Auftragsspitzen, vergibt er sie an Externe, Kooperationen funktionieren gut. Nimmt der Stress mal überhand? „Nein, denn wenn die Arbeit Spaß macht, muss man sein ganzes Leben lang nicht arbeiten.“

    Von unserem Redakteur Thomas Brost

    Cochem Zell
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